Besser analysieren – mehr erkennen

Lässt sich der Schreibstil eines Autors mit Hilfe einer Software zweifelsfrei verifizieren oder kann das Erkennungsprogramm ausgetrickst werden? Eine von vielen Fragen, denen „Big Data Analytics“ in Zeiten digitaler Datenfluten nachgeht.

Texterkennungsprogramme sind heutzutage nichts Besonderes mehr, schließlich hat jeder Schreiber einen charakteristischen Stil, der sich recht leicht ermitteln lässt. Aber inzwischen gibt es auch Software, mit der Texte so verändert werden können, dass der Stil und damit die Autorenschaft nicht mehr genau verifizierbar sind. Die Initiative Big Data Analytics aus Weimar hat einen internationalen Wettbewerb unter Programmierern ausgerichtet, um zu überprüfen, ob eine solche Maskierung erkannt wird. Das traurige Ergebnis: Texterkennungsprogramme sind extrem angreifbar. Sie können durch Maskierungen hinters Licht geführt werden und sind deshalb nicht hundertprozentig verlässlich. Das ist beispielsweise für die Forensik, die Textverifizierungsprogramme bei der Aufklärung von Kriminalfällen nutzt, eine schlechte Nachricht. Deshalb halten es die Big-Data-Spezialisten für äußerst wichtig, neue Erkennungsprogramme zu entwickeln, die robuster sind und von Maskierungsprogrammen nicht beeinflusst werden können.

Maskiert kommt auch so manche Werbung im Internet daher. Mit Nachrichten-Headlines ködern sie die Nutzer. Wer klickt, bekommt Werbung – Clickbait nennt sich dieses Phänomen. Die Weimarer wollen dagegen etwas unternehmen und haben eine Challenge mit Informatikern aus ganz Deutschland organisiert, die in Hamburg stattfand. Ihr gemeinsames Ziel: Köderwerbung im Netz verhindern.

Drei Personen stehen an einem  3D-Touch-Tisch und ein großer Screen ist im Hintergrund.

Ein 3D-Touch-Tisch und ein großer Screen sorgen für detailliertere Einblicke und einen besseren Überblick der Teamarbeit an dreidimensionalen Objekten.

PRpetuum GmbH

Zweidimensional war gestern

Jeder neue Hollywoodstreifen ist mittlerweile in 3D zu bewundern. Doch außerhalb der Kinos ist die dreidimensionale Technologie noch längst nicht angekommen. Die Weimarer Informatiker wollen dafür sorgen, dass sich das ändert. Zum Beispiel mit der Möglichkeit, dreidimensional zu skypen, sich in Lebensgröße gegenüberzustehen, sogar die Hand zu schütteln, zumindest virtuell. Ein spannender Ansatz in der globalisierten Arbeitswelt. Die Gesprächspartner können sich gemeinsam im Raum bewegen, Objekte demonstrieren und aus verschiedenen Winkeln betrachten. Das funktioniert mit drei Kameras und einem so genannten Tracking-System, das die Beteiligten auf ihrer 3D-Brille tragen. Dasselbe Prinzip nutzt auch Alexander Kulik, der in diesem Jahr für seine Dissertation den Hochschulpreis für Nachwuchswissenschaftler der Bauhaus Universität Weimar erhalten hat. Er geht sogar noch weiter und nutzt mehrere 3D-Displays. Größere Teams können so gleichzeitig verschiedene Bilder anschauen und sich die Arbeit aufteilen, parallel tätig werden. Neben einem großen Wand-Display nutzt Kulik einen 3D-Multitouch-Tisch – eine Art Riesen-Smartphone – auf dem die Nutzer mit den Fingern in dreidimensionale Bilder zoomen können. Auch für Navigationssysteme, an denen die Weimarer arbeiten, ist diese 3D-Technologie interessant.

Sicherer Bauen und klüger investieren

Dass selbst der härteste Beton mit der Zeit Risse bekommt, ist bekannt, insbesondere von Autobahnen und Brücken – eine reale Gefahr, insbesondere bei tragenden Bauteilen von Brücken oder Gebäuden. Um riskante Risse frühzeitig zu erkennen, werden bisher bildgebende Verfahren genutzt. Die können allerdings ungenau sein. Deshalb haben Informatiker von „Big Data Analytics“ ein neues, vielversprechendes Verfahren entwickelt. Aus einer Folge von Laserscans erstellen sie Algorithmen, mit denen der Zustand von Bauwerken oder Straßen genauer erkennbar ist.

Zwei Männer schütteln sich virtuell die Hände.

Global Skypen in 3D, lebensgroß und sogar mit virtuellem Händedruck – eine Entwicklung der Weimarer Big-Data-Spezialisten macht es möglich.

Big Data Analytics, Bauhaus Universität Weimar

Riskant sind auch Investitionen am Aktienmarkt. Doch wer die Entwicklung von vielen Aktien über einen größeren Zeitraum nachvollziehen kann, minimiert das Risiko. Die üblichen Kurvendiagramme sind für viele Aktienkurse ungeeignet, da sich die Kursverläufe gegenseitig verdecken. Big-Data-Experte Patrick Riehmann hat mit seinem Team eine interaktive Visualisierung entwickelt, die den Verlauf zahlreicher Aktien über einen längeren Zeitraum grafisch darstellt. Die umfangreichen Daten lassen sich auf großen, hoch aufgelösten Displays betrachten, Details durch Touch-Interaktionen filtern und vergrößern. So können bestimmte Zeitabschnitte und einzelne Aktienkurse genau analysiert werden. Mit solchen interaktiven Entwicklungen will das Weimarer Team dafür sorgen, große Datenmengen besser nutzbar zu machen.