Eine neue Generation des World Wide Web

Das Web ist eine stetig wachsende Wissensplattform. Doch mit der Zunahme an Informationen erhöht sich der Zeitaufwand für eine bedarfsorientierte Suche. Das Berliner InnoProfile-Transfer-Verbundprojekt Corporate Smart Content will die Grundlagen schaffen für eine neue Generation des WWW speziell für den Einsatz im unternehmerischen Umfeld.

Wer schnell eine Wissenslücke füllen will oder Hintergrundinformationen zu einer aktuellen Nachricht braucht, oder wer schnellen Zugriff auf den angesammelten Wissensschatz innerhalb seines Unternehmens haben muss – relevante Auskünfte aus dem Internet zu holen, hat höchste Bedeutung erlangt; ob für das eigene berufliche Wirken, für unternehmerische Entscheidungsfindungen, für das wirtschaftliche Taktieren ... . Was wären wir ohne das World Wide Web. Gleichwohl hat jeder Nutzer das Internet auch schon verflucht ob seiner Fülle an Informationen: Welche ist genau die, die ich brauche? Welche ist richtig und wichtig in meinem Kontext? Dann diese zeitraubende und anstrengende Sucherei! ... Immer lauter werden die Rufe nach dem „mitdenkenden“ Internet, das von sich aus erkennt, welche Informationen der Akteur braucht, ihn sogar zielgerichtet dorthin lenkt.

Die Wissenschaftler Kia Teymourian, Dr. Adrian Paschke und Ralph Schäfermeier (v.l.) am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin schaffen die Grundlagen für eine neue Generation des World Wide Web.
Die Wissenschaftler Kia Teymourian, Dr. Adrian Paschke und Ralph Schäfermeier
v.l. am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin schaffen die Grundlagen für eine neue Generation des World Wide Web.

Junge Wissenschaftler am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin nehmen diesen Ruf als Herausforderung: Das InnoProfile-Transfer-Verbundprojekt Corporate Smart Content will die Grundlagen für eine neue Generation des World Wide Web legen. Mit einer bestimmten Intelligenz ausgestattet soll es Informationsinhalte identifizieren und miteinander verknüpfen. Mit den Worten von Projektleiter Dr. Adrian Paschke: „Wir forschen nach Wegen, um den Suchmaschinen das intelligente Identifizieren und Verknüpfen von Inhalten zu ermöglichen.“ Corporate Smart Content eben – CSC. „Solch ein semantisch-pragmatisches System gibt es bisher noch nicht“, sagt Paschke.

Die intelligente Redaktionsplattform

Welche Inhalte aufgefunden werden, richtet sich nach dem jeweiligen situativen Nutzungskontext. Forscherkollege Ralph Schäfermeier hat das Beispiel eines Partnerunternehmens parat, das mit seinen IT-Leistungen die Arbeit der Online-Nachrichtenredakteure der ARD unterstützt. Hohen Stellenwert hat derzeit die Berichterstattung über die Ukraine-Krise. Viel Hintergrundwissen ist zu diesem Thema gefragt. Aber auch Querverbindungen, etwa zu Themen wie „Wirtschaftssanktionen“, „Russland-Geschäft“, „deutsche Wirtschaft“. „Derzeit müssen Personen diese Informationen aufwändig von verschiedenen Wissensplattformen zusammentragen, dem eigenen Suchkontext entsprechend filtern und in ihr System einpflegen. Die intelligente Redaktionsplattform der Zukunft soll diese Daten selber identifizieren, darauf verweisen, sogar automatisch Vorschläge machen“, sagt der junge Wissenschaftler.

Projektleiter Paschke erklärt das Prinzip: „Metadaten werden auf der Webseite eingebettet. Die Suchmaschinen sollen diese Daten verstehen und von einem Begriff (Ukraine) die Verbindung zu sämtlichem relevanten Wissen herstellen – aus unterschiedlichem Blickwinkel und dem situativen Kontext des Akteurs entsprechend.“

Informatiker Kia Teymourian verweist auf weitere Bedeutungen von Corporate Smart Content als internes System in einem Unternehmen. Zum einen, so Teymourian, werde in einem Unternehmen immer auch wertvolles Wissen produziert, das allen Mitarbeitern auf einfachem Wege zugänglich sein sollte. Zum anderen könnte ein intelligentes System den innerbetrieblichen Datenfluss beobachten, aus immer wiederkehrenden Vorgängen Muster entwickeln und dann automatisch die richtigen Formulare oder Dokumente vorlegen. Ein elektronisch ausgefülltes Urlaubsformular etwa könnte intern dafür sorgen, dass während der Abwesenheit von Kollege A automatisch dessen Vertretung, Kollege B identifiziert und angesprochen wird.

„Zum Statusseminar im Oktober“, so Paschke, „werden unsere Partner im Forschungsverbund jeweils Prototypen ihres bedarfsorientierten semantischen Systems vorstellen.“


Nähere Informationen zum InnoProfile-Transfer-Verbundprojekt Corporate Smart Content finden Sie hier.