Duell oder Duett?

Tobt hier und heute schon ein Überlebenskampf? Verdrängen die Maschinenroboter tatsächlich uns Menschen aus dem Arbeitsalltag? Was haben wir dann noch zu tun? Jenaer Forscher und Unternehmer verstehen menschliche Ängste und finden technische Zuversicht.

Andreas Tünnermann, Allianzsprecher des Zwanzig20-Konsortiums "3Dsensation" und Direktor des Fraunhofer IOF in Jena, wies in seinem Willkommen für die rund 100 Teilnehmer des Forums auf das Potenzial und die Brisanz hin: “Mensch-Maschine-Interaktion ist heute schon eine herausfordernde Realität und in Zukunft eine Kulturrevolution. Die Maschinen lernen zu verstehen.“ Daraus werde sich ein Miteinander von menschlicher Phantasie und technischer Kompetenz entwickeln, zeigte sich Tünnermann überzeugt. Auch wenn diese Entwicklung weder geradlinig noch ohne Konflikte verlaufen wird.

FollowMe!

DasForschungsvorhaben FOLLOWME! von 3Dsensation illustriert deutlich, worüber konkret zu sprechen sein wird: Gemeinsam kommen ein Lagerarbeiter und ein mit viel Elektronik bestückter Transportwagen in ein Warenlager. Zielsicher steuert der Wagen alle Stellen an, wo der Arbeiter noch mit Muskelkraft die Waren aus den Regalen holt und auf dem Wagen verstaut. Landet ein falsches Produkt im Wagen oder fehlt noch etwas, gibt der Roboter dem Arbeiter Signal. Durch ausgeklügelte Kamera- und Sensorentechnik erkennt der Roboter auch immer seinen richtigen Begleiter. Ist alles im Wagen, steuert er autonom die passende Entladestelle an. Heute ist dieser Vorgang noch eine Simulation auf dem Bildschirm. Der erste Prototyp jedoch befindet sich schon im Bau.

Roboter im Supermarkt?

Beim Forschungsvorhaben ROTATOR fährt ein Roboter durch die Gänge mit Haarshampoo und Hundefutter und scannt Regal für Regal ab. Was heute überwiegend in klassischer Hand- und Augenarbeit erledigt wird, kann künftig der elektronische Mitarbeiter übernehmen. Online werden wichtige Daten übermittelt: Welche Produkte gehen besonders gut, wo muss schnell nachgefüllt werden, was steht wie Blei im Regal? Andreas Bley weiß, dass noch viel Arbeit auf sein Team wartet. Wird die Kundschaft tatsächlich akzeptieren, dass Roboter ihren Einkaufsweg kreuzen? Erkennen die Tiefensensoren alles richtig oder landet schon mal der Joghurt mit der Ecke an der Stelle, wo eigentlich Tzaziki stehen soll?

Alfons Riek erläutert den Zuschauern seine Präsentation

Alfons Riek fragte: Duell oder Duett?

Fraunhofer IOF

Duell oder Duett?

Auch wenn Alfons Riek von der FESTO AG seine Antwort auf die Frage "Duell oder Duett?" kennt, hat er Verständnis für die Zweifler: „Schließlich lösen immer mächtiger werdende Maschinen bis heute Ängste aus. Können sie tatsächlich ein Eigenleben entwickeln? Wer ist dann Koch, wer der Kellner?“

Bei dieser Gelegenheit erinnerte er an die Weberaufstände im 19. Jahrhundert, an die Maschinenstürmer nicht nur in England. Stehen wir vor einer neuen Welle ähnlicher Revolten? Für eher unwahrscheinlich hält das Alfons Riek. Wenn man offen, ehrlich und transparent mit den neuen technischen Möglichkeiten umgeht: „In den kommenden Jahren werden hybride Arbeitssysteme entstehen. Mensch und Maschine arbeiten vielleicht nicht Hand in Hand, aber miteinander. Das menschliche Know-how muss in die Maschine, erst dann kann ein Lernprozess beginnen. Auch zwischen Maschine und Mensch.“

5-köpfiges Team präsentiert sein Projekt

InnoSlam – Workshops prägten den 3. Tag

Fraunhofer IOF

InnoSlam!

Der dritte Tag des Forums stand ganz im Zeichen der gemeinschaftlichen Innovationsentwicklung. Tagesmoderator Reinhold Pabst war sehr über die interdisziplinären Teilnehmer aus unterschiedlichen Disziplinen erfreut, die an Transferansätzen von insgesamt vier Projektideen arbeiteten.

Sieger des 90-sekündigen Pitches war das Projekt 4D-HTS mit einem Augmented-Reality-Ansatz zur Krebsdiagnostik auf Basis von Raman Spektroskopie von Martin Roth (Uni Potsdam). Ziel ist es, die Anwendungspartner frühzeitig in die Forschungsaktivitäten einzubeziehen, um die Verwertungsansätze in gegenseitigen Feedbackschleifen zu marktfähigen Produkten reifen zu lassen.

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