GesundLeben – Innovative Ansätze zur Förderung und Finanzierung

Der Problemraum

GesundLeben sieht im Erhalt und in der Finanzierung von Gesundheit eine der größten Herausforderungen der Menschheit im 21. Jahrhundert. Das heutige Gesundheitssystem steht vor dem Problem, dass einerseits begrenzte finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen, andererseits die Anzahl von Menschen mit chronischen Erkrankungen stetig steigt. Gesundheit genießt bei den meisten Menschen höchste Priorität. Und doch nehmen gerade die verhaltensbedingten Zivilisationskrankheiten rapide zu und verursachen sowohl großes Leid für die Betroffenen als auch enorme Kosten für die Gesellschaft.

Bereits ein Blick in die Medien zeigt die Brisanz der Thematik: Fast jeden Tag erscheinen Berichte zu Wohlstandskrankheiten. Fettleibigkeit ist dabei eine der Bedeutendsten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Fettleibigkeit als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem ein und spricht von einer „globalen Adipositasepidemie“. Erstmalig leben wir in einer Dekade, in der die Lebenserwartung der Menschen, die über zwei Jahrhunderte kontinuierlich gestiegen ist, wieder sinkt – und zwar überwiegend durch das verstärkte Auftreten von Fettleibigkeit. Ausgeprägtes Übergewicht führt bei der Mehrheit der Betroffenen zu Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herzkreislauferkrankungen. Die durch Adipositas hervorgerufenen Kosten schätzen Experten in Deutschland auf sechs Prozent aller Krankheitskosten, das sind etwa 15 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr und damit eine immense Belastung nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern für die Volkswirtschaften insgesamt.

Unser Gesundheitssystem ist darauf ausgerichtet, Krankheit zu behandeln. Die Vorbeugung von Krankheiten (Prävention) kommt im Vergleich zur Akutbehandlung von Krankheiten, Rehabilitation und Pflege zu kurz. Nur ein Bruchteil der Ausgaben im Gesundheitswesen entfallen darauf. Bei uns wird immer noch mit Krankheit und nicht mit der Gesundheit Geld verdient. Wie kann dieser Trend umgekehrt werden?
Motiviert durch diese Frage will GesundLeben erstmalig ein Programm („Gesundheitsallianz“) etablieren, das auf Erhalt der Gesundheit ausgerichtet ist und das mit unternehmerischer Zielsetzung Umsätze erwirtschaften wird, um nachhaltig die Tragfähigkeit der Allianz zu sichern.

Die Ziele

Die Vision von GesundLeben ist es, kombinierte und innovative Lösungen zur Förderung und zur Finanzierung von Gesundheit vorzulegen. Gesundheit soll sich für jeden Einzelnen lohnen; mit Gesundheit statt mit Krankheit soll Geld verdient werden können. Das Konsortium entwickelt ein neues Gesundheitsmodell, die „Gesundheitsallianz“ mit innovativer Anreizstruktur für die effektive und langfristig wirksame Prävention von Fettleibigkeit, und baut gleichzeitig eine Pipeline mit Produkten für Diagnostik und Therapie zur Finanzierung der Gesundheitsallianz auf.

Die thematischen Schwerpunkte

1. Gesundheitsallianz mit eigener Währung – Gesundheitsmarken
Mit dem Aufbau einer Gesundheitsallianz als Motor zur Förderung und Finanzierung von Gesundheit geht das Initialkonsortium ganz neue Wege. Die Gesundheitsallianz ist ein Zusammenschluss von Stakeholdern, die ein genuines Interesse daran haben, einerseits die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen und andererseits mit Produkten der Gesundheitsförderung, Diagnostik und Therapie Umsätze zu erwirtschaften. Darunter sind Krankenkassen, lokale und regionale Unternehmen der Ernährungswirtschaft und der Agrarwirtschaft sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Medizintechnik, Pharmaindustrie und Biotechnologie.

2. Gesundheitsfördernder Lebensstil – Prävention
Während auf der einen Seite eine Unterversorgung bei der Prävention besteht, wächst auf der anderen Seite die Bereitschaft von Krankenkassen, gezielte Maßnahmen zur Prävention von chronischen Erkrankungen anhand eines individuellen Risikoprofils der Patienten umzusetzen. Im Rahmen des Projektes sollen daher gezielte Maßnahmen zur Prävention der Adipositas und assoziierter Erkrankungen basierend auf einer Risikoanalyse der Patienten etabliert werden. Zu erwarten ist, dass die Umsetzung der Präventionsmaßnahmen im hier beantragten Projekt Barrieren und Versorgungslücken in der Prävention von chronischen Erkrankungen in Deutschland schließt und innovative Versorgungsmodelle schafft.

3. Neue Definitionen von Risikodeterminanten der Fettleibigkeit
Trotz der beschriebenen Intensivierung der Forschung gibt es noch große Wissenslücken bei der Prävention und Behandlung von Fettleibigkeit. Bisher fehlen u.a. Methoden, um die Determinanten des Gesundheitsrisikos von Fettleibigkeit zu charakterisieren. Wenn die adipöse Bevölkerung in verschiedene Kohorten stratifiziert wird, können effektivere Präventionsprogramme konzipiert werden, die auf den individuellen Gesundheitszustand zugeschnitten sind.

Das Projekt GesundLeben wird vier Ansätze zur Identifizierung von Risikofaktoren für Adipositas und dessen Komorbiditäten einführen: Genomik, Mikrobiomik, Lipidomik und Metabolomik. Mittels dieser „Omik“-Technologien („-omik“ steht in den Biowissenschaften für die Gesamtheit einer Gruppe ähnlicher Elemente) werden Patientengruppen stratifiziert und in Risikogruppen eingeteilt. Im Rahmen groß angelegter Bevölkerungsstudien der Partnerinstitutionen werden die Ansätze zur Stratifizierung von Adipositas modelliert und neue Risikofaktoren mit bekannten klinischen Parametern korreliert. Die Grundlage dafür bildet die Bestimmung von phänotypischen Signaturen der gesunden Bevölkerung („Normalwerte“). Darauf aufbauend werden anschließend Risikofaktoren identifiziert und Risikogruppen stratifiziert. Diese Parameter werden genutzt, um gezielte Präventionsprogramme speziell für jede Risikogruppe zu entwickeln und um Behandlungsansätze zu individualisieren. GesundLeben wird mit Lipidomik beginnen.

Die Partner

GesundLeben hat derzeit 47 Partner in Wissenschaft und Forschung an 22 wissenschaftlichen Einrichtungen. Zum Konsortium gehören außerdem 35 KMU sowie drei Krankenkassen und eine Rentenversicherung. GesundLeben ist damit intersektoral aufgestellt.

Kontakt

Konsortialführer: Prof. Dr. Kai Simons
Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG)
Pfotenhauerstraße 108
01307 Dresden
Tel.: 0351 2102800
Fax: 0351 2101209
E-Mail: schimmel[at]mpi-cbg.de