„Ich möchte, dass Krebs geheilt werden kann.“ - Anna Dubrovska über ihre Ziele beim Dresdner ZIK OncoRay

Es ist die Entschlossenheit, mit der sie das sagt, die keinen Zweifel lässt. Anna Dubrovska will neue, wirksame Therapien gegen Krebs finden. Schon seit ihrem Studium widmet sich die Juniorprofessorin diesem hohen Ziel. Beim Zentrum für Innovationskompetenz OncoRay in Dresden will sie nun große Schritte auf diesem Weg vorangehen.

„Meine Mutter ist an Krebs gestorben. Und ich denke, dass der Kampf gegen Krebs auch mein persönlicher Kampf ist“, meint Anna Dubrovska überzeugt. Schon seit zwölf Jahren beschäftigt sie sich mit dem Thema Krebs. Die 37-Jährige kommt aus Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Ihre Heimatstadt liegt nur 140 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Seit dem Reaktorunglück von 1986 haben die Krebserkrankungen in dieser Region enorm zugenommen, auch Leukämie.

Während ihrer Doktorarbeit beschäftigte sich die Ukrainerin mit der Entstehung der so genannten chronischen myeloischen Leukämie. Vor neun Jahren promovierte sie am Institut für Mikrobiologie und Genetik in Kiew. Sie wollte wissen, welche molekularen Mechanismen hinter der Entwicklung der speziellen Form von Leukämie stecken. Bei dieser Krebserkrankung werden vermehrt weiße Blutkörperchen gebildet. Verursacht durch ein abnormes Chromosom, das amerikanische Wissenschaftler 1960 in den Krebszellen eines an Leukämie erkrankten Patienten in Philadelphia gefunden haben. Es trägt deshalb den Namen Philadelphia-Chromosom.

Anna Dubrovska untersuchte in Kiew, warum dieses Chromosom so verändert ist. Es entsteht durch den Austausch von genetischem Material zweier normaler Chromosomen. Dieser Austausch führt zur Produktion eines Krebsgens, das ein krankheitserregendes Protein produziert. Wie die Molekularbiologin herausfand, können bestimmte Formen dieses Proteins eine besonders aggressive und unheilbare Form der Leukämie hervorrufen. Das Philadelphia-Chromosom ist der erste so genannte Biomarker, der im Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs entdeckt worden ist.

Neue Therapie-Ansätze

Was sind die genetischen Informationen solcher Krebszellen? Das will Dubrovska mit ihrem Team herausfinden.

Biomarker sind bis heute Dubrovskas Thema. „Auf der einen Seite suchen wir nach Biomarkern, die die Wirkung von Strahlentherapien bei Krebspatienten voraussagen können“, erklärt sie. „Auf der anderen Seite entwickeln wir Medikamente, die die Sensibilität der Krebszellen hinsichtlich der Bestrahlung regulieren können. Es geht uns um die Entwicklung kombinierter und individueller Therapien.“ Diese Biomarker findet Anna Dubrovska, indem sie die Gen-Expression in gesunden Zellen und in Krebszellen miteinander vergleicht. Spezielle, veränderte Gene und Proteine die sie dabei identifiziert, können künftig als Biomarker genutzt werden. Damit hätten die Mediziner nicht nur die Möglichkeit, die Wirkung einer Strahlentherapie vorhersagen zu können, sondern auch die Schwere und den Verlauf der Erkrankung festzustellen.

Den Schlüssel zur Heilung von Krebspatienten sieht Prof. Dubrovska in der Vernichtung so genannter Tumorstammzellen. Es existieren unterschiedliche Krebszellen, diese sollen jedoch für die Entwicklung der Erkrankung verantwortlich sein. Sie können sich selbst erneuern und klonen, deshalb leben sie sehr lange. Außerdem haben sie die Eigenschaft, ihre Oberfläche zu verändern und können dadurch jederzeit verschiedenste Krebszelltypen produzieren. Diese Zellen sind gegen konventionelle Therapien wie Bestrahlung und Chemotherapie resistent. Überleben jedoch die Tumorstammzellen, können jederzeit Metastasen oder ein neuer Tumor entstehen. Erst wenn diese Zellen nicht mehr im Körper sind, haben Krebspatienten eine Heilungschance.

„Wir wollen herausfinden, welche Moleküle und biologischen Komponenten genutzt werden können, um diese spezielle Krebszellpopulation zu vernichten“, erläutert Anna Dubrovska. Gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden testet sie nun, wie die Krebsstammzellen auf bestimmte chemische Substanzen reagieren. Außerdem wollen sie gemeinsam nach Genen suchen, die für den Erhalt dieser Zellen verantwortlich sind. „Diese Informationen können wir dann für die Entwicklung von neuen Medikamenten nutzen, welche die Strahlenresistenz und die Tumorbildung verhindern“, hofft Dubrovska. 

Von der Forschung zur Anwendung

Um ihren Zielen ein Stück näher zu kommen, hat sie in Dresden die besten Voraussetzungen. Sie ist froh, bei OncoRay zu sein, einem interdisziplinären Forschungszentrum, an dem Physiker, Biologen und Mediziner zusammenarbeiten. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung werden hier so schnell wie möglich in die klinische Anwendung kommen. Der Bau des neuen Strahlenforschungszentrums ist das beste Beispiel dafür.

„Es war mein Ziel, einen Platz zu finden, an dem ich Heilungsmöglichkeiten für Krebspatienten finden kann“, erzählt Dubrovska. „OncoRay ist genau der Ort, nach dem ich gesucht habe. Ich bin sehr stolz, die Position bekommen zu haben.“

Nun ist sie dabei, ihre Forschungsgruppe aufzubauen. Momentan arbeitet sie nur mit ihrem Mann zusammen, der ebenfalls Wissenschaftler ist. Aber schon im April werden vier weitere junge Forscher Dubrovskas Labor füllen. Natürlich gibt es für sie auch ein Leben neben der Wissenschaft. Anna Dubrovska ist begeistert von Kunst und schon jetzt Stammgast in Dresdens Galerien. „Um ehrlich zu sein, ist Dresden eine der schönsten Städte, die ich je gesehen habe“, sagt sie freudestrahlend. „Ich mag auch das Elbtal und die Sächsische Schweiz und freue mich schon, die Landschaft im Frühjahr zu entdecken. Das Leben ist für mich hier sehr lebenswert.“

 

Nähere Informationen zum Dresdner ZIK OncoRay stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.