„Diese strukturierten, vernetzten Informationen, das hat Eleganz“ – Dr. Lutz Maicher über seine Leidenschaft für Topic Maps und die Chancen der Technologie

Sie sitzen vertieft vor ihren Computern, den Blick konzentriert auf den Bildschirm gerichtet. 20 junge Wissenschaftler und Studenten arbeiten im Topic Maps Lab an der Informatikfakultät der Leipziger Universität. Ihr Teamchef ist nicht viel älter als sie. Der 31-jährige Dr. Lutz Maicher hat das Projekt mit großem Elan aufgebaut.

 

Als Praktikant hatte er vor neun Jahren zufällig einen Vortrag über Topic Maps gehört und war begeistert. Er schrieb seine Diplomarbeit zu diesem Thema, promovierte 2007 über Topic Maps. Seit einem Jahr leitet der zweifache Familienvater nun die ForMaT-Initiative und will dem Topic-Maps-Vorreiter Norwegen bald Konkurrenz machen. 

Die Norweger haben keineswegs nur guten Fisch, schöne Fjorde und einen beispielhaften Sozialstaat, sondern auch in der Informatikbranche einiges zu bieten. Die IT-Technologie Topic Maps wird dort schon seit 10 Jahren genutzt und weiterentwickelt. Inzwischen erwirtschaftet das skandinavische Land, das gerade mal so viele Einwohner hat wie Sachsen, mit Topic Maps einen Umsatz von ca. 10 Millionen Euro. „Wir wollen lernen: Was haben die Norweger gemacht? Wie können wir diesen Erfolg nach Deutschland transportieren?“, erklärt Dr. Lutz Maicher. Doch das allein reicht ihm nicht aus. „Weil auch in Norwegen die Potentiale, die Topic Maps bieten, noch lange nicht vollständig ausgenutzt werden. Die strukturierten Daten werden bisher überwiegend genutzt, um schöne Webportale zu bauen. Wir wollen die Integrationskomponente viel stärker ausbauen, also erst verschiedene Daten integrieren und diese dann in Anwendungen nutzen: in Portalen, als Webservices oder auf dem Computerdesktop.“ Auf diese Weise kann die ständig zunehmende Flut von Daten künftig sinnvoller genutzt werden. Denn Topic Maps speichern nicht nur Informationen, sondern können diese von mehreren Quellen strukturiert miteinander verbinden. So bekommt der Nutzer zu einem bestimmten Thema oder zu einer Person alle Fakten gebündelt geliefert.

Gerade für Unternehmen sind Topic Maps äußerst interessant. Denn Firmen benötigen diese Kopplung von Informationen beispielsweise für die Organisation ihrer Kundenbeziehungen. Detaillierte Angaben aus verschiedenen Datenbanken ermöglichen ihnen eine bessere Betreuung der Kunden. Dr. Lutz Maicher und seine Mitarbeiter wollen dafür sorgen, dass sich nicht nur große Unternehmen eine solche Technologie leisten können. „Da wir sozusagen eine minimal invasive Integration vornehmen, ist das besonders für kleine und mittelständische Unternehmen interessant. Wir können bestehende Datenbanken integrieren, ohne die darunterliegenden Programme zu verändern.“

Damit diese Ideen in Zukunft auch in der Praxis eingesetzt werden können, gibt es in dem ForMaT-Projekt eine ganz besondere Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Maichers Team arbeitet mit dem Lehrstuhl für Marketingmanagement der Handelshochschule Leipzig zusammen, eine der besten Business-Schools Deutschlands. Der Austausch mit dem Lehrstuhlinhaber Professor Manfred Kirchgeorg ist für Lutz Maicher sehr wichtig. Er weiß, dass Topic Maps eine generische Grundlagentechnologie ist, die sich nur schwer in klar verständliche Produkte fassen lässt. „Was wir gelernt haben von Herrn Kirchgeorg ist, dass wir uns, bei allen Ideen die wir haben, immer fragen müssen: Was ist der zentrale Nutzen für den Kunden? Und wie kann dieser über die Produkte kommuniziert werden? Das hat mir sehr viel gebracht, es schärft den Blick auf die Dinge“, stellt Lutz Maicher fest.

Außerdem können ihm die Marketing-Spezialisten der Handelshochschule unter die Arme greifen, wenn es um einen konkreten Business-Plan geht. Denn seine Ziele sind klar gesteckt: Das Projekt läuft in einem Jahr aus und bis dahin will er, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, marktfähige Technologien entwickeln. „Ein ForMaT ist ja sehr ausgründungsorientiert und es wäre eine Schande, diese Chance nicht zu nutzen. Ausgründung ist für uns ein ganz wichtiges Thema“, meint Dr. Lutz Maicher. Dafür sind er und sein Team bestens gewappnet. Am Anfang war es nicht leicht, 20 Leute auf ein professionelles Niveau zu bringen. Doch inzwischen läuft das sehr gut. „Man sieht auch, dass die Mitarbeiter zunehmend motiviert sind. Jetzt sehen sie plötzlich: Wir sind diejenigen, die weiterkommen, die Sachen liefern können, die andere nicht liefern können“, freut sich Lutz Maicher. Um die Technologie zu perfektionieren, haben sich die Informatiker einiges vorgenommen: „Wir wollen Topics Maps cloudfähig machen. Das heißt, wir wollen unsere Anwendungen auf Servern im Internet ablegen, damit sie jederzeit ausbaufähig sind und beliebig groß werden können.“ 

Wenn Lutz Maicher seine Ideen verwirklicht, kann er nicht nur dazu beitragen, dass die Technologie den Sprung auf den deutschen Markt schafft. Er wird auch dafür sorgen, dass Leipzigs internationales Ansehen auf dem Gebiet der Topic Maps weiter steigt. Schon jetzt wird die Messestadt mit dieser Technologie in Verbindung gebracht. Bereits im sechsten Jahr organisiert Maicher die Topic Maps Research and Applications (TMRA) in Leipzig, eine internationale Konferenz zur Erforschung und Anwendung von Topic-Maps. Fachleute aus aller Welt treffen sich auf dieser Veranstaltung zum Erfahrungsaustausch und es werden jedes Jahr mehr. Mit neuen, innovativen IT-Produkten könnte der sächsische Standort einen weiteren Schub bekommen.

Ganz uneigennützig engagiert sich Lutz Maicher allerdings nicht in Leipzig, denn der Thüringer mag diese dynamische Stadt. Schon seit neun Jahren lebt er hier mit seiner Frau und den beiden Kindern. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

 

Weitere Informationen zum ForMaT "Topic Maps Lab" finden Sie hier.