Fragen Sie Ihren Arzt – und Ada

Fieber, Husten, Heiserkeit: Im Projekt QURATOR arbeiten Forschende an einer intelligenten App, die bei einem personalisierten Symptomcheck helfen soll. Fünf Millionen Menschen vertrauen bereits auf die Expertise der digitalen Gesundheitshelferin Ada.

Smartphone mit geöffneter App

Anders als bei der herkömmlichen Suche im Internet können Nutzer mit der App „Ada“ einen Dialog führen.

Ada Health GmbH

Etwa 95 Prozent der Deutschen recherchieren Gesundheitsthemen im Netz. Zwei Drittel geben sogar ihre Symptome in Suchmaschinen ein, bevor sie zum Arzt gehen. Doch die Risiken dabei sind hoch: falsche Selbstdiagnosen, abgesagte Arztbesuche, Eigenmedikation oder unbegründete Ängste. Damit das nicht gefährlich wird, soll jetzt eine App beim ersten Symptomcheck helfen. „Ada“, die digitale Gesundheitshelferin, könnte eine medizinische Revolution auslösen, glaubt ihr Erfinder Martin Hirsch. „Unser Ziel ist es, die Zukunft der personalisierten Gesundheitsversorgung für jeden Menschen zugänglich zu machen“, sagt der Gründer der Ada Health GmbH.

Künstliche Intelligenz im Dialog

„Was beschäftigt dich am meisten?“
„Ohrenschmerzen.“
„Wie lange hast du bereits diese Beschwerden?“
„Länger als ein Jahr.“
„Betrifft dies ein oder beide Ohren?“

Ada-Health-Gründer Martin Hirsch im Porträt

„Ada“-Entwickler Martin Hirsch will allen Menschen eine personalisierte Gesundheitsversorgung zugänglich zu machen.

Ada Health GmbH

Der Dialog könnte aus einer beliebigen Allgemeinarztpraxis irgendwo in Deutschland stammen – tut er aber nicht. Stattdessen verbirgt sich Ada hinter dem vermeintlich unspektakulären Gespräch. Gründlich und individuell arbeitet sie sich durch die Symptome des Nutzers. Nach Eingabe von Basisdaten wie Alter, Geschlecht oder Grunderkrankungen entwickelt sich ein intensiver Dialog. Im Fall Ohrenschmerzen stellt Ada exakt 25 Fragen – darunter etwa nach Kiefer- und Kopfschmerzen –, bis sich für sie ein klares Bild ergibt.

Für ihre App setzen Martin Hirsch und seine mittlerweile 120 Kolleginnen und Kollegen auf Künstliche Intelligenz. In den vergangenen sieben Jahren haben sie ein selbstlernendes System entwickelt und trainiert, das einerseits Patientinnen und Patienten hilft: Sie betreten die Praxis in Zukunft besser informiert und potenziell in einer früheren Krankheitsphase. Doch zugleich profitieren auch Ärztinnen und Ärzte: Denn die Künstliche Intelligenz hilft, bei dem unzähligen Wissen in der Medizin den Überblick zu behalten.

Smartphone mit geöffneter App

Der digitale Symptomcheck liefert keine Diagnose, aber eine fundierte Information auf Basis Künstlicher Intelligenz.

Ada Health GmbH

„Dann solltest du zum Arzt gehen“

Fünf Millionen Menschen vertrauen schon auf die medizinische Expertise und auf das hohe Datenschutzversprechen von Ada Health. Aber für Martin Hirsch und seine Kollegen gibt es noch viel zu tun: Denn bisher steckt viel „Handarbeit“ in der App. Der vom Bundesforschungsministerium geförderte Wachstumskern „QURATOR“ arbeitet deshalb an einer Technologieplattform, die die Kuratierung – also etwa das Suchen, Sortieren und Verknüpfen digitaler Daten – stärker automatisieren soll. „Das medizinische Wissen wächst exponentiell“, sagt Hirsch. „Das QURATOR-Projekt wird dazu beitragen, mit technischer Hilfe dieses Wissen zu organisieren und für KI-Systeme wie Ada nutzbar zu machen.“ So könnten in Zukunft zum Beispiel auch die rund 7.000 bekannten seltenen Krankheiten in Ada einfließen.

Der Beispielpatient mit den Ohrenschmerzen ist indes schon einen Schritt weiter. Am wahrscheinlichsten sei eine „kraniomandibuläre Dysfunktion“, meint Ada. Also: ein unangenehmes Gefühl im Kiefergelenk, bei dem der Schmerz häufig als Ohrenschmerz fehlgedeutet wird. „7 von 10 Personen mit den gleichen Symptomen haben diese Erkrankung“, erklärt Ada. „Wenn du davon ausgehst, dass diese Erkrankung bei dir vorliegt, solltest du einen Arzt aufsuchen“. Ob die klassische Suchmaschinenrecherche ein ähnliches Ergebnis geliefert hätte?

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