Neue Testsendeanlage für Chemnitzer InnoProfile-Projekt sachsMedia

Rund drei Meter groß, 50 Watt stark und 230.000 Euro wert ist die neue Testsendeanlage, mit der Nachwuchswissenschaftler des Chemnitzer InnoProfile-Projekts sachsMedia forschen können.

Die DVB-T-Anlage wurde in Kooperation mit der Mugler AG aus Oberlungwitz auf dem Chemnitzer Universitätscampus in 25 Meter Höhe auf dem so genannten Turmbau errichtet. Damit wollen die Wissenschaftler unter fachlicher Leitung von Prof. Dr. Maximilian Eibl unter anderem neue Verfahren zur Übertragung von digitalen Inhalten evaluieren.

Beste Forschungsbedingungen durch leistungsfähige DVB-T-Anlage

DVB-T ist das Kürzel für „Digital Video Broadcasting Terrestrial“, mit dem die Verbreitung digitaler Fernsehsignale mittels erdgebundener Antennenanlagen bezeichnet wird. Die sachsMedia-Testsendeanlage verteilt sich auf zwei Standorte. Zum einen ist das die Antenne im Universitätsteil Reichenhainer Straße, mit welcher der gesamte Uni-Campus und die Studentenwohnheime erreicht werden können. Zum anderen ist das eine kleinere Antenne im Bereich Straße der Nationen, welche den Gebäudekomplex zu Testzwecken lokal versorgt. Die Sendeinhalte werden derzeit noch aus dem Labor der Professur eingespeist. Die zentrale Steuerung und Fernwartung beider Anlagen erfolgt von einem speziellen Arbeitsplatz aus bequem über das Campus-Hochgeschwindigkeitsnetz, so dass die entfernt voneinander stehenden Sender parallel bedient werden können. Zusätzlich existiert zur Überwachung der Anlage ein Messpark. Dieser kann TV-Testsignale generieren, sie an den Sender übermitteln und nach der Ausstrahlung wieder empfangen. So können beispielsweise Qualität, Timing oder Inhalte der Sendesignale genauestens analysiert und überwacht werden.

Der Sprung vom Analog- zum Digitalfernsehen

Mit Unterstützung des BMBF suchen die Medieninformatiker der TU Chemnitz bis 2012 nach praktikablen Wegen, wie lokale TV-Stationen künftig Beiträge innerhalb einer webbasierten Medien-Allianz produzieren, senden und verteilen können. In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Regionalfernsehveranstalter in Sachsen (ARiS) und der KabelJournal GmbH Grünhain-Beierfeld, der enviaTEL GmbH Markkleeberg, der HMS oHG aus Halle und der Mugler AG aus Oberlungwitz will sich die Professur Medieninformatik in "sachsMedia - Cooperative Producing, Storage and Broadcasting for Local Television Stations" diesen Problematiken annehmen.
Das Team des Chemnitzer Inno-Profile-Projekts sachsMedia.
Tiefgreifende Veränderungen der deutschen Medienlandschaft

Hintergrund ist der Umbruch, vor dem die deutsche Medienlandschaft steht. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: "Zu nennen sind hierbei die in allen Medienbereichen eingebrochenen Werbeeinnahmen, die gerade bei den lokalen Sendern Rationalisierungsmaßnahmen erfordern. Dazu werden nicht nur senderübergreifende Kooperationen bei der Produktion, sondern auch gut archiviertes und recherchierbares Sendematerial benötigt. Zudem wird voraussichtlich 2010 die analoge Fernsehausstrahlung in Deutschland einheitlich eingestellt und die momentan noch auf diesem Wege sendenden Lokalfernsehsender müssen bis dahin den Umstieg auf digitale Formate geschafft haben", sagt Projektleiter Prof. Dr. Maximilian Eibl, Inhaber der Professur Medieninformatik an der TU Chemnitz.

Sein Mitarbeiter Robert Knauf ergänzt: "Auch die wachsende multimediale Bedeutung des Internets und die damit verbundene Möglichkeit, Sendungen über dieses Medium zu verteilen, werden in die Überlegungen einbezogen. Das sendefähige Material muss für das Internet und mobile Anwendungen aufbereitet werden, was entsprechende Distributionsmethoden erfordert."

Leistungsfähige Datenbank und neue Verteilungswege

In diesem Zusammenhang setzt das mit etwa 2,2 Millionen Euro geförderte InnoProfile-Projekt sachsMedia vor allem auf zwei Schwerpunkte: Annotation/Retrieval und Distribution.

Unter ersteren versteht man dabei die inhaltliche Beschreibung von Videosequenzen und das anschließende Suchen nach diesen begrifflich formulierten Informationen. Basis dafür bildet eine Datenbank, in der das Rohmaterial sowie die fertig produzierten Sendungen eingearbeitet und vorgehalten werden. Um einen schnellen Zugriff und eine kooperative Arbeit zu erleichtern, müssen die Daten dabei möglichst umfassend inhaltlich beschrieben und leicht recherchierbar sein. Die wissenschaftliche Herausforderung hierbei liegt in der (semi-)automatischen Erstellung dieser Beschreibungen.

Nach Möglichkeiten des Sendens bzw. Verteilens der Produktionen und dessen Weiterentwicklung wird im zweiten Schwerpunkt Distribution geforscht. Knauf: "Wir suchen jenseits der klassischen Übertragung nach neuen Verteilungswegen für Sendematerial und neuartige Mediendienste."

Großes Forschungs- und Entwicklungspotential

Zum einen sei das durch TV-Live-Streaming und Video-on-Demand-Streaming über das Internet denkbar. Zum anderen soll auch die Bereitstellung des Materials und dessen Übertragung via Digitalfernsehen ermöglicht werden. Das Material muss dabei auf den jeweiligen Übertragungskanal optimal angepasst werden, um Nutzern eine hohe Dienstgüte zu garantieren. "Damit die hier erreichten Fortschritte und standardisierten Verfahren zur Übertragung von digitalen Inhalten auch evaluiert werden können, brauchen wir unsere DVB-T-Testanlage", erklärt Eibl. Um die Projektpartner für die anstehenden Veränderungen im Medienbereich zukunftsfähig zu machen, hebt "sachsMedia" die beteiligten Projektpartner über kritische Forschungshürden hinweg und gibt damit einen wichtigen Innovationsschub, der sie über die Schwelle vom Analog- zum Digitalfernsehen bringt.



Nähere Informationen zum InnoProfil sachsMedia finden Sie hier.