Energiesysteme von morgen

Mit „Reallaboren der Energiewende“ und Grünem Wasserstoff könnte Deutschland seine Klimaziele vielleicht doch erreichen. Das diesjährige „HYPOS“-Forum liefert Geschäftsmodelle dafür.

Nach Aussagen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung wird Deutschland seine Klimaziele nicht erreichen. Sowohl das Ziel einer CO2-Reduktion gegenüber 1990 von mindestens 40 Prozent bis 2020 als auch von 55 Prozent bis 2030 würden voraussichtlich verfehlt. Während diese Nachricht von den Medien aufgenommen und hinterfragt wird, kamen Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft zum turnusmäßig im Herbst stattfindenden HYPOS-Forum. Nicht von ungefähr ist das Leipziger Werk der BMW Group zum zweiten Mal Gastgeber für die wissenschaftliche Vortragsreihe des HYPOS-Innovationsnetzwerkes. BMW will das Wasserstoffauto voranbringen. Seit einigen Jahren fahren hier einige Flurförderfahrzeuge und Gabelstapler, die mit Wasserstoff angetrieben werden. Der Autohersteller will die Flotte erweitern und sich in Zukunft komplett auf „grün“ umstellen. Gerade die Mobilität könne ein toller Markt für den Grünen Wasserstoff sein, sagt Joachim Wicke, Vorstandsvorsitzender des HYPOS e.V.

„HYPOS – Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany“ wird im Rahmen des Unternehmen-Region-Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ vom Bundesforschungsministerium gefördert. Das Projekt hat das Ziel, im großtechnischen Maßstab aus erneuerbarem Strom den speicherbaren “grünen“ Wasserstoff herzustellen. In der Elektrolyse liege eine große Chance, die Klimaziele doch noch zu erreichen, sagt Wicke und betont: „Wir sind nicht nur Enthusiasten. Wir entwickeln Geschäftsmodelle, die wirtschaftlich erfolgreich sind.“

Exportierbare Konzepte

Von den „Reallaboren der Energiewende“ ist auf dem HYPOS-Forum 2018 die Rede. Rodoula Tryfonidou, Referatsleiterin für Energieforschung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, stellt sie als geografisch und zeitlich begrenzte Experimentierräume vor. Denn Forschung brauche die Möglichkeit, technologieoffen betrieben zu werden. Nicht jede gute Idee könne von Anbeginn wirtschaftlich sein. Gleichwohl sollten die innovativen Projekte in den Reallaboren soweit gedeihen, dass sie den systemischen Ansatz zur Kommerzialisierung mitbringen. „Die neuen Technologien müssen sich wirtschaftlich tragen und exportierbar sein. Denn Klimaschutz ist weltweit erforderlich“, sagt Rodoula Tryfonidou.

Die „Reallabore der Energiewende“ sind als neues Förderinstrument im 7. Energieforschungsprogramm „Innovationen für die Energiewende“ festgelegt, mit dem die Bundesregierung Forschungseinrichtungen und Unternehmen unterstützt, neue Technologien für die Energieversorgung von morgen zu entwickeln. Diese Leitlinien für die Energieforschungsförderung sind brandneu – gerade erst im September vom Bundeskabinett verabschiedet. In den Reallaboren soll das Energiesystem von morgen schon heute erprobt werden. Gleichzeitig bekommen Start-ups als wichtige Impulsgeber für die Energiewende stärkere Unterstützung.

Die Grafik simuliert die regionalen Ressourcen für das künftige Reallabor „GreenHydroChem – Mitteldeutsches Chemiedreieck“.

Die Grafik simuliert die regionalen Ressourcen für das künftige Reallabor „GreenHydroChem – Mitteldeutsches Chemiedreieck“.

Siemens AG

Reallabor Leuna

Die noch druckfrische Förderpolitik trifft in Mitteldeutschland schon auf konkrete Ideen für die Anwendung. Der HYPOS-Vorsitzende Wicke spricht vom Reallabor Leuna: Im „GreenHydroChem – Mitteldeutsches Chemiedreieck“ sollen die Stärken der Region gebündelt werden. Schwerpunkte sind die Elektrolyse von Wasserstoff und die Vergasung von Kunststoffabfällen in Leuna sowie die Speichermöglichkeiten von Wasserstoff in den Kavernen von Bad Lauchstädt. Hauptakteure des Reallabors sind bislang die Siemens AG, der Gasversorger Linde Group, das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen sowie die VNG-Verbundnetz Gas Gruppe. 2019 soll das „GreenHydroChem – Mitteldeutsches Chemiedreieck“ mit den ersten Investitionen starten.

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