Carbonbeton kommt!

Althergebrachten Stahl zur Verstärkung von Beton durch Carbon zu ersetzen, ist längst viel mehr als nur eine verrückte Idee. Über 300 Unternehmer und Wissenschaftler aus ganz Europa trafen sich jetzt in Dresden zu den 9. Textil- und Carbonbetontagen.

Das überaus erfolgreiche Zwanzig20-Konsortium "C³ – Carbon Concrete Composite" war einer der Organisatoren der zweitägigen Veranstaltung. Seit dem Start des deutschlandweit einzigartigen Projekts vor drei Jahren haben die Carbonbeton-Pioniere bereits diverse Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Zukunftspreis des Bundespräsidenten. Ihre Ideen sind in der Tat zukunftsweisend. Mit Carbonbeton können wertvolle Ressourcen geschont werden, da insgesamt weniger Betonmasse benötigt wird. Außerdem sind die Bauteile haltbarer, denn im Gegensatz zu Stahl kann Carbon nicht korrodieren. Um sicher zu sein, wie lange der neuartige Beton hält, wird er auf Beständigkeit und Tragfähigkeit untersucht. Das Materialverhalten wird unter Dauerbelastung kontrolliert, zunächst mit kleineren Bauteilen im Labor, später mit größeren in der Praxis. Bei den Tests spielen Spannung, Feuchtigkeit und Temperatur eine Rolle. Die Prüfverfahren sind für bauaufsichtliche Zulassungen von Carbonbeton notwendig, wie es sie beispielsweise für die Sanierung von Brücken schon gibt.

Aufnahme des großen Saals im Dresdner Hilton-Hotels mit den Teilnehmern

Prall gefüllt: Im großen Saal des Dresdner Hilton-Hotels erhielten über 300 Teilnehmer in mehr als 50 Vorträgen spannende Einblicke in die neuesten Carbon- und Textilbeton-Technologien.

Sven Hofmann

Automatisieren und wiederverwenden

Schritt für Schritt soll dem neuen Material in der Bauindustrie zum Durchbruch verholfen werden. Dafür ist Geduld und Geschlossenheit gefragt, wie es Professor Manfred Curbach, einer der Initiatoren und Sprecher des C³ e.V., formuliert. Marktrelevante Anwendungen von Carbonbeton gibt es bereits. Dazu gehören Fassadenplatten, Fertigwände oder Kassettendecken. Um im großen Stil zum Einsatz zu kommen, ist die automatisierte Herstellung der neuartigen Bauteile entscheidend. Dazu werden bei C³ verschiedene Verfahren getestet. Außerdem untersuchen die Wissenschaftler mit ihren Unternehmenspartnern, wie Carbonbewehrungen am besten beschichtet und im Beton fixiert werden.

Schon jetzt wird auch an die Zeit nach der Nutzung der Carbonbetonbauwerke gedacht und Methoden zur Trennung der Carbonfasern vom Beton entwickelt, um sie wiederverwenden zu können. Wie erste Tests gezeigt haben, lässt sich Carbonbeton, im Gegensatz zu Stahlbeton, gut recyceln.

Bagger zerstört Bauteil aus Carbonbeton.

Abriss possible: Im Gegensatz zu Stahlbeton lässt sich Carbonbeton leichter abreißen und besser recyceln, wie erste Tests gezeigt haben.

TU Dresden

Anschauen und anfassen

Die Ergebnisse der umfangreichen C³-Projekte werden spätestens 2020 live zu erleben sein. Dann soll das weltweit erste funktionsfähige Carbonbeton-Haus mit dem Namen „CUBE“ in Dresden stehen. Das Grundstück dafür ist bereits gefunden, gleich in der Nähe des Uni-Campus. Nun laufen die Planungen für das Ergebnishaus auf Hochtouren. „CUBE“ soll zeigen, dass Carbonbeton alltags- und massentauglich ist und eine lange Lebensdauer hat. In dem 200-Quadratmeter-Haus werden auf zwei Etagen Räume für Versuche und Ergebnispräsentationen geschaffen. Die in Carbonbeton gegossenen Erkenntnisse von „CUBE“ sollen der Anfang sein für eine neue Ära des Bauens.