Auf der Suche nach neuen Mikroimplantaten – Forschung und Industriepartner arbeiten bei REMEDIS Hand in Hand

Seit nicht einmal zwei Jahren arbeitet der Rostocker Forschungsverbund REMEDIS aus dem BMBF-Programm „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ an der Entwicklung neuartiger Mikroimplantate mit Medikamentenfreisetzung in den Bereichen Herz, Auge und Ohr. Auf der dritten Klausurtagung, die einen Überblick über die 17 Teilprojekte gab, konnten einzelne Gruppen bereits herausragende Ergebnisse präsentieren.

Die Professoren Katrin Sternberg und Karl-Heinz Schmitz vom Institut für Biomedizinische Technik der Universität Rostock (IBMT) sind ein unschlagbares Team. Gemeinsam haben sie Wissenschaftler aus den Universitäten Rostock und Greifswald, aus den Hochschulen Wismar, Hannover, Aachen und dem niederländischen Groningen, vereint, um sich mit innovativen Implantaten, die gezielt Medikamente freisetzen, auf dem Markt der Medizintechnik zu beweisen. Mit dieser Bündelung an pharmakologischer, medizinischer, chemischer und ingenieurwissenschaftlicher Kompetenz ist dieses Ziel für Professor Schmitz, Initiator von REMEDIS und Direktor des IBMT, bis zum Ende der fünfjährigen BMBF-Förderung realisierbar: „Es ist alles auf dem Weg, wir haben eine Gruppe aufgebaut, in der sich alle gut ergänzen. Wir sind unter REMEDIS zusammen und werden bis 2014 auch was fertigkriegen, “ appellierte er an die unter den Teilnehmern stark vertretende REMEDIS-Fraktion.

Effektivität und Stärkung der Kompetenzen sollen den Verbund zum Erfolg führen. Dafür sorgt die Chemikerin Prof. Dr. Katrin Sternberg, die die einzelnen Projektgruppen in diesem Großprojekt zielgerichtet koordiniert. So will sie Personal innerhalb von REMEDIS austauschen und die Anknüpfungsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Projektgruppen weiter fördern.

Vier Projektbereiche A, B, C und Q

Projektbereich A entwickelt die Grundlagen für Biomaterialien und Wirkstofffreisetzungssysteme. Eine Arbeitsgruppe um den Rostocker Chemiker Prof. Dr. Udo Kragl will herausfinden, inwieweit sich ionische Flüssigkeiten als temporäre Implantatbeschichtungen eignen. Hier konnten bei der systematischen Untersuchung chemischer und physikalischer Eigenschaften von Flüssigkeiten und künstlichem Gewebe gute Ergebnisse erzielt werden.
Erfolgreich ist auch eine zweite Gruppe aus diesem Projektbereich von der Greifswalder Universität. Eine Kooperation aus der Kardiologie und Pharmakologie erforscht die Interaktion von Blutzellen (Blutplättchen, weiße Blutkörperchen und Gefäßwandzellen) mit wirkstoffbeladenen Materialen, wie sie auch bei Stents eingesetzt werden. Die Materialien sind nicht biologisch reaktionslos, sondern beeinflussen den Stoffwechsel der Zellen, mit denen sie in Berührung kommen. In ersten Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass neu entwickelte Stentmaterialien das Wachstumsverhalten und die Funktionsweise der Gefäßwandzellen nicht stören und zu keiner Aktivierung von Blutzellen führen.

Prof. Dr. Udo Kragl (Direktor Technische Chemie an der Universität Rostock und Dekan der Interdisziplinären Fakultät ) mit Prof. Dr. Katrin Sternberg, Koordinatorin und Sprecherin von REMEDIS.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten beide als besonders produktorientiert ausgewählte Gruppen mit Dr. Claus Harder vom REMEDIS-Industriepartner der Biotronik AG. Das Unternehmen erhofft sich, durch die Zusammenarbeit gute Produkte auf den Markt zu bringen. „Ich sehe hier ganz viele Sachen, die patentwürdig sind, und eine gute Marktfähigkeit versprechen“, würdigte Harder den derzeitigen Forschungsstand. „Im intensiven Austausch mit den Wissenschaftlern von REMEDIS haben wir viele Ideen entwickelt, die wir hier ausprobieren können.“

Im Projektbereich B hingegen geht es um angewandte Forschung für Medizinprodukte mit hohem Marktpotential: Im Fokus stehen innovative Implantate mit Wirkstofffreisetzung für die vaskuläre Regeneration, für die Glaukomtherapie, die Schrittmachertherapie und in der Chirurgie für das periphere Gefäßsystem.

Projektbereich C berichtet von tierexperimentellen Versuchen als Vorbereitung zu klinischen Tests. So wurden z.B. Drainagesysteme im Kaninchenauge mittels der Optischen Kohärenztomografie (OCT) beobachtet. Eine Kooperation zwischen der Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik in Rostock und der Hochschule Hannover entwickelt Tubenstents zur Behandlung von Belüftungsstörungen des Mittelohres. Die sogenannte künstliche Ohrtrompete soll im nächsten Schritt am Schaf getestet werden. Der vierte Projektbereich Q verfolgt pharmakologische Methoden zur Unterstützung und Optimierung der anderen Projekte.

Obwohl die einzelnen Projektbereiche teilweise schon miteinander vernetzt sind, so hat die dritte Klausurtagung den Mitarbeitern wieder weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnet. Dieser Prozess der guten Zusammenarbeit soll auch auf anderer Ebene noch einmal optimiert werden: Seit Anfang des Jahres lässt sich REMEDIS darin von einem Beratungsunternehmen unterstützen.


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