Licht ist ein ganz besonderer Stoff

220 Experten der Lumineszenzforschung trafen sich vom 10. bis 14. September in Halle an der Saale. Organisiert wurde die 8. LUMDETR-Konferenz vom Team des Zentrums für Innovationskompetenz (ZIK) SiLi-nano an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zum ersten Mal fand diese hochkarätige internationale Fachkonferenz in Deutschland statt.

Konferenzleiter Stefan Schweizer wischt sich heute nicht die Schweißperlen von der Stirn. Er fragt sich auch nicht, welche Teufel ihn auf der LUMDETR-Konferenz 2009 in Krakau geritten hatten – wahrscheinlich war es die bekannte Mischung aus Ehrgeiz und Leichtsinn –, als er die einladende Bewerbung für und nach Halle (S.) aussprach. Sein Pech im Glück: Alle wollten an die Saale. Endlich mit der LUMDETR-Konferenz nach Deutschland. Und wenn schon, dann richtig, zum ZIK SiLi-nano an der geschichtsreichen Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

Eine ganz besondere Mischung

LUMDETR ist nicht nur sprachlich ein Zungenbrecher. Auch inhaltlich hat es die „International Conference on Luminescent Detectors and Transformers of Ionizing Radiation“ in sich. Eine ganz besondere Mischung von Wissenschaftlern trifft hier aufeinander, um die laut Wikipedia inzwischen 15 Arten von Lumineszenz, also von optischer Strahlung, aufgrund neuester weltweit publizierter Forschungsergebnisse mit Leidenschaft zu diskutieren.

Die wissenschaftliche Mischung in Halle (S.) war außergewöhnlich. Da referierten Grundlagenforscher aus den Fachbereichen Chemie, Physik, Biologie und Optik mit Experten für Werkstoff, Medizin- und Energietechnik um die Wette. Schließlich wird dem Einsatz optischer Systeme weltweit eine blühende Zukunft prognostiziert. Sei es in der Biotechnologie, der medizinischen Diagnostik, in der Datenübertragung, in den verschiedensten Anwendungen von Lasern oder in der Mikrosystemtechnik sowie in der Photovoltaik.

Jetzt, nach dem geglückten Start der Konferenz im schönen und vor allem praktischen Konferenzort „Melanchthonanium“ am Universitätsplatz, nun, wo die Turbinen der Präsentationstechnik für die vielfältigen Vorträge auf voller Kraft laufen, traut sich bei Stefan Schweizer ein Lächeln aufs Gesicht: „Wenn Innovationskompetenz nicht nur exzellente Forschungsarbeit für frische Technologien bedeutet, sondern auch modernes Marketing und profilierende Kommunikation, dann haben wir diese Kompetenz mit LUMDETR 2012 wohl unter Beweis gestellt.“

Spannende Inhalte und internationales Publikum

Natürlich muss ein Wissenschaftler wie Stefan Schweizer diese Behauptung sogleich mit Fakten belegen – fünf Tage Konferenzprogramm für 220 Frauen und Männer aus 30 Ländern, Konferenz- und Umgangssprache ist Englisch. Neben den Vorträgen wurde ein Rahmenprogramm organisiert, das es in sich hat: Empfang durch die Stadt Halle (S.), Konferenzdinner, Exkursion zum Weinberg-Forschungs-Campus und natürlich geführte Touren zu Halles schönsten und besonderen Orten.

„Aber richtig freue ich mich auch darüber, dass unser Handbuch zur Konferenz pünktlich fertig wurde. Mit 70 Fachvorträgen und 150 Posterbeiträgen, deren Hauptinhalte sich alle im „Book of Abstracts“ wiederfinden, haben wir den Teilnehmern ein erstklassiges Dokument übergeben können.“, unterstreicht Stefan Schweizer. Richtig stolz ist er auf ein neues Konferenzelement, das in Halle (S.) Premiere hatte: die Vortragsreihe der „Jungen Wissenschaftler“. Gut ein Drittel der LUMDETR-Teilnehmer waren Studentinnen und Studenten – beispielsweise aus Deutschland, Russland, der Ukraine, aus der Tschechischen Republik, aber auch aus China, den Niederlanden, aus Indien und Israel sowie aus dem Vereinigten Königreich.

Prof. Dr. Stefan Schweizer war bis zum März dieses Jahres Leiter der Nachwuchsforschergruppe „Light to Silicon“ innerhalb des ZIK SiLi-nano. Arbeitsschwerpunkt dieser Gruppe ist es, das Photonenmanagement für Solarzellen der dritten Generation zu bearbeiten und weiterzuentwickeln.


Die Nachwuchswissenschaftler des ZIK SiLi-nano wollen u. a. den Lichteinfall auf die Solarzelle so beeinflussen, dass der Wirkungsgrad optimiert wird.

Neue Ideen ans Licht bringen

Dabei soll das einfallende Sonnenlicht so beeinflusst werden, dass es in den für Solarzellen besser nutzbaren Energiebereich verschoben wird. Diese Lichtmanipulation wird ausschließlich durch Materialien erzeugt, welche die eigentliche Solarzelle umgeben. Auf diese Weise soll eine Steigerung des Wirkungsgrades von Solarmodulen möglich werden, ohne die eigentliche Solarzelle aufwendig und teuer zu modifizieren. Außerdem sind so Effizienzsteigerungen von Solarmodulen, unabhängig vom verwendeten Solarzellentyp, möglich.

“Für mich ist dieses Forschungsprojekt ein sehr persönlicher Teil meiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeit. Die tage- und nächtelangen Vorbereitungen der Konzepte sind mir noch so präsent, als wäre es gestern gewesen.“, erinnert sich Stefan Schweizer an die aufreibende und spannende Zeit der ZIK-Antragstellung.

Nun aber müsse die Familie wieder zu ihrem Recht kommen. Der Fachmann für optische Spektren und anorganische Leuchtstoffe forscht inzwischen am Fachbereich Elektrische Energietechnik an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest.



Nähere Informationen zum ZIK SiLi-nano finden Sie hier.