Unabhängig auf dem Wasser

Noch ist das futuristische Haus auf dem Geierswalder See nur virtuelle Realität. Doch bald soll das erste „Freilichthaus“ in der Lausitz gebaut werden – und sich dank integrierter Solarzellen, Grünflächen und Energiespeicher selbst versorgen.

Mit einem Tablet und spezieller Software entsteht aus der Grafik des autarken Hauses am Ufer des Tagebausees eine 3D-Simulation in realer Umgebung. (Foto: PRpetuum GmbH)
 
Mit einem Tablet und spezieller Software entsteht aus der Grafik des autarken Hauses am Ufer des Tagebausees eine 3D-Simulation in realer Umgebung.
Foto: PRpetuum GmbH  
Eigentlich ist es nur eine zweidimensionale Grafik, die auf der Wasseroberfläche liegt. Doch sobald sie von einem Tablet gescannt wird, erscheint das Haus in 3D auf dem See – fast wie eine Fata Morgana. Man kann virtuell um das Haus herumlaufen, hineinschauen und sogar von einem Raum in den anderen spazieren. Die Gäste staunen, die Gastgeber sind stolz – zu Recht, denn was der Wachstumskern „autartec®“ auf seinem jährlichen Statusmeeting präsentiert, ist überwältigend. Seit zwei Jahren arbeiten die Partner des sächsisch-brandenburgischen Projekts gemeinsam an einem autarken, schwimmenden Haus, das Energie und Trinkwasser selbst produziert. Es kann an jedem beliebigen Ort auf dem Wasser stehen und wird aus neuartigen, umweltfreundlichen Materialien gebaut. Auch Energiespeicher und Abwassersystem sind Neuentwicklungen, die es so auf dem Markt noch nicht gibt.


 

Unkonventionell und funktional

Schon von außen sieht das Haus ungewöhnlich aus: Drei ineinander verschachtelte Würfel, die mit Photovoltaik und Fassadengrün versehen sind, sorgen für ausreichend Energie und ein gutes Hausklima. Die Sonnenkollektoren sind sowohl sichtbar auf dem Dach des Hauses installiert, als auch unsichtbar in den riesigen Fensterscheiben. Die Solarzellen werden dafür in eine Doppelverglasung gebracht. Gebaut wird das Wasserhaus mit einem Rahmen aus Metall. Damit hat der Projektpartner „Wilde Metallbau“ GmbH langjährige Erfahrungen. Schon seit 2009 errichtet die Niederlausitzer Firma schwimmende Häuser aus Metall und Glas auf dem Geierswalder See. Bei autartec® wird der Metallrahmen jedoch mit Platten aus Textilbeton gefüllt. Dieser neue, nachhaltige Baustoff kann mit funktionalen Materialien verbunden werden, zum Beispiel wenige Mikrometer große Kügelchen, die mit flüssigem Paraffin gefüllt sind. Sie sorgen für die Klimatisierung des Hauses und sind gleichzeitig Wärmespeicher. Indem sie ihren Aggregatzustand ändern, können sie Wärme aufnehmen und abgeben. Normalerweise werden für die Speicherung der Sonnenenergie große Batteriesysteme benötigt, die viel Platz brauchen. autartec® hat dafür praktische Alternativen entworfen. Dazu gehören Innenwände, in die Batteriespeicher eingebaut sind. Sie verschwinden in den Hohlräumen der Wände, brauchen also keinen zusätzlichen Raum und verstecken sich hinter einer äußeren Verschalung.

Das autartec®-Haus soll im nächsten Jahr nicht nur virtuell, sondern real auf dem Bergheider See in der Lausitz stehen. (Foto: Manuela Stahr, Fraunhofer IVI Dresden)
 
Das autartec®-Haus soll im nächsten Jahr nicht nur virtuell, sondern real auf dem Bergheider See in der Lausitz stehen.
Foto: Manuela Stahr, Fraunhofer IVI Dresden  

 

Komplett selbstversorgt

Um ein Haus mitten auf dem See errichten zu können, braucht es eine eigene Wasser- und Abwasserversorgung. Dafür hat das Dresdner Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme eine neue Technologie entwickelt. Eine Membran aus Keramikschaum, die mit Titandioxid beschichtet ist, entfernt gesundheitsschädliche Partikel aus dem Wasser. Sobald das Titandioxid mit einem speziellen UV-Licht bestrahlt wird, bilden sich freie Radikale, die organische Materialien vernichten. Die Pilotanlage bereitet Regenwasser schon perfekt zu Trinkwasser auf. Jetzt wollen die Ingenieure eine noch feinere Membran herstellen, mit der auch Brauchwasser aufbereitet werden kann. Das autartec®-Haus bekommt dann eine Klär- und Trinkwasseraufbereitungsanlage, die keine biologischen oder chemischen Zusätze benötigt. Die Technologie soll in den Ponton integriert werden, auf dem das Haus im Wasser steht.

Diese Membranen aus Keramikschaum sorgen dafür, dass Regenwasser zu gesundem Trinkwasser aufbereitet werden kann. (Foto: PRpetuum GmbH)
 
Diese Membranen aus Keramikschaum sorgen dafür, dass Regenwasser zu gesundem Trinkwasser aufbereitet werden kann.
Foto: PRpetuum GmbH  

Den Bauantrag für das erste autartec®-Haus haben die Wachstumskernpartner jetzt gestellt. Läuft alles nach Plan, wird es im nächsten Jahr auf dem Bergheider See in der Lausitz errichtet – und viele weitere sollen folgen.

Weitere Informationen zum Innovativen regionalen Wachstumskern autartec® finden Sie hier.