Kein X für eine Innovation

Die diesjährigen Xinnovations in der Berliner Humboldt-Universität schließen mit einer positiven Bilanz ab. Mit über 90 Fachvorträgen, mehreren Podiumsgesprächen und einer Preisverleihung war die dreitägige Konferenz ein voller Erfolg. In zahlreichen Foren und Workshops drehte sich alles um innovative Anwendungen im Bereich netzbasierter Informationssysteme.

Das ist eine runde Geschichte: Sie beginnt klein und fein, setzt sich aufgrund von Qualität durch und wird wohl fortbestehen, solange es das Internet gibt. An drei Tagen im September bietet Berlin mit der Wissenschafts- und Wirtschaftskonferenz „Xinnovations“ einen Raum, den sie sich auch durch widrige äußere Umstände nicht nehmen ließ: Als der türkische Staatspräsident Gül zeitgleich in der Stadt weilte und in der Humboldt-Universität, in der die „Xinnovations“ tagten, in benachbarten Räumen einen Vortrag halten wollte, sollte dieser durch Bombendrohungen davon abgehalten werden. Wie man sich denken kann, wurden beide Veranstaltungen dennoch professionell durchgeführt, und Professor Robert Tolksdorf von der Freien Universität Berlin konnte die Tagung mit dem provokanten Titel „Lassen Sie sich nicht ein X für eine Innovation vormachen“ wie geplant durchführen. 

Es gehe, so führte Tolksdorf in seiner Keynote aus, heute weniger um die IT selbst, sondern um die Veränderung von Prozessen und Märkten, die durch IT ermöglicht würde. Damit IT innovativ wirkt, muss sie aber fundamental die Art der Zusammenarbeit oder des Marktes verändern, in dem sie eingesetzt wird. Während die Welt also gespannt darauf schaut, wie ein ganz bestimmtes Mobiltelefon sich quasi noch einmal selbst erfindet und dann doch „nur“ eine Evolution statt einer Revolution bietet, geht es hier im Herzen des intellektuellen Berlins darum, dass nicht die Innovationen der IT selbst im Mittelpunkt stehen, sondern jene Innovationen, die aufgrund von Informationstechnologien durchgeführt werden können. Auf den „Xinnovations“ werden jährlich die Fortschritte aufgezeigt, die ihren Anwendern und den Märkten ernsthaften Mehrwert bieten können.

Bessere Treffer und eine neue Konferenz

So vielfältig wie die Bandbreite des Netzes waren daher auch dieses Jahr die Themen der Konferenz: Es ging um die Barrierefreiheit im Web, Gesundheitsportale, aber auch um Online-Werkzeuge für Verbände, NGOs und Verwaltungen oder um elektronische Kommunikation zwischen dem Justizwesen und der Anwaltschaft. Außerdem diskutierte man darüber, wie Suchmaschinen noch bessere Treffer liefern können und wie die gewünschten Informationen auch aus audiovisuellen Medien automatisch herauszuziehen sein könnten.

Adrian Paschke (rechts), Nachwuchsgruppenleiter beim InnoProfil "Corporate Semantic Web" im Austausch mit anderen Teilnehmern

Der Workshop „Corporate Semantic Web“ bot dabei einen festen und hoch frequentierten Rahmen für verschiedene Anwendungsgebiete. Der Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe des gleichnamigen InnoProfils, Professor Adrian Paschke, der auch den Workshop leitete, konnte bereits vor Beginn der Veranstaltung mit einer Überraschung aufwarten: Paschke ist es gelungen, eine internationale Konferenz, die DEBS (ACM International Conference on Distributed Event Based Systems) nach Berlin zu holen. „Es war mir möglich, das Steering Committee der Konferenz für Berlin als Ort der nächsten Veranstaltung zu überzeugen. Ich werde das DEBS 2012 also im Juli nächsten Jahres an der FU Berlin organisieren“, erzählte Paschke erfreut. „Dies wird insbesondere auch zur Wahrnehmung von Berlin und der FU Berlin als Europäischem Zentrum für semantische CEP-Forschung beitragen und die Sichtbarkeit der Arbeitsgruppe als führende Gruppe erhöhen.“

Ein besonderer Schwerpunkt der diesjährigen „Xinnovations“ war in diesem Jahr das mobile Internet. Neben einzelnen Fachvorträgen in den Foren E-Health, E-Justice und E-City sowie im Workshop „Corporate Semantic Web“ dreht sich im Forum „Always On“ alles um die neuen Möglichkeiten mobiler Internettechnologien. Fokus hier waren Fragen der Sicherheit mobiler Cloud-Anwendungen, Strategien für die mobile Unternehmenskommunikation und digitales Publizieren auf unterschiedlichen mobilen Plattformen.

Positiver Ausblick auf 2012

Rainer Thiem (Vorstand Xinnovations e.V.) zog, zusammen mit den Mitveranstaltern Prof. Dr.-Ing. Robert Tolksdorf (Freie Universität Berlin) und Prof. Johann-Christoph Freytag, Ph.D. (Humboldt-Universität), eine positive Bilanz: Er freute sich vor allem darüber, auf dem schon zur Institution gewordenen Jahresempfang zum ersten Mal den Gewinner des Xpitch auszeichnen zu dürfen. Der Preis ging an Thilo Veil für seine Präsentation zum Thema „TV's E-Health-Vision“ („Wunschkonzert für meine Webgesundheit“). In seiner Vision wird der Internetanwender im Netz individuell dabei begleitet, seine persönlichen Gesundheitsziele zu erreichen. Der Xinnovations e.V. wird dem Gewinner bei der Organisation eines Workshops, zu dem im kommenden Jahr alle Expertinnen und Experten geladen sind, die helfen wollen, seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Thiem hat noch einen weiteren Grund, sich auf das Jahr 2012 zu freuen – nicht nur weil da wieder die „Xinnovations“ stattfinden werden, sondern weil er mit einem weiteren Projekt durchstarten wird – was, wird noch nicht verraten.

 

Weitere Informationen zum Xinnovations e.V. und zum InnoProfil „Corporate Semantic Web“ finden Sie hier bzw. hier.