Der Demonstrator wird zum Botschafter

Der ASTER-Rettungswagen rollt – ein Jahr nach Beendigung der WK-Potenzial-Initiative „Akut-Schlaganfall-Versorgung“ – einer neuen Bestimmung entgegen. Deutschlandweit wird er an Gymnasien für den Studiengang Medizintechnik an der OVGU Magdeburg werben.  

Die Schülerinnen und Schüler aus der 11. Klasse des Professor-Friedrich-Förster-Gymnasiums in Haldensleben wissen nicht, dass für diesen Rettungswagen ein zweites Leben beginnt. Davor war er im Projekt „Akut-Schlaganfall-Versorgung“ Forschungsgegenstand und am Ende Demonstrator des multimedialen Rettungswagens der Zukunft. Jetzt rollt er auch noch als Botschafter für ein Medizintechnik-Studium an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg über Deutschlands Straßen.

Bedienen ohne zu berühren

Peter Knüppel reist mit dem multimedialen Rettungswagen durch Deutschland und wirbt für das Medizintechnikstudium. (Foto: PRpetuum GmbH)
Peter Knüppel reist mit dem multimedialen Rettungswagen durch Deutschland und wirbt für das Medizintechnikstudium.
Foto: PRpetuum GmbH
Die Gymnasiasten aus Haldensleben sind seine ersten Besucher. Peter Knüppel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medizinische Telematik und Medizintechnik an der OVGU, ist ein bisschen aufgeregt: „Hoffentlich funktionieren unsere Installierungen alle!“ Noch einen Tag zuvor hatte er den 3D-Bildschirm eingebaut, an dem er unter anderem zeigt, wie Röntgenbilder während einer OP in die gewünschte Richtung gedreht werden können, ohne dass eine Tastatur oder Maus bedient werden muss. Ein Sensor nimmt die Positionen der Hände auf und sendet entsprechende Befehle. „Solche berührungslosen Bedienungssysteme werden von Medizintechnikern an unserem Forschungscampus STIMULATE entwickelt“, schlägt Peter Knüppel die Brücke zu den Inhalten des Medizintechnik-Studiums: Elektrotechnik und Physik ist dabei, viel Informatik und auch Bildverarbeitung – das wird allen bei einer simulierten Schlaganfallbehandlung deutlich.
 

Zunächst erfordert es große Geschicklichkeit, einen Katheter in das vor ihnen liegende Kopfmodell zu schieben. „Hier an der Uni werden Methoden entwickelt, die es dem Arzt erleichtern, einen Katheter penibel genau an eine Stelle im Körper zu navigieren“, sagt Peter Knüppel und zeigt wie zum Beweis ein Video. Darauf sieht das „Katheter-Einführen“ ganz einfach aus. Dieser muss exakt platziert werden, um ein Gefäß mit Miniatur-Instrumenten von einem Blutgerinnsel zu befreien. Oder um es zu veröden, das demonstriert Knüppel an einer Schinken-Scheibe. Er nimmt dazu ein eigens umgebautes Elektroskalpell, auf dem 300 Volt anliegen. Auch solche Instrumente werden von Medizintechnikern entwickelt.

Die Gymnasiasten verfolgen am Experiment mit einer Schinkenscheibe, wie ein Gefäß verödet werden kann. (Foto: PRpetuum GmbH)
Die Gymnasiasten verfolgen am Experiment mit einer Schinkenscheibe, wie ein Gefäß verödet werden kann.
Foto: PRpetuum GmbH

Neue App kann Strahlung messen

Die Schüler ahnen, dass die Medizintechnik ein weites Feld ist, auf dem es in Zukunft noch viel Neues geben wird. „Zum Beispiel neue Methoden zum Messen von radioaktiver Strahlung“, Knüppel holt noch einen Trumpf aus dem Bauch des Rettungswagens – ein iPad. Dass die Medizintechnik ionisierende Strahlen anwendet, wissen die Schüler und selbstredend auch, dass diese Strahlung genau gemessen werden muss. Geigerzähler sind aber teuer. Peter Knüppel zeigt auf die Kamera des iPads und führt vor, wie Strahlung mit einer einfachen Handy-Kamera gemessen werden kann. Seine Wissenschaftler-Kollegen entwickeln gerade die entsprechende App.

Sichtlich beeindruckt klettern die Mädchen und Jungen aus dem Rettungswagen und nehmen sich einen Flyer mit. „Die Premiere war ein Erfolg“, zufrieden fährt Peter Knüppel seinen „Botschafter“ in die Garage. Schon am nächsten Tag hat er mit ihm seinen zweiten Auftritt, dann im niedersächsischen Helmstedt.

Weitere Informationen zum WK-Potenzial-Initiative ASTER finden Sie hier.