Gemeinsam gegen Infektionskrankheiten

2050 werden weltweit mehr Menschen an Infektionen sterben als an Krebs – so die Vorhersage internationaler Experten. Im Kampf gegen die lebensgefährlichen Erkrankungen lud das Zwanzig20-Konsortium „InfectControl 2020“ zu einer Konferenz nach Jena.

Immer öfter infizieren sich Patienten mit multiresistenten Keimen, gegen die kein Antibiotikum mehr wirksam ist. Seit Jahren fehlen neue antibakterielle Medikamente. Für die Pharmaindustrie ist es kein lohnenswertes Geschäft, da die Entwicklung sehr teuer und die Einnahme nur zeitlich begrenzt ist – anders als zum Beispiel bei Blutdruck- oder Herzkreislauf-Medikamenten. Hinzu kommt, dass Antibiotika zu häufig und unnötig eingenommen werden, was wiederum Resistenzen begünstigt.

Erst Aufklärung, dann Pillen

Ein Projekt von InfectControl 2020 „Rationaler Antibiotika-Einsatz durch Information und Kommunikation“ – kurz RAI – will deshalb die Aufklärung der Bevölkerung vorantreiben. Das Team aus Infektionsmedizinern und Veterinären, Landwirten und Designern hat dafür diverse Kommunikationsmittel entworfen. Unter anderem so genannte Infozepte, die Patienten statt eines Rezeptes bekommen. Damit können sie erfahren, ob Antibiotika bei ihrer Erkrankung sinnvoll sind oder nicht. Statistiken zufolge liegt der Antibiotikakonsum der Deutschen weltweit zwar im Mittelfeld, jedoch weit über dem von Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden. Es gibt Aufklärungsbedarf bei den Patienten, aber auch bei den Ärzten, die hier und da zu leichtfertig Antibiotika verschreiben. 

Tierische Gefahr

Bei allen Aktivitäten verfolgen die interdisziplinären Teams von InfectControl 2020 das „One Health“-Konzept der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es sagt aus, dass unsere Gesundheit mit dem täglichen Lebensumfeld zusammenhängt, unter anderem auch mit der Natur und der Landwirtschaft. 73 Prozent aller Infektionskrankheiten kommen aus der Wildnis, wie der Epidemiologe Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut Berlin in Jena erläuterte. Lebensgefährliche Erreger können von Tieren auf Menschen übertragen werden, wie die dramatischen Ebola-Ausbrüche in Afrika gezeigt haben. Diese so genannten Zoonosen nehmen zu. Nicht nur durch Wildtiere, sondern auch durch die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch und die Massentierhaltung. Tiere können Pandemien wie die Vogel- oder Schweinegrippe auslösen. Die Globalisierung und zunehmende Mobilität begünstigen zudem die Verbreitung von Krankheitserregern rund um den Globus.

Massentierhaltung Hühner

Durch die Massentierhaltung wird die Übertragung lebensbedrohlicher Keime von Tieren auf Menschen begünstigt.

InfectControl 2020 

Exotische Eindringlinge

Selbst winzige Insekten werden zur Gefahr. Durch den Klimawandel und die globale Erwärmung fühlen sich mittlerweile asiatische Tigermücken und tropische Riesenzecken in unseren Breiten wohl. Sie können diverse lebensbedrohliche Viren auf den Menschen übertragen. Professor Thomas Mettenleiter, Direktor des Bundesforschungsinstitutes für Tiergesundheit – Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald, betonte deshalb in Jena, dass Veterinär- und Humanmediziner enger zusammenarbeiten müssen. Genau diesen Ansatz verfolgt auch InfectControl 2020. Denn nur so ist es möglich, neue globale Strategien für die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten zu entwickeln.