Un|ge|duld – Bedeutung: Forscherdrang

MINT klingt zwar nach Frische, ist dennoch bei den Frauen nicht so beliebt: Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften, Technik sind Berufe, in denen es an Fachkräften mangelt. Franziska Sondej konnte sich für das Studium der Verfahrenstechnik begeistern und promoviert jetzt innerhalb des Forschungsprojektes NaWiTec.  

Franziska Sondej mit ihren Kollegen Christian Fischer und Kaicheng Chen. (Foto: PRpetuum GmbH)
Franziska Sondej mit ihren Kollegen Christian Fischer und Kaicheng Chen.
Foto: PRpetuum GmbH
Wie kommt man als junge Frau dazu, sich für Partikelmesstechnik zu interessieren? Franziska Sondej lacht: Im Grunde sei die Oma für diese Studienwahl verantwortlich. Die hatte einen Zeitungsartikel ausgeschnitten, in dem die Magdeburger Uni ein Praktikum explizit für Abiturientinnen anbot. Speziell bei den Mädchen sollte Interesse für die sogenannten MINT-Berufe geweckt werden. „Mit dem Abitur in der Tasche sah ich viele mögliche Wege vor mir, da konnte ich mich schwer entscheiden“, sagt Franziska Sondej. Sie beschreibt sich als sehr begeisterungsfähig und zählt auf: „Architektur, Immobilienwirtschaft, auch zur NASA wollte ich gehen ...“ Oma sei Dank wurde ein erster Wegweiser aufgestellt. Franziska „schnupperte“ drei Monate lang in den Bereich „Mechanische Verfahrenstechnik“ hinein und entschied sich 2006 für diese Studienrichtung an der Otto-von-Guericke-Universität in ihrer Heimatstadt Magdeburg.
 

Vom Weg abschweifen, ohne sich zu verlaufen

Nachwuchsgruppenleiter Prof. Dr. Andreas Bück passt auf, dass Doktorandin Franziska Sondej ihr Ziel nicht aus den Augen verliert. (Foto: PRpetuum GmbH)
Nachwuchsgruppenleiter Prof. Dr. Andreas Bück passt auf, dass Doktorandin Franziska Sondej ihr Ziel nicht aus den Augen verliert.
Foto: PRpetuum GmbH
Beinahe neun Jahre später gehört sie immer noch zur Uni. Franziska Sondej ist Doktorandin und 28 Jahre jung. Da war sie wohl zügigen Schrittes unterwegs, das Ziel immer fest im Blick? Franziska lacht und meint, sie sei eher chaotisch, weil sie sich sehr schnell für neue Ideen begeistern könne und die dann auch sofort umsetzen möchte. „Die Verlockungen, vom Hauptweg abzukommen, sind vielseitig“, sagt Franziska und dass sie froh ist, in dieser Hinsicht von ihrem Kollegen und „Chef“ Andreas Bück beruhigt zu werden. „Wissenschaftler mit Tunnelblick bringen unser Projekt nicht zum gewünschten Erfolg. Zum Forscherdrang gehört es, links und rechts des Weges zu schauen, was es da noch Aufzusammeln gibt“, meint Bück. Und wenn sich jemand aus seiner Nachwuchsgruppe doch zu weit entfernt von seinem Ziel, dann sei er der Navigator, der auf die Zielgerade zurückführt.

Stiftungsprofessor Bück leitet das InnoProfile-Transfer-Vorhaben „Strukturbildende Wirbelschichtprozesse“, das an der Fakultät für Verfahrens- und Systemtechnik an der Otto-von-Guericke-Universität angesiedelt ist. Als das BMBF 2012 die Anschlussförderung für dieses Folgeprojekt von NaWiTec (Nachwuchsforschungsgruppe Wirbelschichttechnik) zusagte, wurden fünf Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter ausgeschrieben. Viele hatten sich darauf beworben. Franziska Sondej konnte mit einigem überzeugenden Vorwissen auf dem Gebiet der Partikelmesstechnik punkten.
 

