Ein Könner und seine Gönner

Dass André Ludwig etwas kann, hat er in seiner wissenschaftlichen Karriere bewiesen. Er studierte in Leipzig, Norwegen und Australien, leitete das InnoProfil „Logistik Service Bus“. Inzwischen ist er Junior- und Stiftungsprofessor an der Universität Leipzig und Chef der neuen InnoProfile-Transfer-Initiative „Logistik Service Engineering und Management“.

Mit Politprominenz und Pressevertretern ist der Start seiner Professur groß gefeiert worden. Nur wenige Wochen später sitzt André Ludwig ganz entspannt in seinem Büro. Die hohen Erwartungen der Stifter, der Universität und seiner Mitarbeiter beunruhigen den jungen Familienvater nicht. „Die Erwartungssituation ist tatsächlich recht anspruchsvoll, aber auch sehr anspornend. Ich bin da ganz optimistisch, dass unsere Vorhaben gelingen“, kommentiert der 33-Jährige den Trubel. 

Und worin besteht das Ziel seiner Arbeit? „Wir entwickeln ein umfassendes Softwaresystem für den Wachstumsmarkt Mehrwertlogistik“, erläutert Ludwig.

Mehrwertlogistik bedeutet, dass sämtliche logistische Prozess, vom Transport über den Umschlag bis zur die Lagerung, aber auch IT-Dienste, wie Sendungsverfolgung oder Auftragssteuerung, mit Hilfe spezieller Computerprogramme intelligent zusammengeführt werden. Der Kunde hat davon einen Mehrwert: Er muss sich nicht mehr mit den einzelnen Logistikschritten herumschlagen, sondern bekommt eine optimierte Gesamtleistung.

Ganz so einfach wie es klingt, ist das jedoch nicht. André Ludwig und sein Team haben dafür schon viel Vorarbeit geleistet. In den letzten fünf Jahren analysierten sie in enger Zusammenarbeit mit Firmenpartnern logistische Dienstleistungen und entwickelten eine IT-Plattform für den reibungslosen Informationsaustausch in der Logistik.

Geben und Nehmen

Einige dieser Unternehmen haben das große Potential erkannt, das in Ludwigs Arbeit steckt. Sechs Firmen unterstützen die Stiftungsprofessur finanziell, darunter das Logistik-Netzwerk Leipzig-Halle e.V., in dem über 110 Logistiker aus Mitteldeutschland organisiert sind. Die Unternehmer mussten nicht lange gebeten werden. „Weil ein sehr großes Interesse daran besteht, die bisherigen Ergebnisse nicht in der Schublade verschwinden zu lassen, sondern Neues zu erarbeiten“, meint Ludwig.

Hier will er einiges bewegen: Professor André Ludwig im Seminargebäude der Universität Leipzig.

Natürlich hätten die Stifter auch großes Interesse am Nachwuchs, so der junge Professor. Über ihre Kooperation bekommen sie Kontakt zu sehr ambitionierten und fähigen Spezialisten. Diesen Nachwuchs auszubilden gehört auch zu Ludwigs Aufgaben für die nächsten fünf Jahre. Noch gibt es an der Leipziger Uni keine speziellen Angebote für die Ausbildung von Logistik-IT-Experten. 

Das soll nun anders werden. Schon in diesem Wintersemester startet Ludwig ein erstes Lehrangebot zum Thema „Informationssysteme in der Logistik“ für Bachelorstudenten. Die Vorlesungen und Seminare werden für alle Wirtschaftswissenschaftler offen sein. Ab nächstem Sommer geht es dann weiter mit dem Masterstudiengang „Unternehmensübergreifende Logistiksysteme“. „Da werden wir uns stark spezialisieren und für diesen wachsenden Markt Absolventen auf die Ziellinie führen“, freut sich Professor Ludwig.

Damit kann er auf jeden Fall zur Profilierung der Uni beitragen. Immerhin ist die Region um Leipzig laut einer aktuellen Studie inzwischen Deutschlands dynamischste Logistikregion. In den letzten Jahren haben sich hier Porsche, BMW, DHL und Amazon angesiedelt.

Von der Theorie in die Praxis

Um ihre Ideen umzusetzen, wollen Ludwig und seine Mitarbeiter alle wichtigen IT- und Logistik-Dienstleister an einen Tisch bekommen. Dafür richten sie das so genannte „Living Lab“ an der Leipziger Uni ein. „Alle an Bord zu holen und auf neutralem Boden zu einem Workshop zusammenzuführen, selbst Akteure, die sonst in einer Konkurrenzsituation stehen, das ist das Besondere“, erklärt Professor Ludwig. „So etwas gibt es in Deutschland noch nicht.“

Damit wollen die Wirtschaftsinformatiker einen schöpferischen Prozess in Gang bringen und gleichzeitig ihre Forschungsergebnisse integrieren und testen. Anfang nächsten Jahres soll es losgehen.

Die Idee dafür hat André Ludwig aus Australien mitgebracht. In Melbourne hat er nicht nur seine Diplomarbeit geschrieben. Während mehrerer Gastaufenthalte im Forschungszentrum des Softwareriesen SAP war Ludwig auch an der Entwicklung eines „Future Logistics Living Labs“ beteiligt. Die Resonanz der Unternehmen in Down Under war durchweg positiv.

Der Stiftungsprofessor ist überzeugt, dass das australische Konzept auch in Leipzig erfolgreich sein wird. Und er hat sich noch mehr vorgenommen. Neben Forschung und Lehre kann sich André Ludwig auch eine Ausgründung vorstellen.

Wie er das alles schafft? Mit Selbstbewusstsein und Optimismus: „Wir versuchen, interessante Ergebnisse zu erzielen und diese auch zu kommunizieren. So dass wir wahrgenommen werden und dass man sagt: Die brauchen wir hier, die können wir nicht mehr weglassen.“


Nähere Informationen zur InnoProfile-Transfer-Initiative LSEM finden Sie hier.