Das Konzept

„Innovation und Strukturwandel“ ist das neue innovationspolitische Förderkonzept des Bundesforschungsministeriums für regionalen Strukturwandel in ganz Deutschland.

I. Herausforderungen in Ost- und Westdeutschland im Strukturwandel

Innovationskraft und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sind in Deutschland regional stark unterschiedlich ausgeprägt, zwischen Ost und West aber auch innerhalb von Ost- und Westdeutschland. Bund und Länder haben gewaltige Anstrengungen unternommen und den ostdeutschen Regionen seit 1990 wie auch den strukturschwachen ländlichen und altindustriellen Regionen in Westdeutschland neue Perspektiven im Strukturwandel eröffnet. Damit wurden Arbeitsplätze gesichert und geschaffen, innovative junge Unternehmen gegründet und Wissenschaft und Forschung im öffentlichen Bereich gestärkt.

Damit die regionalen Disparitäten weiter verringert werden können, muss dieser Prozess weitergehen. Angesichts neuer Herausforderungen benötigt er neue Impulse, um den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt zu sichern. Dabei überlagern sich in den strukturschwachen Regionen die Herausforderungen bei der Stärkung der regionalen Wirtschafts- und Innovationskraft mit anderen Entwicklungen wie dem demografischen Wandel und der digitalen Transformation.

Um langfristige Perspektiven für eine dynamischere Entwicklung strukturschwacher Regionen zu schaffen, hat die Bundesregierung Eckpunkte für ein integriertes Förderkonzept beschlossen. Eine forschungs- und innovationsorientierte Förderpolitik ist im Rahmen dieser Eckpunkte ein zentraler Baustein. Denn die wirtschaftliche Dynamik lässt sich nur erhöhen, wenn neben die klassische Investitionspolitik zum Ausgleich struktureller Defizite eine systematische Stärkung der regionalen Innovationspotenziale tritt.

In den letzten 15 Jahren hat das BMBF mit der Innovationsinitiative „Unternehmen Region“ fast 2 Mrd. Euro in die spezifische Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation in Ostdeutschland investiert. In Ergänzung zu den bundesweit angebotenen Fachprogrammen hat diese Förderung entscheidend dazu beigetragen, dass in vielen Regionen und insbesondere den Regionen mit Hochschulstandorten bereits überdurchschnittliche positive Innovations-, Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte erzielt werden.

Diesen erfolgreichen Ansatz entwickeln wir mit einem neuen Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ weiter. „WIR!“ ist ein Pilotprogramm einer neuen Förderinitiative „Innovation und Strukturwandel“, welche wir in den kommenden Jahren in ganz Deutschland umsetzen wollen.

II. „WIR! – Wandel durch Innovationen in der Region“

Mit dem neuen Programm „WIR! – Wandel durch Innovationen in der Region“ verleiht das BMBF der Innovationsdynamik in strukturschwachen Regionen neue Impulse. Damit wollen wir insbesondere auch die Regionen jenseits der schon bestehenden Innovationszentren erreichen. Um auch die dort vorhandenen Innovationspotenziale zu stärken, erweitern wir daher unser bewährtes Förderkonzept. Gefördert wird die Entwicklung regionaler Innovationskonzepte. Dabei werden wir interdisziplinäre Branchen-, Institutionen- und Verwaltungsgrenzen überschreitende sowie auch das bürgerschaftliche Engagement einbeziehende Bündnisse unterstützen. Auch innovationsunerfahrene Akteure sollen gezielt eingebunden werden. Neben technologischen Innovationen öffnet sich das Programm damit auch für soziale und nichttechnische Innovationen.

Im Anschluss an die Förderung einer intensiven Phase der Strategiearbeit werden bis zu zwölf Initiativen pro Auswahlrunde bei der modularen Umsetzung ihrer Innovationskonzepte in Form förderfähiger Projekte unterstützt. Die Förderung adressiert FuE-Einzel- und Verbundvorhaben, Innovationsdienstleistungen und -infrastrukturen, Weiterbildung sowie die Förderung junger Unternehmen. Durch den offenen Förderansatz können Themen, die von besonderer Bedeutung für strukturschwache Regionen sind, mit einem systemischen Ansatz umfassend bearbeitet werden. Schwerpunktthemen können z.B. hochwertige medizinische Versorgung in schrumpfenden Räumen, Energiewende und Ressourceneffizienz, Vernetzung von Produktionsprozessen, Ernährung und Landwirtschaft, Strukturwandel in Bergbauregionen, Attraktivität ländlicher Räume als Wohn- und Arbeitsort sein.

