Der INKA-Inkubator

Ingenieure und Mediziner finden gemeinsam Ideen, probieren sie aus, entwickeln und testen Prototypen im Innovationslabor – die Magdeburger INKAs beschreiten neue Wege zur Entwicklung technologischer Innovationen für bildgestützte Therapien.

Zu den Klingelschildern am ZENIT, dem Zentrum für Neurowissenschaftliche Innovation und Technologie, ist ein neues hinzugekommen. Hinter dem Namen InnoLab IGT (Image Guided Therapy) verbirgt sich ein Innovations- und Start-up-Labor, das der Lehrstuhl für Kathetertechnologien und bildgesteuerte Therapie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg vorantreibt. Es ist direkt auf dem Campus des Universitätsklinikums angesiedelt. Mediziner und Ingenieure arbeiten sowohl gedanklich als auch räumlich eng zusammen. Initiator ist Michael Friebe. Der promovierte Experte für Kernspintomographie und Bildgebung hat seit 2014 am Institut für Medizintechnik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg eine Stiftungsprofessur inne. Diese wird im Rahmen der InnoProfile-Transfer-Initiative „Intelligente Katheter – Kathetertechnologien“ INKA vom Bundesforschungsministerium und von Vertretern der regionalen Wirtschaft gefördert. Damit verbunden ist der Auftrag, praxisnah und anwendungsorientiert zu forschen. „Ich schicke beispielsweise meine Studenten zur Hospitation in die OP-Säle. Aus ihrer unvoreingenommenen Sichtweise heraus schreiben sie im Anschluss auf, was ihnen an Verbesserungswürdigem aufgefallen ist“, sagt Friebe und blättert in einem Buchband. Darin sind diese Ideen eingebunden. Viele seien lohnenswert, sie in Absprache mit den Medizinern weiter zu verfolgen, sagt Friebe.

Aufnahme des InnoLab IGT

Das InnoLab IGT ist Innovationsbüro, Prototypenwerkstatt und Simulations-OP in einem.

PRpetuum GmbH

Firmengründungen vorantreiben

Was sich Kreative etlicher Branchen längst eingerichtet haben – Werkstätten, in denen Ideen geboren, Bedarfe ermittelt und Prototypen gebaut werden – steckt auf dem medizinischen Anwendungsgebiet noch in den Anfängen. Das Interesse aber ist groß, sowohl bei den Forschern, bei den klinischen Anwendern und nicht zuletzt bei den industriellen Herstellern. Für alle soll die INKA-Ideenwerkstatt eine Begegnungsstätte werden. Holger Fritzsche ist Teil des INKA-Projektteams und hat das InnoLab federführend mit aufgebaut. Der Master of Science in Medizintechnik kümmert sich jetzt neben seiner Promotion um die Organisation des Inkubators für bildgestützte Therapien und ist in entsprechenden Netzwerken aktiv.

Ein erstes Start-up wird bereits vom InnoLab begleitet. Fritzsche demonstriert einen 3D-gedruckten beweglichen Halterungsarm, mit dessen Hilfe eine Biopsienadel etwa im beengten Raum der MRT-Röhre exakt platziert werden kann. Zwei ehemalige Masterstudenten wollen sich mit dieser Erfindung selbständig machen. Klar, auch er selber würde eine Firma gründen, wenn er die super Idee dafür hätte, sagt Holger Fritzsche. Der junge Magdeburger betont, dass er gern in seiner Heimat Sachsen-Anhalt bleiben und dazu beitragen möchte, akademische Unternehmensgründungen anzuregen. Er spricht von Attraktivitätssteigerung und Ausstrahlung für das Land, das die Medizintechnik als einen seiner Leitmärkte stärkt.

Professor Michael Friebe und Wissenschaftler Holger Fritzsche demonstrieren zwei INKA-Erfindungen.

Professor Michael Friebe (links) und Wissenschaftler Holger Fritzsche demonstrieren zwei INKA-Erfindungen: ein kleines mobiles CT-Gerät und einen voll MRT-tauglichen Haltearm für klinische Therapiewerkzeuge.

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Ideen und Menschen verbinden

„Wir wollen Ideen und Menschen miteinander verknüpfen“, sagt INKA-Professor Friebe und fügt hinzu, dass das InnoLab IGT bei der Bedarfsanalyse für Gründungsideen hilft. Im weiteren Verlauf können die beteiligten Akteure hier im Prototypenlabor ihre Modelle bauen und diese im Simulations-OP in Interaktion mit verschiedensten medizinischen Robotern testen. Friebe spricht von den drei „I“ für die ungedeckten klinischen Bedarfe: Identifikation, Invention und Implementierung. Bei der Umsetzung des dritten “I“, so Friebe, helfe unter anderem der weltweit agierende InnoLab IGT-Industriebeirat, in dem Global Player wie Olympus Surgical Technologies Europe (Olympus Winter & Ibe GmbH), die Brainlab AG, die Surgiceye GmbH, die piur imaging GmbH wie auch die lokale Primed GmbH vertreten sind.

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