Der neue Juniorprofessor spricht in Bildern

Zum Wintersemester 2013/14 hat Christian Hansen seine Juniorprofessur angetreten. Sie wurde von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für den Forschungscampus STIMULATE eingerichtet. Der promovierte „Computervisualist“ forscht auf dem Gebiet der computerassistierten Chirurgie. Er entwickelt Software zur Planung und Navigationsunterstützung von Operationen.

„Jun.-Prof. Dr. Christian Hansen, Arbeitsgruppe Computerassistierte Chirurgie“ steht neben der Tür zu seinem kleinen Büro im Gebäude der Fakultät für Informatik. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte über das Unigelände hin zu seinem „praktischen“ Betätigungsfeld in der „Experimentellen Fabrik“. Unter deren Dach ist STIMULATE zu Hause – das Solution Centre for Image Guided Local Therapies.

Am Computer entwickelt Christian Hansen Software zur Planung und Navigationsunterstützung von Operationen.
Am Computer entwickelt Christian Hansen Software zur Planung und Navigationsunterstützung von Operationen.
An diesem Forschungscampus, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mitfinanziert wird, arbeiten Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft langfristig zusammen. Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler forschen hier unter modernsten Bedingungen nach neuen medizintechnischen Therapieformen. Computergestützte Bildgebungsverfahren spielen dabei eine große Rolle. Softwareentwickler Christian Hansen sieht darin (s)eine berufliche Zukunft.

Rückkehr an den Studienort

Der 34-Jährige war im Herbst 2013 dem Ruf der Magdeburger Uni gefolgt. Der Forschungscampus mit seinen „Top“-Möglichkeiten für junge Nachwuchswissenschaftler hatte ihn von seiner Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei MEVIS in Bremen „weggelockt“. Dort, am Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin, hatte er promoviert und ein erstes Stück beruflichen Weges zurück gelegt. „In enger Verbindung zur Praxis“, betont Hansen und erwähnt die klinischen Kontakte weltweit.

Juniorprofessor Dr. Christian Hansen hat in Magdeburg Computervisualistik studiert und am Fraunhofer-Institut in Bremen promoviert.
Juniorprofessor Dr. Christian Hansen hat in Magdeburg Computervisualistik studiert und am Fraunhofer-Institut in Bremen promoviert.
Sein Wechsel an die Magdeburger Uni war allerdings kein Aufbruch in unbekannte Gefilde. Als Absolvent eines Spezialgymnasiums für Technik in Frankfurt am Main hatte er sich 2000 in der Uni Magdeburg eingeschrieben. „Keine andere Hochschule bot zu jener Zeit den Studiengang Computervisualistik in Verbindung mit einem medizinischen Fach“, sagt er und dass sein Interesse für den „Gesundheitsdienst am Menschen“ während des Zivildienstes bei einer mobilen Krankenpflege geweckt wurde.

Christian Hansen erzählt, wie beeindruckt er war von den massiven Umwälzungs- und Erneuerungsprozessen in der ostdeutschen Hochschule, deren erste positive Auswirkungen er damals genießen konnte. Bis heute hat er sich ein kleines Büchlein aufgehoben: das Hochschulranking des Spiegels von 1999. Er blättert die Seite seines Studienfaches auf. Magdeburg steht da an erster Stelle. Jetzt, 15 Jahre später, steht Magdeburg für ihn wieder an erster Stelle. Mit STIMULATE, sagt der junge Wissenschaftler, habe der Standort auch in Fachkreisen weiter an Bedeutung gewonnen.

Das Sehen erleichtert das Verstehen

In einer Pressemitteilung anlässlich seines Amtsantrittes wurde der Juniorprofessor als „Computervisualist“ angekündigt. Mit anderen Worten ausgerückt: Er entwickelt Software, die technische Daten in aussagekräftige Bilder umwandelt. – „Das Sehen erleichtert das Verstehen.“ Darum steht Hansen seit Studientagen mit an Operationstischen. Er ist bewandert in anatomischen und histologischen Fragen, und weiß gut Bescheid über das Innenleben des Menschen. Dass er sich bislang intensiv mit der Leber beschäftigt, hat mit dem Betätigungsfeld seines vorherigen Arbeitgebers und seiner Promotion auf diesem Gebiet zu tun. In Magdeburg wird er seine wissenschaftliche Tätigkeit auf die Neurologie ausdehnen.

Computergestützte Risikobewertung: Rot eingefärbte Gefäß-Äste verlieren bei einem Tumor-Abstand von 2mm ihre Funktion, die gelben fallen bei 5mm aus, die grünen erst bei 10 mm (Quelle: MeVis, Bremen).
Computergestützte Risikobewertung: Rot eingefärbte Gefäß-Äste verlieren bei einem Tumor-Abstand von 2mm ihre Funktion, die gelben fallen bei 5mm aus, die grünen erst bei 10 mm
Quelle: MeVis, Bremen.
Hansen beschreibt seine Forschungsarbeit kurz so: „Aus den Bildern eines Kernspintomographen beispielsweise soll die Software bestimmte Informationen heraus filtern und daraus 3D-Bilder errechnen.“ Er zeigt das 3D-Modell einer Leber. Zu sehen ist die Portalvene und ein zentraler Lebertumor. Dem Operateur dient solch ein Modell der Planung und Risikoabschätzung bei der OP. Desweiteren, so Hansen, könnten Navigationsgeräte mit Hilfe solcher Modelle dem Mediziner bei der OP Gefäße zeigen, die er in der Draufsicht auf das Gewebe nicht sieht.

Selbstredend nutzt Computervisualist Hansen die „Bildersprache“ auch in seinen Lehrveranstaltungen über „Computerassistierte Chirurgie“. Und die – weil so praxisnah – erfreuen sich mittlerweile großer Beliebtheit.


Zum Forschungscampus STIMULATE finden Sie hier weitere Informationen.