Der Immuno-Stick

Die preclinics GmbH in Potsdam gehört zu den Stiftern der Professur für „Immuntechnologie“ an der Uni Potsdam. Diese Investition in Forschung und Entwicklung mache sich jetzt bezahlt, sagt Unternehmens-Chef Jonas Füner.

Das großformatige Foto mit Lamas drauf ist der Hingucker im Büro des preclinics-Chefs Jonas Füner. Die Lamas gehören ihm und spielen eine große Rolle bei der Profilierung des Potsdamer Unternehmens, das seine Leistungen und Produkte in den Dienst der präklinischen Forschung stellt. „Wir bringen unsere Kompetenzen in die Frühphase der Wirksamkeitsprüfungen von Therapeutika, Impfstoffen, Antikörpern und Stammzellen ein und entwickeln dafür entsprechende Technologien“, sagt Jonas Füner und kommt konkret auf die Antikörperherstellung zu sprechen. Weil Wissenschaftler 1992 die sensationelle Entdeckung machten, dass Kamele und Lamas zwei verschiedene Typen von Antikörpern besitzen, sind die Höckertiere auch für die von ihm gegründete „Gesellschaft für präklinische Forschung“, kurz preclinics, interessant. Zum Hintergrund: Herkömmliche Antikörper haben die Form eines Ypsilons mit zwei schweren und zwei leichten Ketten. Mit beiden Armen binden sie sich an den Fremdkörper, das Antigen. Kamele und Lamas besitzen zusätzliche Antikörper, die nur einen Arm mit einer schweren Kette besitzen und damit in tiefere Schichten vordringen können. Testsysteme und Therapeutika auf Basis solcher Antikörper würden noch zuverlässiger funktionieren.

Lamaherde

70 Lamas umfasst die Herde der preclinics GmbH.

preclinics GmbH

Profitable Forschung

Dass die Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit Antikörpern von Kamelen gerade in Potsdam so richtig Fahrt aufnahm, hängt auch mit eben diesem Forschungsfeld von Katja Hanack vom Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam zusammen. Sie erinnert sich an das eher zufällige Gespräch mit Jonas Füner. Daraus entwickelte sich eine vom Bundesforschungsministerium geförderte InnoProfile-Initiative mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft: „Camelide Antikörper“ ging 2009 an den Start.

Seit 2015 hat Katja Hanack die Stiftungsprofessur für „Immuntechnologie“ inne, und preclinics ist eines der acht Unternehmen, die diese Professur fördern. „Es tritt ein, was wir uns aus dieser Investition erhofften. Die Immunisierung entwickelt sich zu einem profitablen Geschäftsfeld “, sagt Jonas Füner. Sein Unternehmen ist auf 20 Mitarbeiter angewachsen, und die Lamaherde umfasst mittlerweile über 70 Tiere. Die Tiere auf der Weide produzieren nach ihrer Immunisierung sehr effektiv und innerhalb kurzer Zeit Antikörper, die dann zur Herstellung von Diagnostika und Therapeutika verwendet werden. „Aus unternehmerischer Sicht beginnt jetzt eine interessante Zeit“, sagt er. Neue Technologien seien jetzt so weit entwickelt, dass sie den Industriekunden aus Diagnostik und Therapie auch neue Märkte erschließen.

Jonas Füner und Katja Hanack

Preclinics-Chef Jonas Füner (r.) ist einer der Stifter von Katja Hanacks (l.) Professur für Immuntechnologie.

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Stimulierung der Fresszellen

Jonas Füner nennt einen Impfstoff gegen Ebola als Beispiel und erklärt die Funktionsweise des neu entwickelten Immunvermittlers „ImmunoJunction“. In diesem Falle mache man sich zu Nutze, dass die meisten Menschen auf der Welt gegen Tetanus geimpft sind und sich entsprechende Antikörper in ihrem Blut befinden. Ein Antikörper-Fusionsprotein wird wie ein Stecker benutzt und trägt auf der einen Seite Teile eines Tetanus-Antigens. Daran binden die im Serum befindlichen Tetanus-Antikörper. An der anderen Seite befindet sich ein camelider Antikörper einer anderen Spezifität, zum Beisipel gegen Ebola. Dadurch werden die Fresszellen des Immunsystems spezifisch stimuliert. Die Methode ließe sich bei Bakterien, Viren und Tumorzellen anwenden, sagt Füner. Allerdings müsste deren Wirkung in Krankheitsmodellen geprüft werden, bevor entsprechende Medikamente auf den Markt kommen. Das wäre die Basis für ein neues Projekt etwa gemeinsam mit dem Helmholzzentrum für Infektionsforschung – so die weiterführenden Gedanken von Katja Hanack und Jonas Füner.

Grafische Darstellung des ImmunoJunction

Eine innovative Entwicklung von preclinics ist der ImmunoJunction.

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