Erzgebirgssound in 3D

Es klingt wie ein überwältigender Chor in einer großen Kathedrale, doch die himmlischen Töne kommen aus Lautsprechern in einer ehemaligen Fabrik im tiefsten Erzgebirge. Das neue Soundsystem des WIR!-Bündnisses „3D-Audio“ macht es möglich.

Uwe Müller, Werner Tschan, Michael Kretschmer und Friedrich Blutner vor einem dreidimensionalen 3D-Audio-Symbol

Uwe Müller, Geschäftsführer SWAP Sachsen GmbH, und Werner Tschan, Neue SWAP Holding, mit Ministerpräsident Michael Kretschmer und Friedrich Blutner (v.l.n.r.).

Uwe Vorberg

Sounddesigner Friedrich Blutner freut sich über die gelungene Klangpräsentation und die zahlreichen Gäste – unter ihnen auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Blutner hat das 3D-Audio-Netzwerk mit rund 70 Unternehmen und Forschungseinrichtungen ins Leben gerufen. Gemeinsam wollen sie den Sound revolutionieren. Mit einem neuartigen Audiosystem soll das 3D-Hören massentauglich werden. „Unser Ziel ist eine naturadäquate Klangwiedergabe bei geringen Kosten“, sagt Blutner.

3D-Klang für Heilung, Sicherheit und Bildung

Schon jetzt hat das Bündnis den Prototyp einer Klangwand entwickelt, ein sogenanntes Soundboard. Neben Lautsprechern enthält es Akustikplatten aus recyceltem Papier. Die umweltfreundlichen und kostengünstigen Wabenplatten haben hervorragende akustische Eigenschaften. Einer der Bündnispartner und Hersteller von Verbundwerkstoffen, die SWAP GmbH aus Frankenberg in Sachsen, produziert diese Platten. Sie können Schall absorbieren. Zusammen mit Lautsprechern und Metadaten, die Informationen darüber enthalten, wo Klang im Raum wahrgenommen wird, erzeugen sie ein dreidimensionales Hörerlebnis.

Die Einsatzmöglichkeiten des neuen Soundsystems sind vielfältig. Sie können sowohl bei der Therapie von Demenzkranken genutzt werden, um bestimmte Areale im Gehirn zu reaktivieren, als auch für Elektroautos, um die leisen Fahrzeuge besser hörbar zu machen. Zu Bildungszwecken wäre ein solches 3D-Klangsystem auch in Schulen und Museen von Nutzen.

Friedrich Blutner mit einer Akustikplatte aus recyceltem Papier

Satter Sound: Friedrich Blutner mit einer Akustikplatte aus recyceltem Papier, dem Herzstück der neuen Soundbar.

Uwe Vorberg

Erzgebirge als Soundregion

Als ein wichtiger Partner des WIR!-Bündnisses 3D-Audio hofft der Bürgermeister des Städtchens Zwönitz, Wolfgang Triebert, dass das Netzwerk in den noch leer stehenden alten Speicher einziehen wird. Das Bündnis plant, dort ein Institut für 3D-Audio-Kommunikation zu eröffnen. Bis 2022 will die Stadt das alte Fabrikgebäude für zehn Millionen Euro sanieren und zum Innovations- und Gründerzentrum umbauen. Der Freistaat Sachsen wird dieses Vorhaben mit rund acht Millionen Euro unterstützen. Den Fördermittelbescheid brachte Ministerpräsident Kretschmer gleich mit. Vom Bündnis 3D-Audio ist er begeistert: „Es zeigt, dass Intelligenz und Innovation keine Frage der Postleitzahl ist“, sagt er. Friedrich Blutner und das Netzwerk wollen nun das Bundesforschungsministerium von ihren Ideen überzeugen und das Erzgebirge zur Modellregion für 3D-Klänge entwickeln.

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