Zielsicher durch den Datendschungel

Ob für die Recherche von Nachrichtenredaktionen oder die Bereitstellung von Unternehmens-Wissen für die Mitarbeiter – das Berliner Forschungsprojekt „CSC“ hat innovative Lösungen für den großen Bedarf an intelligenten Navigationssystemen gefunden.

 Smart Media Engine und Redaktion (Foto: Condat)
 Smart Media Engine und Redaktion
Foto: Condat
Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderungen auf politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene. Die Nachrichten überschlagen sich. Es laufen Sondersendungen in Rundfunk und Fernsehen. Fragt sich da jemand, welche Arbeit die Redakteure im Hintergrund zu bewältigen haben? „Heutzutage geht es nicht darum, Informationen zu bekommen. Das Problem ist die Auswahl aus einer wachsenden Flut. Das kann manuell nicht mehr geleistet werden“, sagt Adrian Paschke vom Institut für Informatik an der Freien Universität Berlin. Er leitet das InnoProfile-Transfer-Verbundprojekt „Corporate Smart Content“, kurz CSC.

Das Forschungsbündnis entwickelt semantische Technologien, mit deren Hilfe Informationen, sprich Inhalte, bedarfsgerecht und auf den situativen Kontext angepasst zur Verfügung gestellt werden.
 

Informations-Management

„Ein knappes Jahr vor Ablauf der Projektzeit haben alle Teilprojekte Prototypen entwickelt, die von unseren Partnern aus der Wirtschaft jetzt praktisch erprobt werden“, sagt Paschke und betont den tatsächlichen Nutzen, der aus der Praxis signalisiert wird. Solch ein positives Feedback erhält beispielsweise die Condat AG von ihren Kunden. Das Unternehmen entwickelt Software-Systeme für die Medienindustrie und arbeitet u.a, für den rbb, den WDR und  das ZDF. Die Medienanstalten haben Interesse an innovativen Lösungen bei der Navigation durch audiovisuelle Materialien. Ein „Smart-Content-Management“ soll den Redakteuren die Beschaffung der je nach Art und Verteilung unterschiedlichen Informationen und deren Aufbereitung entsprechend der Nutzerprofile erleichtern.

Auch die Neofonie GmbH unterstützt Redaktionen bei der Informationsextraktion und der Anreicherung von Dokumenten mit Metadaten. Innerhalb des CSC-Verbundes hat das Unternehmen einen Proof of Concept (Machbarkeitsnachweis) für die Reisebranche entwickelt. Es wurden Daten von Hotelwebseiten und domänenspezifisches Vokabular ausgewählt, um ein öffentliches Suchportal kundenfreundlicher zu gestalten.

SemTalk – Intelligente Prozessmodelle (Foto: Semtation)
SemTalk – Intelligente Prozessmodelle
Foto: Semtation

 

Wissens-Management

„Des weiteren“, so Paschke, „signalisieren immer mehr Unternehmen, die im Kern ihres Geschäftes Wissen generieren, einen wachsenden Bedarf an einer intelligenten Verwaltung der Prozesse, innerhalb derer dieses Wissen entsteht.“ Dieses Unternehmens-Wissen, dürfe auch dann nicht verloren gehen, wenn der Experte „Mensch“ dahinter gerade nicht verfügbar ist. Die EsPresto AG und die Semtation GmbH haben innerhalb des Forschungsprojektes intelligente Modelle für das Informations-Management entwickelt. Neue semantische Technologien verbessern zum Beispiel die Navigation in einem Unternehmenswiki. Es unterbreitet Nutzern Vorschläge, die sich an dem jeweiligen Seitenkontext oder an dem gesuchten Expertenwissen orientieren.

Neu entwickelte Prozessmodelle, die in die SharePoint-Webanwendung von Microsoft integrierbar sind, bieten eine Reihe von zusätzlichen Informationen, die über eine einfache Abfolge von Prozess-Schritten hinausgehen. Den Unternehmens-Mitarbeitern sollen benötigte Informationen (Dokumente, E-Mails) ohne großen Suchaufwand und automatisch zum richtigen Zeitpunkt angezeigt werden.

„In der verbleibenden Projektzeit wollen wir die Prototypen so weit entwickeln, dass sie zeitnah auf den Markt gebracht, bzw. von den Kunden unserer Partner uneingeschränkt genutzt werden können“, sagt Koordinator Adrian Paschke und nennt als Endziel Navigationssysteme, die nutzerspezifisch und aspektorientiert lernen können.

Weitere Informationen zur InnoProfile-Transfer-Initiative CSC finden Sie hier.