Mangelnde Aufmerksamkeit ist tödlich

68.000 Menschen sterben jedes Jahr an Sepsis. In Jena haben sich erstmals Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer zu einem internationalen Symposium getroffen.  

Schirmherrin der Veranstaltung war die Nationale Akademie der Wissenschaften – Leopoldina. Auch Vertreter des „Zwanzig20“-Konsortium „InfectControl 2020“ und des Zentrums für Innovationskompetenz „SEPTOMICS“ waren unter den Teilnehmern.

Der Handlungsbedarf ist groß, denn jährlich steigt die Zahl der Sepsis-Fälle in Deutschland um fast sechs Prozent. „Wahrscheinlich sind es sogar deutlich mehr, denn jeder, der an einer Grippe stirbt, stirbt in Wirklichkeit an einer Sepsis“, sagt Konrad Reinhart, Chefarzt am Uniklinikum Jena und einer der Organisatoren der Konferenz. Er gehört zu den Gründern von SEPTOMICS und setzt sich schon seit Jahrzehnten für die Bekämpfung der Sepsis ein. Sepsis ist die heftige Reaktion des Körpers auf eine außer Kontrolle geratene Infektion. Dabei können Organe angegriffen und zerstört werden – mit tödlichen Folgen für den Patienten. Nur wenn Ärzte und Patienten die Symptome früh erkennen, lässt sich die Sepsis erfolgreich behandeln. Aufklärung hält Reinhart deshalb für besonders wichtig.

In der altehrwürdigen Aula der Friedrich-Schiller-Universität Jena fand das internationale Symposium statt. (Foto: Jens Kleinert)
 
In der altehrwürdigen Aula der Friedrich-Schiller-Universität Jena fand das internationale Symposium statt.
Foto: Jens Kleinert  

 

Hoffnung auf Lösungen

Das gilt auch für Infektionskrankheiten. Tankred Stöbe, Vorstandsvorsitzender der Organisation Ärzte ohne Grenzen, war nach dem Ausbruch der Ebola-Seuche in Afrika im Einsatz. „Ebola war ein dramatisches Beispiel dafür, dass zu spät, zu wenig und zu unflexibel reagiert wurde und deshalb viele Menschen sterben mussten“, sagt der Mediziner. Das Symposium in Jena mache ihm Hoffnung, dass diese Probleme künftig besser gelöst werden - nicht nur national, sondern global.

Damit lebensbedrohliche Infektionskrankheiten gar nicht erst ausbrechen, plädiert der Direktor des Robert Koch-Instituts, Lothar H. Wieler, für besseren Impfschutz. Aber auch die sinnvolle Nutzung von Antibiotika liegt ihm am Herzen. Deren Missbrauch hat dazu geführt, dass sich multiresistente Erreger entwickelt haben, gegen die keine Antibiotika mehr wirksam sind. „Wir müssen dafür sorgen, dass Antibiotika nur gezielt eingesetzt werden“, sagt Wieler.

Wirkstoffe mit großem Potential will das Konsortium InfectControl 2020 zu neuen Medikamenten, insbesondere Antibiotika, weiterentwickeln. (Foto: HKI Jena)
 
Wirkstoffe mit großem Potential will das Konsortium InfectControl 2020 zu neuen Medikamenten, insbesondere Antibiotika, weiterentwickeln.
Foto: HKI Jena  

 

Starke Partnerschaften gegen lebensbedrohliche Krankheiten

Dieses Ziel verfolgt auch InfectControl 2020. Neben der Aufklärung über den Einsatz von Antibiotika plant das Konsortium, die Entwicklung neuer Medikamente voranzubringen. „Wir wollen eine Public Private Partnership zwischen akademischen Institutionen und Wirtschaftsunternehmen bilden, um Substanzen weiterentwickeln zu können, die am Ende den Patienten zugutekommen“, sagt Axel A. Brakhage, Sprecher des Konsortiums und Direktor des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – HKI in Jena. Am HKI haben Wissenschaftler bereits Wirkstoffe gefunden, die das Potential haben, zu Medikamenten weiterentwickelt zu werden. Dafür sollen Biotech- und Pharma-Unternehmen bei InfectControl 2020 ins Boot geholt werden. Ein Weg, den auch Achim Steiner von den Vereinten Nationen unterstützt. „Wir müssen erreichen, dass sich die Privatwirtschaft stärker engagiert. Es kann nicht nur Aufgabe des Steuerzahlers sein, hier zu handeln“, sagt er auf dem Symposium in Jena.

Weitere Informationen zum Zwanzig20-Konsortium InfectControl 2020 finden Sie hier und zum Zentrum für Innovationskompetenz SEPTOMICS  hier.