Die fangen einfach schon mal an...

Während andere über die Zukunft der Braunkohleregionen diskutieren, legt ein Forschungsbündnis rund um Senftenberg bereits los. PRAEMED.BIO will Krebs mit neuen Diagnose-Methoden bekämpfen und zugleich den Strukturwandel in der Lausitz vorantreiben.

Peter Schierack und Dirk Roggenbuck im Labor

Peter Schierack (2.v.l.) und Dirk Roggenbuck (rechts) – hier mit Kollegen im Labor – leiten den Wachstumskern PRAEMED.BIO.

PRpetuum GmbH

Rund zwanzig Jahre haben die deutschen Braunkohleregionen Zeit, um den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten. So ist zumindest der Zeitplan der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung – kurz: Kohlekommission. „Da warten die einen auf Gelder, die anderen fangen einfach schon mal an“, sagt Christiane Hipp, amtierende Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), und meint konkret die Akteure von PRAEMED.BIO. „Präzisionsmedizin durch biomarkerbasierte Diagnostik“ heißt der vom Bundesforschungsministerium geförderte Wachstumskern, der sich die Bekämpfung verschiedener Tumorerkrankungen auf die Fahnen geschrieben hat.

Nicht von ungefähr hatte das Bündnis zu seiner Auftaktveranstaltung an den BTU-Standort in Senftenberg eingeladen. Das auf dem Campus angesiedelte Innovationszentrum, das die Stadt Senftenberg und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz gemeinsam tragen, wird das geografische Zentrum von PRAEMED.BIO. Vor vier Jahren wurde das forschungsnahe Innovationszentrum eröffnet, seitdem profitiert die Lausitz-Region vom Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Braunkohleregion Lausitz

Die Lausitz – hier bei Cottbus – sucht nach Ideen für die Zeit nach dem Ende der Braunkohleförderung.

BMBF/Innovation & Strukturwandel/Thilo Schoch

Tumorzellen zum Leuchten bringen

Nicht erst seit ihrem Antrag für die Wachstumskerne-Förderung malen die Visionäre an einem Lausitz-Bild der Zukunft – mit akzeptablen und realistischen Alternativen zu den Förderhalden und Kohlebaggern. „Wir wollen so viel Gesundheit wie möglich in die Region holen“, sagt Peter Schierack, Professor für Multiparameterdiagnostik am Uni-Standort Senftenberg. Einer seiner langjährigen und erfolgreichen Partner aus der Wirtschaft ist Dirk Roggenbuck, der medizinische Diagnostikprodukte entwickelt und weltweit vertreibt. Der Unternehmer ist zugleich Honorarprofessor an der BTU. Im Doppel steuern Schierack und Roggenbuck die Allianz aus neun Unternehmen und drei wissenschaftlichen Einrichtungen.

Das Konsortium hat sowohl die körperliche Gesundheit der Bevölkerung als auch die wirtschaftliche Gesundheit der Region im Blick. Das digitale Zeitalter bringe da ungeheure Chancen mit sich, meint Roggenbuck im Hinblick auf das Kernziel des Vorhabens – die Entwicklung diagnostischer Methoden auf der Basis digitaler Fluoreszenz. Vereinfacht erklärt: In einem modularen und vollautomatischen Analysesystem, dem PRAEMED.BIO-Scan, werden Tumorzellen mit Licht bestimmter Wellenlängen zum Leuchten angeregt. Jedes fluoreszierende Molekül in den zu untersuchenden Proben wird als eine Lichtquelle digital erfasst, gemessen, analysiert und ausgewertet. So lassen sich tumorspezifische Biomarker vollautomatisch identifizieren und treffend charakterisieren. Auf der Basis solcher patientenspezifischer Werte könnte künftig eine individuell angepasste Diagnostik zu optimalen Therapieerfolgen führen.

Dirk Roggenbuck im Applikationslabor

Dirk Roggenbuck (Mitte) führt Gäste der Auftaktveranstaltung durch das Applikationslabor.

PRpetuum GmbH

Den Fortschritt präsentieren

Die geballte Kompetenz für PRAEMED.BIO findet sich vor Ort in der Lausitz-Region. Die Bündnispartner haben langjährige Erfahrungen auf den Gebieten der Hard- und Softwareentwicklung, des Werkzeug- und Messgerätebaus, der Präzisionsmechanik und der Produktherstellung für die medizinische Diagnostik – ebenso in der Zertifizierung, Vermarktung und im Vertrieb von Produkte. Mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) hat der Wachstumskern außerdem einen Kooperationspartner gewonnen, der neue Ergebnisse aus der Krebsforschung möglichst schnell in die klinische Entwicklung und Anwendung bringen will.

„Eine Innovation ist erst eine echte Innovation, wenn sie sich auf dem Markt verkaufen lässt“, sagt Dirk Roggenbuck. Der Unternehmer weiß, wie wichtig es ist, Erfolge zu präsentieren. Darum richtet PRAEMED.BIO im Innovationszentrum ein eigenes Applikationslabor ein. Die Partner des Wachstumskerns können hier an ihren Projekten arbeiten und zugleich interessierten Experten aus aller Welt den Fortschritt präsentieren.

Weitere Informationen