Wohin geht die Zukunft des Internets? – Experten diskutieren auf der Konferenz „Topic Maps Research and Applications“ (TMRA)

Die Konferenz zur Forschung und Anwendung von Topic Maps fand zum fünften Mal in der sächsischen Messemetropole Leipzig statt. Und sie wächst von Jahr zu Jahr. Diesmal sind über 90 Teilnehmer zum Wissensaustausch gekommen, unter anderem aus den USA, Japan, Norwegen, Belgien, Ungarn, Tschechien und Deutschland. Die Vernetzung von Daten ist das große Thema der TMRA 2009.

Daten werden heutzutage massenhaft gespeichert – nicht nur im Internet, auch auf Computern von Firmen, öffentlichen Verwaltungen oder Kliniken. Doch wie können diese riesigen Mengen an Informationen sinnvoll miteinander verbunden werden? Schließlich hilft erst die Vernetzung den Nutzern, konkretere Informationen zu finden, als es momentan bei einer normalen Google-Suche im Internet möglich ist. Weltweit verlinkte Daten sollen neue, zielgenauere Suchergebnisse im Netz ermöglichen und die Recherche vereinfachen.

„Es geht darum, nicht nur Webseiten, sondern auch die darunterliegenden Daten und Fakten weltweit miteinander zu vernetzen", meint Dr. Lutz Maicher, Koordinator des Topic Maps Lab in Leipzig und Organisator der Konferenz. Er hat die TMRA im Jahr 2005 ins Leben gerufen. Leipzig konnte damit zu einem Ort des wissenschaftlichen Austausches für die semantische Technologie Topic Maps entwickelt werden.

Im Mai dieses Jahr gründete Lutz Maicher mit Hilfe der Förderung durch das BMBF das ForMaT-Projekt Topic Maps Lab (TMLab) in Leipzig. „Das wir hier vor Ort jetzt mit zwölf Wissenschaftlern konzentriert an dem Thema Topic Maps arbeiten können, gibt uns international und auf der TMRA großen Rückenwind", freut sich der Forschungsgruppenleiter.
Den Organisatoren der Konferenz ist es sogar gelungen, so bekannte Internet-Experten wie Michael Sperberg-McQueen und Steve Newcomb aus den USA als Keynote-Sprecher zu gewinnen.

Aber was sind eigentlich Topic Maps? Und wie werden sie eingesetzt? Topic Maps sind eine semantische Technologie deren Ziel es ist, Informationen über Orte, Personen und Dinge miteinander in Beziehung zu setzen. Die Informationen sollen auf der Ebene ihrer Bedeutung verknüpft werden. Zur Erstellung einer Topic Map werden zunächst systematisch Topics, also Themen oder Begriffe, gesammelt, zwischen denen dann Verbindungen hergestellt werden. Diese sind auch grafisch sichtbar. Hinter den Themen und Begriffen verbergen sich wiederum Daten, die für den Nutzer auf diese Weise leichter zu finden sind. Das Ganze funktioniert nicht nur mit Text- sondern auch mit Bilddateien.

Zukunftsgerichtete Diskussionen vor dem historischen Charme der Villa Ida auf dem Mediencampus Leipzig.

In einigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen werden Topic Maps bereits angewendet, beispielsweise im Helmholtzzentrum München oder bei der Europäischen Weltraumagentur (ESA). Zur Verwendung von Topic Maps für die Daten von Weltraumexperimenten referierte ein Vertreter der belgischen Firma Space Applications Services auf der Konferenz. Genau wie das Leipziger Topic Maps Lab veranstaltet das belgische Unternehmen regelmäßig Workshops zur Erstellung von Topic Maps.

Noch ist es schwierig, diese Technologie potentiellen Nutzern nahe zu bringen, doch das Interesse wächst und die Kreativität auch. So wurden auf der TMRA-Konferenz so genannte Open Space Sessions veranstaltet, bei denen die Teilnehmer jeweils fünf Minuten Zeit hatten, ihre neuen Ideen zu präsentieren und mit den Zuhörern zu diskutieren. Außerdem fand ein Wettbewerb für die beste Topic Map statt. Der Gewinner wurde Professor Shu Matsuura mit einer Topic Map über Physikalische Phänomene, die er an der Gakugei Universität in Tokyo für E-Learning einsetzt.

Interessenten können sich die Topic Map des japanischen Professors jetzt auch auf dem MAIANA Server anschauen. Das Leipziger Topic Maps Lab hat diesen Server während der Konferenz eröffnet: http://maiana.topicmapslab.de. Hier haben die Entwickler von Topic Maps die Möglichkeit, ihre Ergebnisse zu veröffentlichen und Informationen auszutauschen. In Zukunft soll mit MAIANA die Technologie für den Endanwender nutzbar gemacht werden.

Wie es sich für einen Informatik-Kongress gehört, gab es während der dreitägigen Veranstaltungen auch eine eigens eingerichtete Twitter-Seite. Diese haben die Teilnehmer gerne genutzt. Es wurde virtuell „gezwitschert“, was das Zeug hält. Und in einem Punkt sind sich alle einig: Die TMRA 2009 war ein großer Erfolg und hat neue Impulse gesetzt. Das sieht auch Organisator Dr. Lutz Maicher so: „Dieses Jahr waren Vertreter von 18 Unternehmen auf der TMRA, was die wachsenden kommerziellen Perspektiven von Topic Maps verdeutlicht.“ Deshalb ist es nicht nur Gezwitscher, sondern ein festes Vorhaben: 2010 wird in Leipzig die nächste Konferenz für Topic Maps Research and Applications stattfinden. 


Weitere Informationen zum ForMaT TMLab finden Sie hier.