Das textile Internet der Dinge

Aus den Forschungslaboren auf den Markt ist es oft ein schwieriger Schritt. Das futureTEX-Bündnis will sichergehen, dass er gelingt und hat das Pilotprojekt „Inkubator für technische Textilien“ gestartet.

Leiterplatten, gedruckt auf Stoff aus nachwachsenden Rohstoffen, gehen von Hand zu Hand. Der Stoff lässt sich dehnen, knautschen, sogar waschen ... Mehr noch: Er ist äußerst „kontaktfreudig“ zu Sensoren, die Daten überwachen und erfassen, etwa über Vitalfunktionen des Organismus im Sporttraining oder in der Reha. Das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin hat mit Partnern aus der Wirtschaft dieses futureTEX-Teilprojekt im Bereich der „Smart Textiles“ erfolgreich beendet.

Ebenso lassen das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS in Chemnitz und seine Industriepartner auf wegweisende Behandlungsmethoden hoffen. Ein intelligentes Pflaster kann dosiert einen Wirkstoff in die Haut abgeben oder informiert über den Verlauf einer Wundheilung, ohne dass der Verband gewechselt wird. Die in das Textil integrierte Sensorik wird durch eine aufgedruckte Batterie betrieben.

Erik Heilmann von der Handelshochschule sowie Philip Eder und Dr. Aras Erkin vom Innovationsunternehmen HYVE (v.l.) leiten den futureTEX-Inkubator.

Erik Heilmann von der Handelshochschule sowie Philip Eder und Dr. Aras Erkin vom Innovationsunternehmen HYVE (v.l.) leiten den futureTEX-Inkubator. 

PRpetuum GmbH

Am Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland TITV wird textile Elektronik entwickelt. Die Partner des Teilprojekts „Textronic“ ließen sich für das „textile Internet der Dinge“ von einem Fahrradkurier aus Berlin inspirieren. Der sensorische Stoff soll zum Auskleiden von Transportbehältnissen dienen, den Zustand der Waren überwachen und die Informationen an ein Smartphone schicken.

futureTEX als Marke kreieren

„Die kleinen und mittelständischen Unternehmen unserer Traditionsbranche tun sich oft noch schwer beim Hineinfühlen in fremde Branchen“, sagt Andreas Berthel, kaufmännischer Geschäftsführer des Sächsischen Textilforschungsinstitutes (STFI) in Chemnitz. Er ist einer der geistigen Väter von futureTEX und leitet das Konsortium. Es will die ostdeutsche Textilindustrie modernisieren und wettbewerbsfähig machen – und wird dabei durch das Bundesforschungsministerium im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ gefördert. In futureTEX sind über 300 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft vernetzt, um innovative Technologien zu entwickeln, mit denen moderne Textilprodukte hergestellt werden, die auf ganz neuen Anwendungsfeldern zum Einsatz kommen. Kürzlich hatte das STFI zum futureTEX-Symposium „Smart Textiles – Stoffe werden intelligent“ eingeladen.

Im Workshop ging es um Anwendungsszenarien für elektronische Textilien.

Im Workshop ging es um Anwendungsszenarien für elektronische Textilien.

PRpetuum GmbH

futureTEX als Marke bekannt zu machen, ist ein strategisches Nah-Ziel des Konsortiums. Das wird am besten durch erfolgreiche Markteinführung innovativer Produkte erreicht. Vor allem den smarten Textilien erschließen sich ganz neue, teils noch unbekannte Anwendungsfelder. Den Sprung von der Forschung in die Praxis zu schaffen, die Zugänge zu den neuen Märkten zu finden, ist eine große Herausforderung für das Bündnis. Wegbegleitend soll der neue „futureTEX-Inkubator für technische Textilien und disruptive Produkte“ sein. Das Teilprojekt ist innerhalb der Zwanzig20-Förderung ein Pilotprojekt und ging im Mai dieses Jahres an den Start. Im „Brutkasten“ entstehen beste Bedingungen für Wachstum.

Um die Ecke denken

Partner sind das Innovationsunternehmen HYVE aus München und die Handelshochschule Leipzig. Unter Anleitung kompetenter Fachleute sollen futureTEX-Produkte zur Marktreife geführt, Geschäftsmodelle entwickelt werden.

 „Um die Ecke gedacht“ könnte das elektronische Pflaster auch zur Pflanzenversorgung in der Agrarwirtschaft eingesetzt werden; die flexible Leiterplatte zur Überwachung von Brückenbauten. Der mit dem Internet kommunizierende Stoff könnte als Verpackungsmaterial für den online-Handel, der zunehmend auch verderbliche Waren vertreibt, Verwendung finden.

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