Das neue Programm „WIR!“ startet vor dem Hintergrund des noch bis 2019 laufenden Solidarpakts II zunächst in Ostdeutschland, eine erste Förderrunde soll bereits 2017 beginnen.

III. Ein neues deutschlandweites Förderkonzept „Innovation und Strukturwandel“

Angesichts der gesamtwirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Zukunftsaufgaben, die strukturschwache Regionen in Ost- und Westdeutschland gleichermaßen vor besondere Herausforderungen stellen, muss zukünftig eine deutschlandweite Perspektive für die Förderung des Strukturwandels in strukturschwachen Regionen eingenommen werden.

Das BMBF wird sich daher auch über den Zeitraum des Solidarpakts II hinaus mit spezifischen Ansätzen zur Stärkung von regionalen Innovationspotenzialen an der Förderung des Strukturwandels in strukturschwachen Regionen beteiligen. Dies wird künftig im Rahmen des neuen Förderkonzepts „Innovation und Strukturwandel“ erfolgen. Dabei werden spätestens nach dem Auslaufen des Solidarpaktes II, ab 2020, auch strukturschwachen Regionen in den westdeutschen Ländern einbezogen.

Die Förderung setzt bei den vorhandenen regionalen Potenzialen an und schafft eine neue Dynamik zur Entwicklung wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Kompetenzen für einen innovationsorientierten Strukturwandel. So können zukunftsfähige Innovationsfelder mit Alleinstellungsmerkmalen und nationaler sowie internationaler Sichtbarkeit entwickelt und gestärkt werden.

Sie richtet sich bundesweit an Regionen, die gemessen an ihrer Wirtschaftskraft und Arbeitsmarktlage vergleichsweise strukturschwach sind. Eine Orientierung dafür sind die sogenannten C-Fördergebiete im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW). Bis zum Auslaufen des Solidarpakts II Ende 2019 trägt die Initiative der besonderen Situation ostdeutscher Regionen Rechnung.

Das neue deutschlandweite Förderkonzept des BMBF ist mittelfristig angelegt. Es wird durch eine Reihe neuer, sich ergänzender Förderprogramme umgesetzt und baut auf positiv evaluierten Förderansätzen von Unternehmen Regionen sowie der Initiative „WIR!“ auf. Mit einer grundsätzlich themen- und technologieoffenen Innovationsförderung setzt die BMBF-Initiative „Innovation und Strukturwandel“ notwendige Impulse für die Eröffnung neuer Pfade in den Regionen:

  • Wir unterstützen den Ausbau der Innovationskompetenz an den regionalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in für den regionalen Strukturwandel besonders wichtigen Feldern, z.B. durch die Förderung strategisch ausgerichteter (internationaler) Nachwuchsgruppen oder regionale Transferverbünde mit KMU. Wir stärken die Rolle der Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Innovationstreiber in den Regionen.
  • Wir fördern strategische Kooperationen von insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die gemeinsam branchen- und anwendungsfeldübergreifend Innovationen in zukunftsfähigen Feldern entwickeln, damit neue Märkte erschließen und zum Wandel des regionalen Profils beitragen. So können Innovationsimpulse weit über den regionalen Kontext hinaus entstehen.
  • Durch die Schaffung von attraktiven Forschungsstellen und einen auch personenbezogenen engen Austausch zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, z.B. in Form KMU-orientierter Nachwuchsgruppen, leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Gewinnung dringend benötigter hochqualifizierter Nachwuchskräfte für Wissenschaft und Wirtschaft in der Region.
  • Neue Entwicklungsrichtungen brauchen Freiraum für Kreativität und das Engagement vieler verschiedener Akteure. Wir schaffen niedrigschwellige Angebote für die gemeinsame Entwicklung und Erprobung von Innovationsideen, z.B. in Ideenforen oder Innovationslaboren, unterstützen die Gründung von Unternehmen sowie die Vernetzung von Start-ups in der Region. Um auch gesellschaftliche Gruppen zu erreichen, die bislang nicht im Fokus der traditionellen FuEuI-Politik standen, beziehen wir bei unserer Förderung zudem soziale, organisatorische und nichttechnische Innovationen explizit ein.

Mit diesem Ansatz leistet das BMBF einen zentralen Beitrag zu einem umfassenden ressortübergreifenden Konzept des Bundes zur Förderung strukturschwacher Regionen. Damit werden die Innovationsbasis vor allem im Mittelstand verbreitert, neue Innovationspfade gebahnt und so der vielfach beschriebenen immer engeren technologischen Spezialisierung entgegengewirkt. „Innovation und Strukturwandel“ eröffnet ganz Deutschland große Chancen.