Digitale Reparaturfabrik

Im Zuge von Industrie 4.0 sind künftig digitale Reparaturverfahren gefragt. Unter dieser Prämisse rückt das Thema auch in den Fokus von Forschung und Entwicklung. Das Cottbusser Bündnis "WI+R" hat die Vision von einer digitalen Reparaturfabrik.

„Noch sind in der Region Cottbus mehr als 14 000 Menschen mit der Braunkohleverstromung und in energienahen Dienstleistungsbranchen beschäftigt“, sagt Markus Bambach vom Institut für Produktionsforschung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Er kennt die statistischen Erhebungen der Industrie- und Handelskammern Cottbus und Brandenburg in Bezug auf den Strukturwandel infolge des Braunkohleausstieges. „Die Beschäftigungsstruktur verschiebt sich zugunsten des metallverarbeitenden Gewerbes und auch sehr stark zugunsten des Dienstleistungssektors“, sagt der Professor für Konstruktion und Fertigung und lenkt die Aufmerksamkeit auf letzteres. Logisch, dass die Braunkohleregion über ein hochleistungsfähiges Netzwerk an Reparatur- und Instandhaltungsbetrieben verfügt. „Die Lausitz“, so Bambach, „ist traditionell ein Zentrum für die energienahe Wartung, Instandhaltung und Reparatur.“ Um diese Kompetenzen für den Strukturwandel zu nutzen, vernetzen sich unter Federführung der BTU Partner aus Wissenschaft, Bildung und Industrie unter dem Namen WI+R und stehen für „Innovationen in Wartung, Instandhaltung und Reparatur“ – über den Tagebau hinaus. Ebenso haben die Luftfahrt, die Stahlproduktion, die Chemie und die Elektromobilität in der Region eine große Bedeutung.

digitale Laserschneidmaschine

Die Stahlproduktion hat in der Region Cottbus eine große Bedeutung.

Intelligente Instandhaltung

„Wir wollen eine branchenübergreifende Plattform schaffen, auf der sich die Unternehmen der Region Berlin-Süd- und Ostbrandenburg branchenübergreifend vernetzen und profilieren können“, sagt Bambach. Als großes Potenzial für Innovationen benennt der Wissenschaftler die Digitalisierung. Er spricht von der „Digitalen Reparaturfabrik Berlin-Brandenburg“. Gerade entwickeln die WI+R-Partner ein Konzept, um sich damit auch für die Umsetzungsphase des BMBF-Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ zu bewerben.

Der Wandel der Instandhaltung zu „Smart Maintenance für Smart Factories“, so Bambach, umfasse nahezu alle Branchen – etwa die Energie- und Verkehrstechnik, das produzierende Gewerbe, die Landwirtschaft, die Wartung und Instandhaltung von Kraftfahrzeugen, das Baugewerbe, die Tourismusbranche und nicht zuletzt natürlich den Bergbau. WI+R habe das Ziel, diesen Wandel durch technologische Innovationen aktiv zu gestalten. Bambach nennt als Beispiele die Automatisierung von Reparaturverfahren, die Herstellung von Ersatzteilen im 3D-Druck, bauteilintegrierte Sensorik für die Zustandsüberwachung von Anlagen und digitale Assistenzsysteme für die Fernwartung. Auch Virtual-Reality-Methoden zur Planung komplexer Reparaturen am digitalen Zwilling und die Mensch-Roboter-Interaktion bei Reparaturprozessen stehen im Fokus; nicht zu vergessen die Aus- und Weiterbildung.

Ein Schweißer bei der Arbeit.

Die Beschäftigungsstruktur in der Region Cottbus verschiebt sich auch zugunsten des metallverarbeitenden Gewerbes.

BTU Cottbus

Modellregion für WI+R

„Als Bestandteil der vom Bund geförderten WIR!-Initiative wollen wir Strukturen schaffen, innerhalb derer bislang getrennt agierende Branchen gemeinsam WI+R-Anlagen, Produkte, Dienstleistungen und Ausbildungsprogramme entwickeln“, sagt Koordinator Bambach und zählt die Schaffung neuer Geschäftsbereiche, die Ansiedlung und Gründung von Unternehmen sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze als begleitende Ziele auf. Zudem wolle sich die Projektregion Berlin-Süd- und Ostbrandenburg als Modellregion und Kompetenzzentrum für die digitale Wartung, Instandhaltung und Reparatur überregionale Anerkennung verschaffen. „Auch die hier angesiedelten Forschungseinrichtungen haben sich ein entsprechendes Profil erarbeitet und kooperieren eng mit außeruniversitären Bildungsträgern zusammen“, betont Bambach.

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