Formeln sagen Ergebnis vorher

Franziska Sondej setzt die Partikel auf einen Probenhalter und kann sie im Tomographen auf Schichtdicke und Porösität untersuchen, ohne sie zu zerstören. (Foto: PRpetuum GmbH)
Franziska Sondej setzt die Partikel auf einen Probenhalter und kann sie im Tomographen auf Schichtdicke und Porösität untersuchen, ohne sie zu zerstören.
Foto: PRpetuum GmbH
In ihrer Arbeitsgruppe „Strukturbildende Wirbelschichtprozesse“ wird erforscht, wie im Wirbelschichtverfahren aus einem flüssigen Ausgangsstoff Granulate oder Pulver mit den konkret gewünschten Partikelstrukturen und -eigenschaften hergestellt werden können. Allen voran die Pharmazie und die Landwirtschaft haben Interesse an den Ergebnissen.

Franziskas Aufgabe ist es zu untersuchen, wie sich Einzelpartikel während der Wirbelschichttrocknung verhalten, welche Strukturen sie annehmen. Einer ihrer Arbeitsplätze ist das vom BMBF finanzierte konfokale Laser-Scan-Mikroskop. „Auf Grundlage der Analysen an diesem Mikroskop kann zum Beispiel die Strömungsführung in der Wirbelschichtanlage so berechnet werden, dass Partikel wie etwa Medikamenten-Kapseln optimal beschichtet werden“, sagt Franziska.

Wie sich ein Trocknungsprozess in der Anlage mit Hilfe von geometrischen Formeln und Grafiken ausdrücken lässt, ist an einer großen Wandtafel in dem Büro zu sehen, das sich Franziska mit zwei Kollegen teilt. Sie schreiben Zahlen, zeichnen Kurven an die Tafel und treffen damit Vorhersagen, wie Partikelschichten aussehen werden. Am Ende sei es das Ziel, die theoretischen Messergebnisse mit denen im Testlabor, bzw. in der Versuchsanlage überein zu bringen, meinen die Doktoranden.

Individuelle Ziele führen zum Erfolg des Ganzen

Mal abgesehen davon, dass ein Laie ehrfurchtsvoll davor steht, wird an dieser Tafel auch deutlich, dass wissenschaftliche Arbeit in erster Linie Teamarbeit ist, die das große Forschungsprojekt zum Erfolg führt. „Mittendrin hat jeder von uns seine individuellen Leistungen mit eigener Zielstellung zu erbringen“, sagt Franziska. Sie holt tief Luft: „Gerade aus der Teamarbeit ergeben sich oft auch neue Denkansätze. Ungeduldig wie ich bin, möchte ich denen am liebsten sofort nachgehen – auf die Gefahr hin, dass ich mich dabei verlaufe.“ Aber inzwischen habe sie gelernt, sich besser zu organisieren, meint die junge Frau.

Nona Afraz aus dem Iran ist Franziskas erste Masterstudentin, die sie betreut. Hier arbeiten beide am konfokalen Laser-Scan-Mikroskop. (Foto: PRpetuum GmbH)
Nona Afraz aus dem Iran ist Franziskas erste Masterstudentin, die sie betreut. Hier arbeiten beide am konfokalen Laser-Scan-Mikroskop.
Foto: PRpetuum GmbH
Im April 2015 sind die ersten zwei Jahre ihrer Promotionszeit um. Franziska bezeichnet sie als ihre Orientierungsphase. Jetzt weiß sie, wo es hingehen soll, welche Literatur auf diesem Weg zu lesen, welche Experimente zu machen sind ... . 2018 wird das Forschungsprojekt „Strukturbildende Wirbelschichtprozesse“ abgeschlossen. Innerhalb dieser Zeit will Franziska auch in ihr persönliches Ziel einlaufen, über dem das Thema ihrer Doktorarbeit steht: „Experimentelle Analyse der Mikrostrukturbildung während der Partikelformulierung am Einzelpartikel“.

Welchen Weg sie dann mit dem „Dr.-Ing.“ in der Reisetasche einschlagen wird, weiß Franziska Sondej noch nicht. Sie lernt gerade, darauf zu vertrauen, dass sie ihr Dreigespann aus Begeisterungsfähigkeit, Spontanität und profundem Wissen auf den richtigen führen wird.

Nähere Informationen zur InnoProfile-Transfer-Stiftungsprofessur NaWiTec stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.