E-Textilien im therapeutischen Einsatz

Das TheraTex-Forschungsprojekt entwickelt ein E-Textile-System zur Unterstützung der Therapie von Patienten mit Halbseitenlähmung in deren häuslicher Umgebung.

Zu möglichen Folgen eines Schlaganfalls gehört die Halbseitenlähmung. In der Reha werden die Patienten die erste Wegstrecke zurück in ein möglichst aktives selbstbestimmtes Leben begleitet. Im häuslichen Umfeld ist die therapeutische Betreuung schon nicht mehr so intensiv. Hier kommt es auf Eigeninitiative an. „Therapeutische Textilien könnten da zum Einsatz kommen“, ist die Vision von Alexander Huhn.

Valitech-Geschäftsführer Alexander Huhn und seine Mitarbeiterin Bettina Seifert zeigen den EMS-Trainingsanzug.

Valitech-Geschäftsführer Alexander Huhn und seine Mitarbeiterin Bettina Seifert zeigen den EMS-Trainingsanzug. Das E-Textile-System wird für den therapeutischen Anzug weiterentwickelt. 

PRpetuum GmbH

Er leitet das kürzlich gestartete Forschungsprojekt TheraTex, das Wortbestandteile von „Therapie“ und von „Textilien“ im Namen trägt. Es gehört zum Zwanzig20-Konsortium futureTEX, in dem über 300 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft innovative Technologien entwickeln, mit denen moderne Textilprodukte hergestellt werden, die auf ganz neuen Anwendungsfeldern zum Einsatz kommen. So auch TheraTex: „Wir wollen sensorische und aktorische Funktionen in ein Textil für einen Anzug integrieren, mit dem eine häusliche Therapie von Hemiparese bei Erwachsenen wie auch bei Kindern möglich ist“, sagt Alexander Huhn und erklärt, dass die Sensoren die Körperhaltung erfassen, den Bewegungsumfang und die Muskelkontraktion messen. Innerhalb des Projektes würden die stimulierenden Funktionen entwickelt: die Antriebstechnik sozusagen, die den Patienten bei der Aktivierung seiner eingeschränkten Muskelpartien unterstützen.  

Auch am Design wird geforscht

Gerät, in dem die Leistungs- und Steuerungselektronik steckt

In diesem kleinen mobilen Gerät steckt die Leistungs- und Steuerungselektronik.

Valitech GmbH

Alexander Huhn ist einer der beiden Geschäftsführer der Valitech GmbH & Co.KG in Falkensee. Das Prüf- und Kalibrierlabor betreibt im Kerngeschäft hygienische Prüfungen und die Validierung für Reinigungs- und Sterilisationsprozesse von medizinischen Instrumenten und Geräten in Arztpraxen sowie Krankenhäusern. Die Messtechnik dafür entwickelt das Unternehmen selbst – und findet für eben diese Technik auch ganz andere Anwendungsfelder, etwa in einem Fitnessstudio. Valitech betreibt eines, in dem das Elektrostimulationstraining (EMS) angeboten wird. Die Effektivität des Muskeltrainings beruht auf kleinen elektrischen Impulsen zur Aktivierung der Muskeln. Diese Erfahrungen auf dem Gebiet der Elektrostimulation bringt Valitech in das TheraTex-Forschungsprojekt ein.

Undenkbar allerdings, dass sich ein halbseitig gelähmter Mensch in einen eng anliegenden und verkabelten Trainingsanzug zwängt. „Das Design muss von Anbeginn mitgedacht und iterativ entwickelt werden“, sagt Julia Danckwerth von der „weißensee kunsthochschule berlin“ (KHB). Die Modedesignerin befasst sich in ihrer Doktorarbeit mit Bewegungs- und Dehnungssensorik in Textilien zur Erkennung und Vorbeugung muskulär bedingter Rückenschmerzen. Mit ihren neuesten Forschungserkenntnissen bringt sie auch ihre Kontakte zu Medizinern und Patienten mit in das TheraTex-Projekt. Der Verein zur Förderung der Hirnforschung und Rehabilitation aus Berlin, die Vamed Klinik Hohenstücken in Brandenburg an der Havel und die Schön Klinik Vogtareuth sind beratende Partner, wenn es um die Bedürfnisse und symptomatisch bedingten Anforderungen des zu entwickelnden E-Textile-Systems geht.

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