REMEDIS – Implantattechnologie der Zukunft - Rostock

 

Die Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative

Implantate für das Herz-Kreislauf-System, sogenannte Stents, helfen vielen Menschen, ein normales Leben zu führen: Sie werden eingesetzt, wenn ein Blutgefäß verstopft ist oder zu verstopfen droht, und sie sorgen dafür, dass das Blut wieder ungehindert fließen kann. Eingesetzt werden Stents in der Regel in minimalinvasiven Verfahren, bei denen ein kleiner Katheter durch die Leiste zum betroffenen Gefäß geführt wird. Oft können die Patienten schon nach wenigen Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Implantate tragen somit maßgeblich zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten und zur Steigerung des Therapieerfolges bei.

REMEDIS ist ein Forschungsverbund der Universität Rostock mit nationalen und internationalen Forschungs- und Industriepartnern. Gemeinsam arbeiten Wissenschaftler der Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin an der Entwicklung und Verbesserung von Implantaten. REMEDIS setzt die Erfahrungen aus der Stent-Technologie für das Herz-Kreislauf-System auch in anderen Bereichen ein: In enger Zusammenarbeit mit erfahrenen und namhaften Medizinern forscht der Verbund an der idealen Beschichtung für Stimulationselektroden und an Mikrostents für das Auge und das Ohr sowie an abbaubaren, sich auflösenden Stents. Auf dem Gebiet der Stent-Technologie mit abbaubaren Magnesiumlegierungen und Hochleistungspolymeren setzt REMEDIS europaweit Maßstäbe.

Die Ziele

Im Fokus der Forschung stehen innovative Implantate mit kontrollierter und ortsspezifischer Wirkstofffreisetzung. Dazu gehören Stents und Stimulationselektroden für das Herz-Kreislauf-System, Glaukomstents und Intraokularlinsen für das Auge sowie Tubenstents für das Ohr.

REMEDIS stützt sich in diesem Forschungsfeld auf ein exzellentes, langjährig erworbenes Know-how der Verbundpartner. Dieses basiert auf der engen Verzahnung des naturwissenschaftlich-technischen Netzwerks mit den medizinischen Partnern der Universitätskliniken Rostock und Greifswald sowie der Medizinischen Hochschule Hannover.

REMEDIS führt erstmals sämtliche Stufen der Implantatentwicklung zusammen: von der Grundlagenforschung, über die angewandte Forschung bis hin zur präklinischen Erprobung der neuen Implantattypen.

Die REMEDIS-Projektstruktur mit dieser durchgängigen Prozesskette sichert somit eine stringente Überführung der Forschungsleistungen in die Klinik. Die eigene Technologie- und Methodenentwicklung an der Schnittstelle von Medizin, Pharmazie und Technik gewährleistet zudem die Innovationsstärke des Verbundes.

 

Die thematischen Schwerpunkte

  • Stents: REMEDIS arbeitet erfolgreich an der Weiterentwicklung von Drug-Eluting-Stents zu sogenannten Multi-Mode-Stents, die durch eine ortsselektive, mehrstufige Wirkstoffabgabe das Risiko von Spätthrombosen minimieren.
  • Stimulationselektroden: Stimulationselektroden geben gesteuerte elektrische Impulse gezielt im Körper ab. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil von Schrittmachern, Defibrillatoren, Neurostimulatoren und Cochlea-Implantaten. REMEDIS arbeitet an der Entwicklung neuer, wirkstoffhaltiger Beschichtungen für Stimulationselektroden. Diese verhindern eine ungewollte Bindegewebsneubildung im Umgebungsbereich der Elektrodenspitze und damit die nachteilige Veränderung der elektrischen Übergangseigenschaften. Die Elektrode kann somit länger im Körper verweilen. Für den Patienten bedeutet das weniger belastende Operationen zum Austausch der Elektroden.
  • Mikrostents: Der Einsatz von Mikrostents im Auge und im Mittelohr und die Entwicklung von dafür notwendigen, minimalinvasiven, mikrochirurgischen Techniken eröffnen neue Therapiekonzepte für Patienten mit Grünem Star (Glaukom) oder chronischer Mittelohrentzündung. Diese sogenannten Glaukomstents zur Senkung des Augeninnendrucks und Tubenstents zur Belüftung des Mittelohres müssen aufgrund ihrer Lage und der Umgebungsbedingungen hoch beanspruchbar sein. Sie können aus Formgedächtnis-Legierungen oder Polymeren hergestellt werden. Mikrostentsysteme sind wegen ihrer Skalierung und ihren mikrostrukturierten, biofunktionalisierten Oberflächen eine große wissenschaftliche Herausforderung, die von REMEDIS bis zur Prototypenreife vorangetrieben wird.
  • Intraokularlinsen zur Behandlung des Grauen Stars gehören heute schon zu den wichtigsten Implantaten in der Augenheilkunde. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 500.000 Operationen durchgeführt. Eine Optimierung und Weiterentwicklung der Kunstlinse hilft maßgeblich, das Risiko des Nachstars, der durch starke Zellbildung um die Linse entsteht und somit zur Eintrübung der Linse führt, zu reduzieren. REMEDIS forscht darüber hinaus an injizierbaren, akkommodationsfähigen Linsensystemen. Diese sollen vor allem älteren Patienten helfen, die Fähigkeit des jungen Auges, Gegenstände aus verschiedenen Entfernungen scharf abbilden zu können, wiederherzustellen.

Die Partner

  • Universität Rostock
  • Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
  • Hochschule Wismar
  • RWTH Aachen
  • Medizinische Hochschule Hannover
  • Laserzentrum Hannover
  • University Medical Center Groningen, NL
  • BIOTRONIK Berlin, Erlangen, Bülach, D/CH
  • Bayer MaterialScience AG, Leverkusen
  • Tepha, Inc., Lexington, MA, USA
  • CORTRONIK GmbH, Warnemünde
  • Institut für Implantattechnologie und Biomaterialien e.V., Warnemünde

Kontakt

Prof. Dr. med. Rudolf Guthoff (Sprecher)
Prof. Dr. Klaus-Peter Schmitz (Vors. des Vorstandes)
Geschäftsstelle des REMEDIS-Verbundes
Universität Rostock
Institut für Biomedizinische Technik
Friedrich-Barnewitz-Straße 4
18119 Rostock
Tel.: 0381 54345 501
E-Mail: ibmt[at]uni-rostock.de 
http://remedis.med.uni-rostock.de

Berichterstattung aus dem "Blickpunkt" finden Sie hier.