Die Zukunft ist textil!

Das Sächsische Textilforschungsinstitut (STFI) feiert sein 25-jähriges Jubiläum. In Chemnitz ziehen prominente Festredner nicht nur Bilanz, sondern eröffnen auch ein neues Forschungszentrum. Es steht für die Zukunft einer ganzen Branche.

Mehr als 200.000 Menschen waren 1989 in der sächsischen Textilindustrie beschäftigt. Heute sind es nur noch rund 16.000. Dass diese Arbeitsplätze erhalten wurden und innovative technische Textilien aus Sachsen inzwischen weltbekannt sind, ist auch dem STFI zu verdanken. Viel Mut habe es erfordert, 1992 ein solches Institut ohne staatliche Gelder zu gründen, sagt der heute 65-jährige Direktor Andreas Berthel. „Es war mehr als nur Mut“, ergänzt die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. „Es war auch Können und die Überzeugung, das Know-how in der Region zu halten und zu nutzen.“

Carbonfasern liegen ungeordnet übereinander.

Solch wertvolle Carbonfasern wollen die Chemnitzer recyceln und für den Leichtbau, zum Beispiel in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, nutzbar machen.

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Praxisnah

Das ist zweifellos geschehen. Seit 25 Jahren werden am Sächsischen Textilforschungsinstitut für und mit Unternehmen neue textile Anwendungen entwickelt. Mittelständische Betriebe ohne eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen – das sind im Osten Deutschlands rund 80 Prozent – unterstützt das STFI tatkräftig. Das Institut orientiert sich immer an der Praxis, an Produkten, die markt- und zukunftsfähig sind. „So verdorren die Früchte der Textilforschung nicht im Elfenbeinturm, sondern finden den Weg in die Anwendung“, meint anerkennend die Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, Ingeborg Neumann.

Innovativ

Dank ihrer progressiven Ideen sind die Chemnitzer Ingenieure auch an diversen Innovations-Förderprojekten beteiligt. Im Rahmen von InnoRegio beziehungsweise Unternehmen Region unterstützt das Bundesforschungsministerium die sächsischen Textilforscher bereits seit 1999: angefangen mit dem InnoRegio „INNtex“ über die Wachstumskerne „MaliTec“ und „highSTICK“ bis hin zum Zwanzig20-Konsortium „futureTEX“. Mit futureTEX wollen die Chemnitzer und ihre Partner ein Zukunftsmodell für die gesamte deutsche Textilbranche schaffen. Sie arbeiten unter anderem an der smarten Textilfabrik der Zukunft und am Recycling von Carbonfaserabfällen.

Würdenträger aus Politik und Wissenschaft durchschneiden ein rotes Band.

Feierliche Eröffnung des Zentrums für Textilen Leichtbau am STFI: Friedmar Götz vom Verband Nord-Ostdeutsche Textilindustrie, STFI-Direktor Andreas Berthel, die Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie Ingeborg Neumann, Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Lutz Walter vom Europäischen Textil- und Bekleidungsverband (v.l.n.r.)

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Zukunftsgerichtet

Carbon ist besonders für den Leichtbau in der Automobil- und Luftfahrtbranche von großer Bedeutung. Der Rohstoff ist teuer, deshalb ist die Wiederverwendung der wertvollen Fasern für die Industrie interessant und schont gleichzeitig Ressourcen. Um die Technologie praxisnah zu entwickeln, wurde am STFI das neue Zentrum für Textilen Leichtbau gegründet. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und andere hochrangige Gäste der Festveranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum des Instituts eröffneten das Zentrum feierlich. Ein wichtiger Schritt, um die Zukunft der gesamten Textilbranche zu sichern. Institutsdirektor Andreas Berthel hat den Weg dafür bereitet. Mit 65 Jahren will er nun einen Generationswechsel einleiten. Sein – noch geheim gehaltener – Nachfolger steht bereits in den Startlöchern.