Andocken an der miR-Station

Unkomplizierter Bluttest statt aufwändiger Biopsie – das Berlin-Brandenburgische miRMAK-Bündnis entwickelt mit Hilfe neuer Biomarker effiziente Diagnosesysteme etwa zur Früherkennung von Herzmuskel-Erkrankungen.

1993 konnten Wissenschaftler dem menschlichen Organismus eines seiner vielen Geheimnisse entlocken: die microRNA. Sie ist neben der DNA ein weiterer Baustein des Lebens. Die Ribonukleinsäuren regulieren Prozesse in den Zellen und können krankhafte Veränderungen widerspiegeln. Katja Hanack, Professorin für Immuntechnologie an der Universität Potsdam, sieht in der Entdeckung der sogenannten „miR“ den Impuls für die Entwicklung eines routinetauglichen Diagnostiksystems. „Für die sichere Diagnose von Herzmuskel-Erkrankungen ist heutzutage immer noch ein invasiver Eingriff zur Entnahme von Herzmuskelzellen nötig. Durch die Bestimmung der im Blut zirkulierenden microRNA ist eine unkomplizierte Frühdiagnose möglich“, sagt Katja Hanack, und nennt die Früherkennung von Erkrankungen des Nervensystems sowie von Krebs.

Antikörper finden Biomarker

Die InnoProfile-Transfer-Initiativen „Immuntechnologie“ an der Universität Potsdam und „Bildbasierte Assays“ an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg liefern eine erfolgversprechende Basis auf dem Gebiet der Antikörperforschung. „Derzeit legen wir unser Augenmerk auf ein bestimmtes microRNA-Profil, das auf die Entstehung der viralen Herzentzündung hinweist. Wir entwickeln Verfahren, um die entsprechenden Biomarker im Blut mittels hergestellter Antikörper zu bestimmen. Daraus können dann die Antikörper für den klinischen Einsatz hergestellt werden“, erklärt Katja Hanack vereinfacht.

Aufnahme von Hybridomzellen

Die Aufnahme zeigt Hybridomzellen, also Zelllinien, die Antikörper produzieren.

Universität Potsdam

Ihr Potsdamer Forscherteam und die Kollegen von der BTU Cottbus-Senftenberg hatten die Wachstumskern-Potenzial-Initiative miRMAK initiiert, die vor einem Jahr mit insgesamt fünf Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft an den Start ging. Die „Entwicklung einer multiparametrischen Plattform zum Nachweis zirkulierender microRNAs für die routinetaugliche Diagnostik kardiovaskulärer Erkrankungen“ ist soweit vorangekommen, dass die Projektpartner kürzlich in ihrem Strategieworkshop begründeten Optimismus für die europa- und gar weltweite Vermarktung der neuen Diagnosesysteme ausstrahlten.

Völlig neue Geschäftsfelder

Das Institut Kardiale Diagnostik und Therapie GmbH (IKDT) aus Berlin ist ein führendes kardiologisches Diagnostiklabor. Als eines von weltweit wenigen bietet es Krankenhäusern und kardiologischen Zentren Herzmuskelbiopsien als Serviceleistung an. Innerhalb des miRMAK-Bündnisses erweitert das IKDT zum einen sein Portfolio und will zum anderen als Referenzlabor auftreten, um den neuen preiswerten und unkomplizierten Routinetest an die Zielgruppe zu bringen.

Modell des miRMAK-Diagnosesystems

So könnte das miRMAK-Diagnosesystem aussehen. 

Universität Potsdam

Auch die in.vent Diagnostica GmbH hat einen Erfahrungsgewinn und die Erweiterung ihres Geschäftsfeldes im Sinn. Das international agierende Unternehmen aus Hennigsdorf entwickelt und produziert In-vitro-Diagnostika. Es stellt das humane Biomaterial zur Herstellung des miRMAK-Diagnosesystems zur Verfügung und stellt Proben samt klinischer Dokumentation her, die miRMAK für die Zulassung des Diagnosesystems braucht.

Die GA Generic Assays GmbH aus Dahlewitz entwickelt und produziert für Labore weltweit Systeme zur automatisierten Erstellung von Differenzialdiagnosen etwa von Autoimmunerkrankungen. Unter Einsatz der neuen Biomarker entwickelt die GA Generic Assays Laborlösungen, die auf den Zukunftsfeldern der maßgeschneiderten Therapie und personalisierten Medizin variabel einsetzbar sind.

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