Das digitale Dorf

In Thüringen wird im Jahr 2035 mehr als ein Drittel der Einwohner älter als 65 Jahre sein. Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen soll mit modernster Computertechnik das Leben auf dem Land auch künftig seine ganz eigene Qualität haben.  

Der Veranstaltungsort scheint sorgsam ausgesucht. Offensichtlich legen die Macher des „Innovationsforums“ TEDIMA größten Wert auf Respekt vor dem Alter. Schloss Breitungen an der Werra wurde vor 450 Jahren gebaut. Das Alter sieht man ihm an, umso beglückender zu beobachten, wenn die über 50 Teilnehmer des Innovationsforums den altehrwürdigen Schlosssaal in Besitz nehmen – mit modernster Technik konferieren, essen, trinken, bequem anreisen können.

Der Gang der Dinge

Diese Lebensqualität in Südthüringen auch in den kommenden Jahren zu halten, diesen Kraftakt hat sich das Bündnis „Technik und Dialog im Alter – TEDIMA“ vorgenommen. Dabei wird die amtliche Thüringer Bevölkerungsprognose nicht als Drohung empfunden, sondern als Gang der Dinge, auf den man sich einstellen muss. Kerstin John aus dem Landratsamt Schmalkalden-Meiningen macht diese Haltung deutlich: „Über 30.000 Frauen und Männer im Landkreis sind älter als 65 Jahre. Deren nächste Angehörigen leben zu mehr als der Hälfte in Orten, die 25 Kilometer oder mehr entfernt sind.“ Dadurch stehe die familiäre Unterstützung nur noch teilweise zur Verfügung, neue Serviceangebote müssten entwickelt werden, so John weiter.

Auch ältere Menschen sollen von den Kommunikationsmöglichkeiten im digitalen Zeitalter profitieren. (Foto: Nmedia – Fotolia)
Auch ältere Menschen sollen von den Kommunikationsmöglichkeiten im digitalen Zeitalter profitieren.
Foto: Nmedia – Fotolia

Abbau von Infrastruktur stoppen

„TEDIMA muss zum Stoppsignal werden.“, unterstreicht Klaus Bongartz vom Thüringer Infrastrukturministerium. Ein gewisser Trend zum Abbau von Mobilität, von Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen im ländlichen Raum sei nicht vom Tisch zu wischen. Dagegen setze die Landesregierung zum Beispiel die „Serviceagentur demografischer Wandel“. Darum werde auch der Aufbau ländlicher Multifunktionszentren gefördert.
 

Mutmacher aus dem Elsass

Die Initiatoren des Innovationsforums von der EurA Innovation GmbH haben gründlich recherchiert und sind dabei auf Eric Gehl gestoßen. Er ist im französischen Elsass-Lothringen mit einer vergleichbaren Situation konfrontiert: „Immer mehr Dörfer und kleine Städte verlieren junge Frauen und Männer. Die Alten bleiben zurück, Geschäfte, Post und Sparkasse schließen, der Fahrplan von Bus und Bahn passt auf einen kleinen Fahrschein.“ Aus dieser Situation entstand die regionale Plattform www.hakisa.com. Sie stellt Familie und Lebensgemeinschaften ins Zentrum aller Aktivitäten. Eric Gehl weiter: „Wir sind kein Facebook für Alte! Unser Netzwerk stärkt den sozialen Zusammenhalt, bietet zahlreiche Serviceangebote für den Alltag und verfügt auch über Notruffunktionen.“

Moderne Computertechnik soll das soziale Miteinander von älteren Menschen auf dem Land stärken. (Foto: Noam – Fotolia)
Moderne Computertechnik soll das soziale Miteinander von älteren Menschen auf dem Land stärken.
Foto: Noam – Fotolia

Genau in diese Richtung will Erika Schmidt von der EurA Innovation weiterarbeiten: „Mit Hard- und Softwarefirmen aus unserer Region, mit der Wohnungswirtschaft und Verkehrsunternehmen sowie mit der Gesundheitswirtschaft und den zuständigen Stellen der öffentlichen Verwaltung in Thüringen werden wir ein Modellprojekt auf die Beine stellen. Damit wollen wir das digitale Zeitalter endlich auch im ländlichen Raum und bei den älteren Einwohnern ankommen lassen.“ Mit modernster Computertechnik und einfachster Bedienung soll im südlichen Thüringen ein regionales digitales Netzwerk entstehen, das ein starkes Miteinander jenseits von Google, Facebook & Co. möglich macht. Und dabei den Namen „sozial“ zu Recht verdient.

Weitere Informationen über das Innovationsforum TEDIMA finden Sie hier.