Hat die gute alte Glotze ausgedient? – Der sachsMedia-Workshop über die Entwicklung audiovisueller Medien

Zwei Tage lang diskutierten die 50 Teilnehmer des Workshops „Audiovisuelle Medien“ an der Technischen Universität Chemnitz über die Zukunft digitaler Medien. Eingeladen hatte die InnoProfile-Initiative sachsMedia. Vertreter von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus ganz Deutschland referierten über die technischen Möglichkeiten der Medien und die künftige Verteilung digitaler Programme. Dabei stellte sich auch die Frage, ob das Internet in absehbarer Zeit das Fernsehen verdrängen wird, oder sich TV und weltweites Netz zu einer wirkungsvollen Symbiose arrangieren werden.

Prof. Dr. Maximilian Eibl eröffnete den sachsMedia-Workshop „Audiovisuelle Medien“.

„Die Durchschlagkraft des Internets mit seinen on-demand-Diensten stellt einen Gegenentwurf zum klassischen Broadcasting dar“, schätzt Prof. Dr. Maximilian Eibl die Situation ein. Er ist Inhaber der Professur Medieninformatik an der Technischen Universität Chemnitz. Doch mit der Digitalisierung der Medien hätten sowohl Fernsehen, als auch Hörfunk nun Möglichkeiten, dem Internet technologisch zu folgen. Und auch die Verbindung zwischen Internet und Fernsehen sehen TV-Sender als Chance. Darüber referierte Sebastian Artymiak vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.

Hybride Fernsehgeräte, die bereits auf dem Markt sind, können sowohl digitale Rundfunksignale, als auch Signale aus dem Internet empfangen. Hybrid-TV ist neben der Entwicklung des hoch aufgelösten Fernsehens und der 3-D-Technik einer der wichtigsten Trends in der Medienwelt. Mit diesen speziellen Geräten können die Zuschauer in Zukunft nicht nur Fernsehprogramme verfolgen, sondern auch im Internet surfen. Bisher sind die beiden Medienwelten in den hybriden Geräten noch stark getrennt. Doch das soll sich ändern. Internet und Fernsehen werden inhaltlich stärker verknüpft. Schon nach der Internationalen Funkausstellung im Herbst dieses Jahres wollen alle großen deutschen Sender hybride Programmdienste für entsprechende Geräte anbieten. Damit soll auch der klassische Videotext modernisiert werden und intuitiver bedienbar sein.

Die Entwicklung audiovisueller Medientechnologien stand auch im Mittelpunkt des Vortrages von Jürgen Lohr. Er ist Professor für Medien-, Audio- und Videotechnik an der Fachhochschule Aachen. Dabei ging es ihm vor allem um die HD-und 3-D-Technik im Internet sowie die Anwendung von Multiview. Multiview bedeutet, dass ein Video aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig angeschaut werden kann. Möglich ist das durch den Einsatz mehrerer Kameras an unterschiedlichen Positionen.

Über die Digitalisierung des Radionetzes sprach Albrecht Mugler, Vorstandsvorsitzender der MUGLER AG. In seinem Vortrag ging es vor allem um räumlich begrenzte, kleinzellige Netze. Diese eignen sich besonders für regionale Sender. In den Netzen können mehrere Anbieter geringer Sendeleistung im Gleichwellenbetrieb arbeiten. Dieses für den Rundfunk innovative Netzkonzept bietet Vorteile im Hinblick auf Frequenzökonomie, Versorgungsqualität, Ausfallsicherheit und hat einen deutlich geringeren Energieverbrauch. In Leipzig wurde es bereits beim DVB-T Lokalnetz erfolgreich umgesetzt.

Wie die Menschen moderne Multimediaprodukte und das Internet weltweit nutzen und welche Rolle dabei kulturelle Prägungen spielen, darüber sprach der amerikanische Mediendesigner Aaron Marcus. Er war aus dem kalifornischen Berkeley nach Chemnitz gekommen. Marcus ist ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Visualisierung von Informationen. Er untersucht Problemfelder der interkulturellen Kommunikation und Interaktion und hält es für sehr wichtig, den Einfluss der unterschiedlichen Kulturen auf die Entwicklung der Medien zu verstehen.

Neben der Theorie gab es auf dem Workshop auch einen umfangreichen Einblick in die Praxis. Im Medieninformatik-Labor der TU Chemnitz wurden verschiedene Demonstratoren vorgeführt und erläutert. Die InnoProfile-initiative sachsMedia präsentierte hier Projektergebnisse zum Audio/Video-Mehrwege-Playout zur Speisung von Digital-Fernsehsendern und Web-Streamservern sowie Fortschritte im Bereich Multimedia Information Retrieval und Medien-Annotation. Ziel der Arbeiten ist die Forschungs- und Entwicklungs-Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, die im Bereich von Fernsehen und audiovisuellen Internetmediendiensten tätig sind. Die Entlastung der Mitarbeiter durch die Automatisierung und Flexibilisierung der technischen Prozesse ist dabei ein großes Anliegen der Nachwuchsforscher aus Chemnitz.

Nach den beiden Veranstaltungstagen waren sowohl die Gäste, als auch der Gastgeber sehr zufrieden. Im nächsten Jahr wird sachsMedia wieder einen Workshop veranstalten, der dann im Rahmen der Mensch & Computer-Konferenz in Chemnitz stattfinden soll.

 

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