Vom Blech zum Profil - Dresden

Mittels Gleitziehbiegen sind Profile in Zwischengrößen und kleinen Stückzahlen effektiv herstellbar. Das Gleitziehbiegen stellt somit eine Erweiterung bzw. Ergänzung zu anderen Profilherstellungsverfahren wie z. B. dem Walzprofilieren dar.

Die Technologie ist jedoch hinsichtlich der Geschwindigkeit, der Erhöhung der Toleranzgenauigkeit und der definierten Qualität noch ausbaufähig. Ein Schwerpunkt bei der Weiterentwicklung ist die stärkere Individualisierung von Profilen: z.B. belastungsangepasste Profilquerschnitte, definierte Krümmung und Verarbeitung von Formzuschnitten. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ergeben sich dadurch im Vergleich zu Alternativverfahren folgende Vorteile:

Profilhersteller Profilanwender
- Effektive Herstellung kleiner Stückzahlen - Abnahme von geringen Stückzahlen und Zwischengrößen
- Vielfalt von Profilfamilien, d.h. Herstellung unterschiedlicher Profilbreiten und Flankenhöhen für symmetrische Profilquerschnitte - Verarbeitung handelsüblicher Blechwerkstoffe
- Niedrige Anlagen- und Werkzeugkosten; Profilfamilien mit einem Werkzeug herstellbar - Nebenformelemente (z.B. Stanzen) in nachgelagerten Prozessen erzeugbar
- Geringer Platzbedarf der Anlage - Unterschiedliche Profilquerschnitte
- Geringe Rüstzeiten durch auswechselbare Aktivteile im Umformwerkzeug - Variierbare Profillängen
- Die Profile sind in nahezu allen Branchen einsetzbar; Beispiele: Fahrzeugbau, Schiffbau, Waggonbau, Sanitär und Heizung, Möbelindustrie
- Belastungsangepasste (im Querschnitt veränderliche) Profile

Ziele

Das Innovationsforum schafft die konzeptionellen Voraussetzungen für den Aufbau eines Kompetenzstandorts zur Gesamttechnologie Gleitziehbiegen. Von diesem Kompetenzstandort aus werden KMU z.B. bei der Einführung der Gleitziehbiegetechnologie zur Profilherstellung und bei der Vermarktung neuer spezialisierter Produkte, z.B. Profile mit belastungsoptimiertem Querschnitt, unterstützt.

Bestehende Kooperations- und Forschungsbeziehungen zwischen der Technischen Universität Dresden, Forschungseinrichtungen mit dem Fokus Profilherstellungsverfahren und Unternehmen der Metallverarbeitung werden vertieft und neue Beziehungen aufgebaut. Das entstehende Netzwerk bereitet die Entstehung der Technologieplattform „Gleitziehbiegen“ vor.

Die mitwirkenden Netzwerkpartner bilden die Prozesse zur Herstellung eines Profils inklusive möglicher Zusatztechnologien und der Integration weiterer Innovationsprozesse ab.

Wissen

Das Innovationsforum baut auf den Ergebnissen einer WK-Potenzial-Initiative auf. In diesem Verbundvorhaben wurde mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Technische Universität Dresden erstmalig ein fertigungsnaher Demonstrator für das Gleitziehbiegen von symmetrischen, geraden Blechprofilen entwickelt, hergestellt und optimiert.

Der Demonstrator ist modular aufgebaut und besteht aus dem Grundgestell, der Führungs- und Befettungseinheit, der Greifer- und Vorschubeinheit, der Hydraulikeinheit, der Werkzeugeinheit und der Steuerung. Der Demonstrator ist mit Zusatzmodulen wie einer Haspel zur Materialzuführung, einer Richteinheit, Verstellmotoren für die Aktivelemente des Werkzeuges und einer Abläng- und Ablageeinheit aufrüstbar.

Das Konzept sieht den Einsatz eines Baukastensystems vor, mit dem sich durch das unkomplizierte Auswechseln und Verstellen der Aktivteile des Umformwerkzeuges Profilfamilien mit beliebigen Breiten und Flankenhöhen herstellen lassen.

Die Region

Den Schwerpunkt des Innovationsnetzwerkes bildet die Region um Riesa-Großenhain und Dresden. Die Rohr- und Langteilproduktion hat dort bereits lange Tradition. Aufgrund der Fertigungsspezifik liegen bei vielen Firmen umfangreiche Kenntnisse bezüglich der Automatisierungstechnik, der Werkzeugherstellung und der generellen Be- und Verarbeitung von Stahlwerkstoffen vor. Die Wirtschaftsstruktur ist durch KMU der Metallverarbeitung geprägt. Zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen der Region besteht eine enge Kooperation bei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.

Kontakt

Dipl.-Ing. Kerstin Lehmann
Technische Universität Dresden
CIMTT Zentrum für Produktionstechnik und Organisation
01062 Dresden
Tel.: 0351 463-33597/-37518
Fax: 0351 463-37119
E-Mail: kerstin.lehmann[at]tu-dresden.de
Internet: http://innovationsforum.cimtt.de


Berichterstattung aus dem "Blickpunkt" finden Sie
hier.

Innovationsforum am 26. und 27. November 2013 in Dresden.
Eine Fördermaßnahme des BMBF in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Sachsen.