Philosophen interpretieren die Welt, das Internet verändert sie

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie zu verändern.“ Dieser Spruch von Karl Marx grüßt in der Eingangshalle der Humboldt-Universität Berlin. Im Umfeld der IT-Experten, die zum Statusseminar von Corporate Smart Content (CSC) kamen, hatte er eine spezielle Bedeutung. Das World Wide Web verändert die Welt grundlegend.  

Als Hauptstadt der Digitalwirtschaft, als Startup-Mekka für internetnahe junge Firmen bezeichnet sich Berlin in einer Broschüre der Senatsverwaltung – und wirbt mit seinem digitalen Nährboden.

Auf dem Empfangstisch für das Statusseminar des InnoProfile-Transfer-Verbundprojekts lag dieses Info-Material nicht zufällig. Was da geschrieben steht, wird in der Tat gelebt: Die Berliner Forschungslandschaft und ihr wirtschaftliches Umfeld bringen hochqualifizierte Fachkräfte hervor und unzählige Möglichkeiten, Synergien zu nutzen, Networking zu betreiben. Ralph Schäfermeier zückt sein Smartphone. Er und seine beiden Kollegen im Koordinatorenteam von Corporate Smart Content, kurz CSC, haben das Berlin „Semantic Web Meetup“ gegründet. Er schaut kurz nach: „Aktuell haben wir 558 Mitglieder.“ Die stürmen jetzt nicht alle den Plenarsaal der altehrwürdigen Uni, aber es kommen immerhin so viele, dass zusätzliche Stühle beschafft werden müssen.

Startup-Szene interessiert sich für CSC

In der Überzahl sind die Gäste einer neuen Generation von Internetnutzern zuzuordnen. „Ja, viele kommen tatsächlich aus der Berliner Startup-Szene“, weiß Ralph Schäfermeier, „... sind auch Mitarbeiter unserer Partnerunternehmen – kleine und mittelständische Unternehmen aus der Region Berlin-Brandenburg, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen auf digitalen Geschäftsfeldern bewegen“ ergänzt Adrian Paschke.

CSC-Partner informierten sich gegenseitig über den Stand ihrer Entwicklungsarbeiten, vl: Anika Stiem (EsPresto AG ), Frauke Weichhardt (Semtation GmbH), Adrian Paschke (FU), Doris Massen Neofonie GmbH), Magnus Niemannv(Condat AG).
 
CSC-Partner informierten sich gegenseitig über den Stand ihrer Entwicklungsarbeiten, vl: Anika Stiem
EsPresto AG , Frauke Weichhardt
Semtation GmbH, Adrian Paschke
FU, Doris Massen Neofonie GmbH, Magnus Niemannv
Condat AG.  
Die jungen Wissenschaftler vom Institut für Informatik der Freien Universität Berlin leiten das Verbundprojekt und bringen sich selber ein mit ihrer Grundlagenforschung. Der Zeitgeist stelle neue Anforderungen an das Internet, meint Adrian Paschke. Das CSC sei angetreten, die Grundlagen für einen Generationswechsel im World Wide Web zu schaffen.

Ihre Partner aus der Wirtschaft entwickeln webbasierte Produkte, mit denen sie ihre Kunden fit machen für den Eintritt in das neue Internetzeitalter. Das ist vor allem geprägt von einer Fülle an Informationen, deren Verwaltung und Anwendung bislang kaum effizient sind.

Werkzeuge veredeln Netz-Inhalte

Die Condat AG entwickelt Software für Media-Unternehmen, die mit Redaktionen arbeiten. Ihre Kunden sind u.a. öffentlich rechtliche Rundfunkanstalten und Zeitungen mit Online-Auftritt. Das Problem: Die Archive sind voll, aber das Material ist zum großen Teil nicht nutzbar, weil es nicht „suchbar“ ist. Condat entwickelt nun ein Verfahren, das dem Material einen semantischen Fingerabdruck (Sammlung von Schlagwörtern) gibt. Die Software kann dann alles mit gleichem Fingerabdruck finden und dem Redakteur anbieten.

Der Nutzer markiert Textstellen und automatisch werden ihm Schlagwörter, Eigennamen und Einträge aus kundenspezifischen Fachlexika vorgeschlagen.
Der Nutzer markiert Textstellen und automatisch werden ihm Schlagwörter, Eigennamen und Einträge aus kundenspezifischen Fachlexika vorgeschlagen.
Die neofonie GmbH hat sich auf die Suche im Netz spezialisiert und konzentriert sich auf die Verlagsbranche sowie auf das E-Commerce. Sie entwickelt leichte und intelligente Werkzeuge, die aus branchenspezifischen Wissensbasen durch Terminologie-Extraktion ein eigenes Fachlexikon aufbauen. Das sieht in der Praxis so aus, dass der Nutzer Textstellen markiert und ihm automatisch neben Schlagwörtern und Eigennamen auch Einträge aus kundenspezifischen Fachlexika vorgeschlagen werden. Das System lernt aus den Entscheidungen der Nutzer.

In ähnliche Richtung geht die Produktentwicklung bei der EsPresto AG. Dem IT-Dienstleister geht es um effektive Werkzeuge, mit denen sich ein Unternehmen aus seinem internen Material einen Wissensspeicher, sein eigenes Unternehmens-Wiki, anlegen kann. Die Semtation GmbH stellt Modellierungstools für Prozesse und Ontologien her. Entwicklungsziel von Semtation ist die Anreicherung der Webanwendung Sharepoint mit Informationen aus geschäftlichen Abläufen, um sie durchschaubar und auf andere Aufgaben anwendbar zu machen.


Weitere Informationen über das InnoProfile-Transfer-Verbundprojekt Corporate Smart Content erhalten Sie hier.