"Ich versuche immer bestmögliche Leistung abzuliefern"

Sie ist immer konzentriert, hat ihr Ziel klar vor Augen und lässt sich nicht vom Weg abbringen: Die Rostocker Biomedizintechnikerin Katrin Sternberg ist seit drei Jahren Professorin an der Universität und koordiniert unter anderem den großen Foschungsverbund REMEDIS aus dem Programm Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern.

Als Katrin Sternberg 1988 ihr Chemiestudium in Rostock beginnt, gibt es noch keine interdisziplinären Strukturen an den Universitäten. Zehn Jahre später hat die Grundlagenforscherin ihre Promotion in der Tasche. Jetzt gilt ihr Interesse der praktischen Anwendung von Forschungsergebnissen.

Als eine der ersten Chemikerinnen wechselt sie an das Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) der Universität Rostock und betritt dort wissenschaftliches Neuland. Sie beschäftigt sich mit Implantatentwicklung und kann ihre Begeisterung für Oberflächenentwicklung leben.

Hier beginnt eine neuartige Zusammenarbeit zwischen der Materialwissenschaftlerin mit Medizinern und Ingenieuren: „Es macht mir unheimlich Spaß, die verschiedenen Disziplinen in einem Team zusammenzubringen und damit die Forschungsentwicklung zur erfolgreichen Anwendung zu führen.“

Sie leitet verschiedene Arbeitsgruppen, unterstützt vom BMBF und der DFG, und treibt maßgeblich die Entwicklung von Mikroimplantaten am IBMT voran.

Sanfter Übergang zur Leitung

So wenig ihr Chef, Professor Klaus-Peter Schmitz - selbst Ingenieur - anfangs mit der Chemikerin in seinem Institut anzufangen wusste, so unersetzlich ist sie ihm heute. In wenigen Jahren wird sie seinen Platz einnehmen und das IBMT leiten. Fünf Jahre haben sie dann Seite an Seite gearbeitet und für einen sanften Übergang gesorgt.

Fertig für die Elektronenmikroskopie: Goldbeschichteter, abbaubarer Polymerstent auf einem Probenhalter

Möglich war diese vorgezogene Berufung durch das seit 2008 existierende Professorinnenprogramm des BMBF. Auf diesem Wege konnte Katrin Sternberg direkt nach ihrer Habilitation auf dem Gebiet der Biomedizinischen Technik im Jahre 2009 die Professur antreten. Mit dem Programm will das BMBF die Anzahl von Frauen auf Professuren bundesweit erhöhen.

Dass auch Katrin Sternberg von dieser Gleichstellungsmaßnahme profitiert hat, ist das Eine, der Fokus der Wissenschaftlerin liegt aber überraschenderweise woanders: „Ich finde es toll, dass dieses Professorinnenprogramm entwickelt wurde. Über den Gleichstellungsaspekt hinaus interessant fand ich dabei, dass Vorgriffsprofessuren geschaffen wurden: Das heißt, dass neben dem etablierten Professor, der dann in den Ruhestand geht, eine Stelle geschaffen wird, die bis zu fünf Jahre parallel läuft.“

Erfolg durch Leistung

Obwohl nicht jedem diese Türen offen stehen und sich hier von außen betrachtet auch Vieles gut gefügt hat, die Rolle der Frau in der Arbeitswelt ist für Katrin Sternberg kein Thema: „Darüber denke ich nicht nach“.

Sie begründet dies damit, dass sie persönlich in ihrer beruflichen Laufbahn als Frau niemals Nachteile empfunden hat, denn Erfolg im Beruf ist für sie ausschließlich mit Leistung verbunden: „Ich würde mich immer freuen, wenn ich Erfolg habe, nicht weil ich eine Frau bin, sondern weil ich das in diesem Moment wissenschaftlich sehr gut gemacht habe. Ich versuche immer die bestmögliche Leistung abzuliefern. Wenn ich erfahren würde, ich hätte diese Position nur bekommen, um die Frauenquote zu erfüllen, dann würde mich das sehr ärgern! Gleichstellung ist wichtig, aber sie sollte nicht vom Wege abführen.“

Im Gespräch mit den Mitarbeitern Dr. Svea Petersen und Dr. Arne Bernsdorf aus ihrer Arbeitsgruppe "Biomaterialien und Polymerchemie"

Sie ist eins geworden mit der Männerdomäne und empfindet keine Unterschiede. Gibt es Vorbilder, die sie auf ihrem Weg begleiten? Ja, da gäbe es sogar viele, sagt sie. Dies seien Wissenschaftler, die viel vorangebracht haben durch ihre Arbeit und inzwischen gestandene Leute sind, die bei allem Erfolg bescheiden geblieben sind. Das sind Persönlichkeiten, die sich selbst nicht immer ganz so wichtig nehmen.

„Ich beobachte mein Umfeld intensiv. Dafür bin ich auch bekannt, denn ich möchte von Anderen lernen und nicht stehenbleiben!“

Forschen mit Teamgeist

Teamgeist ist ihr wichtig im Institut. Täglich geht sie in die Labore und hält sich auf dem Laufenden. Den wissenschaftlichen Nachwuchs zu motivieren und zu begeistern, das macht ihr Freude und dort ist sie in ihrem Element. „Den REMEDIS-Forschungsverbund mit aufzubauen und jetzt zu koordinieren war der bisher größte Erfolg meiner Arbeit“, erzählt sie ein wenig stolz.

„Vorher haben wir mit einzelnen Kooperationspartnern zusammengearbeitet, heute aber haben sich durch REMEDIS so viele neue Verknüpfungen und Projekte entwickelt. Hier ist eine größere Gruppe zusammengekommen, die deutlich breiter arbeiten kann."

„Wir wollen Implantatprototypen entwickeln, die das Funktionsprinzip der Implantate an sich mit einer lokalen Wirkstofffreisetzung verbinden. Dabei ist es sehr günstig, dass wir durch REMEDIS die gesamte Prozesskette bedienen können: Von den Grundlagen her, um das Implantatmaterial zu entwickeln, die Implantatoberfläche zu modifizieren und dann die gesamten In-vitro-Prüfungen durchzuführen, um dann schließlich mit unseren Partnern in die präklinische Erprobung zu gehen. Und wenn dann eines Tages daraus ein Medizinprodukt wird, das in der Klinik zum Einsatz kommt, wäre dies klasse. Das ist unser Ziel!“

Diese durch REMEDIS geschaffenen Strukturen nachhaltig zu sichern, z. B. durch eine Anschlussförderung, das empfindet die stellvertretende Institutsdirektorin als eine große Herausforderung. Die Forschungen müssen nach 2014 weitergehen und die Mitarbeiterstellen gesichert werden. Dafür trägt sie als Koordinatorin die Verantwortung und muss sich um die Finanzierung auch nach der Förderphase kümmern.

In Katrin Sternbergs Leben scheint es nur eins zu geben, was ihr fehlt:  Zeit. Die betrachtet sie als Luxus. Sie wünscht sich mehr Zeit für ihre Arbeit, um einzelne Forschungsaspekte ruhiger anzugehen und schließlich auch mehr Zeit für ihre Familie und Freunde. Und im Urlaub geht es in die Berge: Wandern, wandern, wandern, immer dem Wege nach. Und der führt auch in den Bergen bekanntlich nach oben.



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