Der Recycling-Leuchtturm

HighTech braucht Metalle, die nicht in heimischen Gefilden zu finden sind - die Rohstoffsicherung ist ein großes Thema. Die Harzregion im Umfeld der Hochschule Nordhausen entwickelt sich zum Leuchtturm in der Recycling-Wertstoffwende.

„Nein, Plastikbecher müssen nicht ausgespült werden, bevor sie im gelben Sack landen. Das wäre kontraproduktiv, was die Ökobilanz betrifft“, sagt Christian Borowski von der Hochschule Nordhausen. Er kennt sich aus mit derlei Alltagsfragen, die Otto-Normalverbraucher so haben. Der Ingenieur für regenerative Energietechnik schreibt seine Doktorarbeit über Probenahmen aus Ballen, die aus dem Inhalt vom gelben Sack gepresst werden. Vor der Weiterverarbeitung werden diese Ballen auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. „Was bislang per Hand gemacht wird, soll automatisiert werden“, sagt der Ingenieur. Großes Staunen beim Laien. Ist ja interessant. Der junge Wissenschaftler nickt. Wegen dieser Studienrichtung sei er von Hessen an die Hochschule Nordhausen gegangen. Seit 2009 arbeitet er hier in der Forschungsgruppe „Umwelt- und Recyclingtechnik“. Und er forscht im Team des vom Bundesforschungsministerium geförderten Zwanzig20-Forums „Recycling 2.0 – die Wertstoffwende“.

Wertstoffwende im Denken

Die Wertstoffwende war auch Motto des diesjährigen Sekundärrohstoff-Workshops an der Hochschule Nordhausen. „Recycling“ ist eines ihrer Schwerpunktthemen und bringt die Entwicklung des Harzes zur Kompetenzregion auf diesem Gebiet voran.

Bild alter, kaputter Handy-Geräte

Gold und Silber, aber auch viele seltene Metalle stecken in Smartphones – nicht verwendete und defekte Handys sollten deshalb recycelt werden. 

istock/coffekai

Da müssten nicht nur technologische Hürden genommen werden, sagt Jürgen Poerschke, Leiter der Forschungsgruppe „Umwelt- und Recyclingtechnik“. Er denkt an die Rahmenbedingungen, die von den Kommunen geschaffen werden und nicht zuletzt an die Bereitwilligkeit der Bevölkerung, sich mit dem Themen „Recycling“ und „Wertstoffwende“ auseinanderzusetzen. Denn besonders die Zukunftsfelder wie Informations- und Kommunikationstechnologien, Energie- und Umwelttechnologien und Mobilität basierten auf einer Materialvielfalt, die durch heimische Rohstoffvorkommen nicht abzudecken sei. Zu einem großen Teil ist Deutschland von Importen abhängig. „Darum gehören Recycling und Wertstoffwende zusammen, wenn es um wirtschaftliches Handeln, um Ressourceneffizienz geht und um globale Fragen, die sich beispielweise mit Umwelt- und Sozialstandards beschäftigen“, sagt Professor Poerschke.

Praxistests im Harz

„Aus diesen Gründen bedeutet Wertstoffwende, den Verbrauch primärer Rohstoffe zu senken und zunehmend Sekundärrohstoffe zu nutzen“, sagt Wissenschaftler Poerschke. Um ein wirkungsvolles Nachhaltigkeitsmanagement mit größtmöglichen Rückgewinnungsquoten geht es bei „Recycling 2.0“, einem Forum innerhalb des Zwanzig20-Förderprogramms des Bundesforschungsministeriums „Partnerschaft für Innovation“. Zu den über 20 Partnern gehören die Technische Universität Clausthal, das Recyclingcluster REWIMET in Südniedersachen, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Hochschule Magdeburg-Stendal sowie einschlägige Firmen und Forschungseinrichtungen.

Sie folgen in ihren Teilprojekten dem natürlichen Stofffluss der Abfälle vom Konsumenten über Aufbereitung und Herauslösung der einzelnen Sekundärrohstoffe bis zur Verwertung und Rückführung in die produzierende Industrie.

Der Harz steht mittlerweile als Leuchtturm da, u.a. was das Recycling von Elektroschrott betrifft. Beispielsweise beschäftigt sich ein Team um Christian Borowski mit Wegen, die Rückführung von Elektroabfällen aus Haushalten zu optimieren. „Die Ergebnisse sind Handlungsempfehlungen für Kommunen“, sagt Christian Borowski und erwähnt die konstruktive Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis Nordhausen sowie den Nordthüringer Werkstätten. Vor allem mit deren Hilfe wurden die Rahmenbedingungen für Feldversuche zu verschiedenen Strategien der Rückführung von Elektroschrott geschaffen. Nur mit solchen Partnern könne in der Praxis getestet werden, wie die Wertstoffwende funktioniert, betont Borowski.

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