Champions League statt Kreisklasse

Vor 25 Jahren wurde das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena gegründet. Inzwischen spielt es international in der obersten Liga der Optik- und Photonikforschung.

Mit 60 Mitarbeitern und knapp drei Millionen D-Mark fing 1992 alles an. Damals war das IOF noch in einem Altbau in der Jenaer Innenstadt untergebracht. Inzwischen steht es am Beutenberg Campus neben Instituten der Friedrich-Schiller-Universität, der Max-Planck-Gesellschaft und der Leibniz-Gemeinschaft. Geballte Forschungskraft auf engstem Raum, das ist typisch für Jena. Nirgendwo in Deutschland ist die Wissenschaftlerdichte so hoch wie in dieser Stadt. Daran hat auch das Fraunhofer IOF großen Anteil, wie Thüringens Ministerpräsident Ramelow in seiner Jubiläumsrede betonte. Er sieht das Institut als einen Nukleus, der die Entwicklung Jenas maßgeblich vorangetrieben hat.

Photonen statt Elektronen

Aufnahme von Institutsleiter Andreas Tünnermann und Werner Bornkessel, Direktor der STIFT

Institutsleiter Andreas Tünnermann (rechts) und Werner Bornkessel, Direktor der STIFT, beim symbolischen Start des neuen Fasertechnologiezentrums.

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Für die wissenschaftliche Entfaltung des IOF waren und sind das Zentrum für Innovationskompetenz „ultra optics“ und das Zwanzig20-Konsortium „3Dsensation“ von großer Bedeutung, wie Institutsdirektor Andreas Tünnermann hervorhob. Nach einer internen Auswertung hat das IOF heute die größte wissenschaftliche Exzellenz aller Institute der Fraunhofer-Gesellschaft. Das zeigt auch das so genannte ERC Advanced Grant, ein Forschungsstipendium des Europäischen Forschungsrates für herausragende Leistungen, das Tünnermann 2015 erhalten hat. Und auch in der Anwendungsforschung ist das Institut weit vorne. „Beschichtete Brillengläser oder Head-up-Displays in Autos gäbe es ohne die Forschung am IOF nicht“, sagt Michael Mertin, Kuratoriumsvorsitzender des Instituts. „Jeder Satellit im All enthält mindestens eine Komponente, die hier in Jena entwickelt wurde.“ Neben der Optik spielt auch die Photonik am IOF eine große Rolle. Künftig könnten Photonen Elektronen ersetzen und für die Entwicklung künstlicher Intelligenz oder die Heilung schwerer Krankheiten nutzbar gemacht werden. Der Thüringer Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee misst Jena dabei große Bedeutung bei. Die Stadt entwickle sich zum „National Photonics Valley“, wie er auf der Jubiläumsveranstaltung sagte.

Optische Fasern für Zukunftstechnologien

Ein großer Schritt in diese Richtung ist das neue Fasertechnologiezentrum am IOF, das anlässlich des Institutjubiläums eröffnet wurde. Ermöglicht wurde der Bau auch durch die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), die 13 Millionen Euro investierte. Neben Speziallaboren für die Fertigung von optischen Fasern steht dort einer der leistungsfähigsten Faserziehtürme der Welt. Hier sollen Fasern für die nächste Generation von Hochleistungslasern hergestellt werden, die unter anderem in Werkzeugmaschinen zum Einsatz kommen. „Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Freistaates Thüringen und der Fraunhofer-Gesellschaft konnten wir Jena in den vergangenen Jahren zu einem der weltweit führenden Standorte für optische Fasern machen“, sagt Institutsleiter Tünnermann. „Das heute eröffnete Technologiezentrum mit seiner einzigartigen Infrastruktur wird uns dabei helfen, noch besser zu werden.“ Das IOF wird also auch in Zukunft in der Champions League spielen, wenn nicht sogar an der Weltspitze.

Nahaufnahme einer optischen Faser für Hochleistungsfaserlaser

Solche optischen Fasern sollen im neuen Fasertechnologiezentrum des IOF hergestellt werden. Sie können für Hochleistungsfaserlaser genutzt werden.

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