So klingt die Zukunft!

Beim Innovationsforum „Sound Design“ trafen sich Mitte Oktober in Potsdam rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um das Sound Design in urbanen Räumen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie wir zukünftig den Klang unserer Städte gezielt gestalten und damit die Lebensqualität nachhaltig verbessern können.

Warum diese Frage so zentral ist und welche Potenziale sie in sich birgt, machte Hans-Peter Hiepe vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits in seinem Grußwort deutlich. Er verglich den Geräuschpegel in den Städten von heute mit der Belästigung, die früher von Fäkalien ausging. Und so, wie die Einführung der Kanalisation damals die Lebensqualität in den Städten deutlich erhöht habe, könne dies ein gezieltes Sound Design heute tun. Dabei geht es nicht nur um die Reduzierung von Lärm, sondern auch darum, die Geräusche gezielt zu gestalten und eine angenehme, typische Klangkulisse in den Städten zu schaffen.

Genau diese Vision möchte Dr. Friedrich Blutner, seit 30 Jahren Sound Designer, begeisterter Klangforscher und einer der Initiatoren des Innovationsforums, der Öffentlichkeit nahebringen und in der Zukunft mit verschiedenen Partnern umsetzen. Für den Klang der Städte von Morgen können Sound Designer in Kooperation mit Partnern aus der Industrie und Wissenschaft sorgen.

Für Friedrich Blutner, dies machte er in seiner einführenden Präsentation deutlich, ergibt sich die Chance für einen völlig neuen Klang in Städten in erster Linie aus der gegenwärtig in der Entwicklung begriffenen Elektroautos, die in Zukunft auf den Straßen unterwegs sein werden. Diese Elektroautos sind momentan ausgesprochen leise – aber dadurch auch gefährlich: denn anders als die jetzigen Autos hört man sie nicht und ist als Fußgänger dadurch nicht schon über das Gehör gewarnt, dass sich ein Auto nähert. Insofern wäre es gut, wenn auch die Autos der Zukunft zu hören wären. Hier eröffnet sich ein völlig neues Feld der systematischen Schallgestaltung. Dabei geht es neben den funktionalen und emotionalen Qualitäten auch um die Vermittlung von Sinn und Sinnlichkeit. Dies mit der Vermittlung des Markenimages zu verbinden, so Dr. Blutner, stelle eine der großen Herausforderungen für Ingenieure und Kreative dar.

Dr. Friedrich Blutner (links) und Olaf Mierau, die Initiatoren des Innovationsforums "Sound Design".

Aber in einer Stadt fahren verschiedene Fahrzeuge und der Verkehr ist nicht die einzige Lärmquelle – wie klingt sie also dann, die Stadt der Zukunft? Wie man dies simulieren kann erläuterte Blutners Mitinitiator des Innovationsforums, Olaf Mierau, in seinem Vortrag über  Medien Sound Design. Mierau zeigt anschaulich, dass Medien Sound Design viel mehr ist als  „nur“ das Nachvertonen von Stimmen und Hintergrundgeräuschen eines Films. Medien Sound Design schafft Emotionen durch Klänge. Will ein Regisseur beispielsweise ein Gefühl von Einsamkeit entstehen lassen, so kann er dies entweder mit einer Sequenz von Bildern oder aber einer Einstellung und der entsprechenden Untermalung mit Geräuschen – ein Eiswürfel fällt ins Glas, im Hintergrund spielt „As time goes by“. Und so, wie man im Film verschiedene Klangkulissen simulieren kann, könnte man auch den Klang einer Stadt simulieren. Und z.B. statt mit neuer Architektur mithilfe des Klangs einer Stadt oder auch mithilfe verschiedener Klänge für unterschiedliche Stadtviertel bestimmte Emotionen bei Bewohnern und  Besuchern wecken – Heimatgefühl, Vertrauen und Vieles mehr.

Diese und weitere Ideen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im zweiten Teil des Innovationsforums in verschiedenen Workshops. Dabei wurde auch erörtert, wie Kreativwirtschaft und Industrie von Anfang an so eng zusammenarbeiten können, dass die Gestaltungspotenziale des Sound Design ausgeschöpft und gleichzeitig teure Fehl- oder Nachentwicklungen vermieden werden.

Um zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich intensiv begleiten zu können sowie aufgrund des positiven Feedbacks und der großen Nachfrage soll es von nun an jedes Jahr ein Potsdamer Sound Design Forum geben.

 

Weitere Informationen zum Innovationsforum „Sound Design“ erhalten Sie hier.