Geodaten: Der Rohstoff des 21. Jahrhunderts

Es mangelt nicht an digitalen Geoinformationen. Ihre Nutzung steht jedoch am Anfang. Hier setzt das Innovationsforum Mittelstand INNOGEO an. In Rostock wurden erste Produktideen der Akteure vorgestellt.

Mit Autos, Drohnen und Satelliten werden in kurzer Zeit gigantische Datenmengen erfasst. Das Ergebnis: Unzählige digitalisierte Geodaten liegen bereit. Sie geben genauestens Auskunft über die Beschaffenheit der Erdoberfläche, über Landschaften, Wälder, Seen, Meere, Berge, Städte, Straßen, Häuser und alles was, unsere Geographie ausmacht. INNOGEO möchte aus diesen Daten „Informationen generieren und daraus Schlussfolgerungen ziehen für unser tägliches Handeln“, beschreibt Ralf Bill, Professor für Geodäsie und Geoinformatik an der Universität Rostock, das Vorhaben des Innovationsforums.

AUF DER SUCHE NACH IDEEN

Das Innovationsforum konzentriert sich bei der Entwicklung von Ideen auf vier Themenfelder, die gleichermaßen auch für die Region Mecklenburg-Vorpommern stehen: Urbane und Raumplanung, Tourismus, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft und Maritime Umwelt und Verkehr.

Die Teilnehmer trafen sich im Vorfeld in Workshops zu den einzelnen Schwerpunkten. Kreativität war gefordert, um Ideen mit Potential zu generieren, die die Chance haben, am Markt eingeführt zu werden. Professionelle Unterstützung kam aus dem Datenverarbeitungszentrum Schwerin. Katrin Becker leitete durch die Workshops der innovativen Geoinformationsfelder. 60 Entwürfe wurden herausgefiltert, von denen schließlich 19 für besonders interessant befunden wurden. Sie wurden von Teilnehmern der Workshops vorgestellt.

Landschaftsaufnahmen einer Drohne

Neue Technologien der Geoinformationswirtschaft, wie hier Aufnahmen einer Drohne, ermöglichen neue Geschäftsideen. Mit ihnen befasst sich INNOGEO.

Christian Schwier – Adobe Stock

Ein paar Beispiele: E.Mobi365 befasst sich mit der Nutzung und Verbesserung der Elektromobilität. Eine App, die eine Übersicht der Ladestationen, das Wetter und Statistiken der Nutzer beinhaltet. Das Projekt könnte in einer Pilotgemeinde starten.

Im Bereich der Maritimen Geodaten beschäftigt sich ein Projekt mit der historischen Entwicklung der Küstenlinie. Ein mögliches Produkt wäre eine für den Küsten- und Umweltschutz interessante Anwendung, auf Grundlage der multitemporalen Satelliten- und Luftbildauswertung zur Auswertung der Klimaverhältnisse. So könnten entsprechende Aussagen zur Küstendynamik gemacht werden.

Ein weiterer Teilnehmer präsentierte ein Projekt zur Munitionserkennung am Meeresgrund von Nord- und Ostsee. Von den dort geschätzten 1,6 Millionen Tonnen Kampfmittel geht eine gesundheitliche Gefahr aus, die als krebserregend und erbgutschädigend gilt. Das Projekt möchte die vorhandenen Geodaten nutzen, um das Gefahrengut in den Meeren ausfindig zu machen.

Im Bereich Tourismus stellte Thomas Kozian von der ATI Küste, Initiator des Innovationsforums, sein Konzept vor: Eine App für eine industrietouristische Route zu bestehenden und früheren Bauten. Eine Ergänzung durch eine Virtual-Reality-Brille könnte die Bauten vor dem Betrachter wieder in lebhafte Erinnerung bringen.

VON DER IDEE ZUM PRODUKT

Rund 500 kleine und mittelständische Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen sich mit Geodaten. Die formalen Rahmenbedingungen in der Geoinformatik sind gegeben. So gibt es verbindliche Normen, Gesetze und Richtlinien, die die Datennutzung erlauben. Technologie und Infrastruktur sind auch bereit. Nun wünschen sich die Initiatoren und Teilnehmer mit ihren Ideen eine Vernetzung im Land mit anderen Digitalisierungsvorhaben, um ihre Entwürfe zu Produkten werden zu lassen. Ein Anfang wurde auf diesem Innovationsforum Mittelstand gemacht.

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