Längst kein Wolkenkuckucksheim mehr: die Internet-Cloud als Chance für die Logistik

Spätestens seit der letzten CeBIT in Hannover im März dieses Jahres ist der Begriff in aller Munde: Cloud Computing. Was sich dahinter verbirgt und wie die Logistik-Branche diese Technologie nutzen kann, haben mehr als 40 Firmenvertreter und Informatiker an der Universität Leipzig diskutiert. Dort fand bereits zum vierten Mal die Konferenz „innoLogIST“ statt. Die Veranstaltung, die vom Team des InnoProfils „Logistik-Service-Bus“ (LSB) organisiert wurde, war gleichzeitig das letzte Statusseminar der Initiative.

„Logistiker transportieren keine Palette mehr alleine, Logistik ist heute ein hochgradig arbeitsteiliges Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Unternehmen“, stellt Rolf Kluge fest. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des LSB-Projekts sieht die Situation ähnlich wie beim Autobau, der nur auf der Basis von Zulieferern funktioniert, die verschiedene Teile herstellen. Auch in der Logistik gäbe es Firmen mit unterschiedlichen Kernkompetenzen, so Kluge. Um diese gemeinsam zu nutzen, müssen die Unternehmen jedoch gut miteinander kommunizieren können. Und genau hier liegt der Knackpunkt. Wie eine Befragung des Netzwerkes Logistik Leipzig-Halle e.V. zeigt, nutzen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen mehrere, oft veraltete Computerprogramme zur Koordinierung ihrer Aufträge. Die verschiedenen Systeme und Abläufe machen eine Kommunikation zwischen den Firmen schwierig bis unmöglich. Das ist schade, denn wenn die Unternehmen enger zusammenarbeiten und jeder seine Stärken einbringen würde, könnten alle davon profitieren.

Kommunizieren in der Wolke

Genau hier kommen die Wirtschaftsinformatiker ins Spiel. Sie schaffen eine IT-basierte, gemeinsame Kommunikationsplattform, die Logistik-Dienstleister zusammen und damit weit nach vorn bringt. Solche Plattformen werden mittlerweile in ganz Deutschland von verschiedenen Firmen entwickelt. Das InnoProfil Logistik-Service-Bus hat eine solche Plattform als so genannte Cloud Computing Plattform geschaffen. Das bedeutet, bestimmte Computerprogramme und Datenspeicher sind bei Bedarf jederzeit über das Internet abrufbar. Transportunternehmen müssen Speicherkapazitäten und Software nicht mehr selbst zur Verfügung haben, sondern bekommen alles über die Rechnerwolke virtuell geliefert. Damit können sie nicht nur Kosten und Zeit sparen, sondern auch besser und schneller miteinander kommunizieren. Außerdem werden die Transportprozesse auf diese Weise transparenter.

Die Wolke für Leipzig-Halle

Genau diese Idee verfolgen auch die Leipziger LSB-Wissenschaftler. In ihrem Demonstrationslabor haben sie die Cloud-basierte LSB-Plattform entwickelt. Hier sind alle alten Anwendungssysteme der Unternehmenspartner integriert. Mit Hilfe elektronischer Dienste werden die Geschäftsprozesse von der Bestellung über die Auftragsbestätigung bis hin zum Transport und die Ankunft der Ware sichtbar gemacht. Künftig wollen die Wirtschaftsinformatiker diese Plattform in die Cloud setzen, wie es in der Fachsprache heißt. Das heißt, die Hardware, das Bedienungsdesign und die Software werden den Logistik-Unternehmen über das Internet zur Verfügung gestellt. Dadurch wird die Kommunikation erleichtert, die Firmen müssen nicht mehr so viel in Hard- und Software investieren und erhalten eine höhere Datensicherheit.

Die Teilnehmer der „innoLogIST“ 2011 verfolgen interessante Vorträge und Diskussionen zur Zukunft der Logistikbranche.

„Wir möchten vor allem kleinen und mittleren Logistikunternehmen die technischen Möglichkeiten bereitstellen, Logistik wie die Großen der Branche anzubieten“, erklärt Projektleiter Dr. André Ludwig. Ein weiterer Plan des LSB-Teams sei es, so Ludwig, Transportprozesse schon zur Planungszeit am Rechner simulieren zu können und Schwachstellen vorab zu beseitigen. Alle logistischen Prozesse sollen anschließend über RFID-Systeme überwacht werden. RFID steht für Radio Frequency Identification. Mit Hilfe elektromagnetischer Wellen können Gegenstände, die mit einem entsprechenden Chip versehen sind, lokalisiert werden. Online können die beteiligten Unternehmen auf dieser Basis den Transport ihrer Ware beobachten und bei Problemen sofort reagieren. Wie solche RFID-Systeme in der Praxis funktionieren, war ebenfalls Thema auf der „innoLogIST“.

Netzwerke statt Luftschlösser

Nach den öffentlichen Vorträgen trafen sich Wissenschaftler und Unternehmer zum gemeinsamen Netzwerkabend. Organisator war das Netzwerk Logistik Leipzig-Halle e.V., in das die Wirtschaftsinformatiker des LSB-Projekts fest integriert sind. Professor Bogdan Franczyk leitet dort die Arbeitsgruppe Know-How-Transfer und Innovationsförderung. Die gute Vernetzung hilft den Informatikern, ihre Forschungsvorhaben in den kommenden Jahren umzusetzen. Sie haben eine Anschlussförderung innerhalb des Programms InnoProfile-Transfer beantragt. Dazu gehört auch eine Stiftungsprofessur zu Informationssystemen für die Logistik. Die Finanzierung der Professur ist bereits durch verschiedene Unternehmen gesichert. Mit dem Lehrstuhl soll an der Universität Leipzig auch eine Logistik-Spezialisierung im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik angeboten werden.



Weitere Informationen zum InnoProfil „Logistik-Service-Bus“ erhalten Siehier.