Geschichten von morgen

Wir Menschen lieben Geschichten – das war und ist zu allen Zeiten so. In Zukunft können sich Erzähler immer stärker von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützen lassen. Die Technologien dafür entwickelt ein Berliner Wachstumskern.

Mehrere Fahrzeuge stehen auf einer Kreuzung.

Die KI-basierte Bilderkennung ermöglicht eine schnelle Bildanalyse.

PRpetuum GmbH

Mehrere Studien belegen: Menschen können sich Fakten und wissenschaftliche Inhalte besser merken, wenn sie in Geschichten verpackt werden. Und was macht eine Wissensgesellschaft aus dieser Erkenntnis? Sie erfindet das Trendwort „Storytelling“ und füllt es mit Leben. Wären die Sprachwissenschaftler und Geschichtenerzähler Jacob und Wilhelm Grimm Kinder der heutigen Zeit, wären sie wohl auch auf sämtlichen digitalen Kanälen unterwegs. Denn: „Wer heute relevant sein will, muss digital kommunizieren“, sagt Armin Berger, Sprecher des Forschungsbündnisses "QURATOR – Curation Technologies". Curation – Kuratierung – ist ein neuzeitlicher Begriff. Er steht für Recherche, Analyse, Kombination, Zusammenfassung und Anreicherung von Wissensinhalten. Der vom Bundesforschungsministerium geförderte Wachstumskern QURATOR entwickelt eine Plattform für digitale Kuratierungstechnologien.

Storytelling in jeder Branche

Das digitale Storytelling ist über Medienredaktionen hinaus zu einem branchenübergreifenden Thema gewachsen. Das hat die Marktanalyse von QURATOR ergeben. Unternehmen aus der Großindustrie beispielsweise interessierten sich für das Storytelling als Grundidee für neue Vertriebsmaßnahmen und könnten digitale Kuratierungstechnologien (DKT) für ihr Online-Risikomonitoring gebrauchen. Die Bundeszentrale für politische Bildung will ihr Content-Management mit Hilfe der dieser Technologien optimieren, und in der Medizin sehen App-Entwickler Diagnose-Ersteinschätzung einen großen Bedarf bei der Ersteinschätzung von Symptomen. Zudem hat QURATOR noch ein ganz neues Anwendungsgebiet identifíziert: das Erkennen von Deepfakes, also von gefälschten Medieninhalten.

Basis für die digitale Kuratierungsplattform sind intelligente Methoden und Verfahren auf Grundlage generischer Sprach- und Wissenstechnologien, Maschinellen Lernens und Künstlicher Intelligenz. Die Werkzeuge dafür werden von sechs Unternehmen und vier Forschungseinrichtungen entwickelt. Kürzlich trafen sich die QURATOR-Bündnispartner, um sich gegenseitig über den Stand ihrer Teilprojekte zu informieren.

Screenshot eines von der KI analysierten Berichtes über den 30-jährigen Krieg.

Eine KI-Anwendung hat unter bestimmten Aspekten einen zeitgenössischen Bericht über Kämpfe im 30-jährigen Krieg ausgewertet.

PRpetuum GmbH

Lernmaterial für KI

Das interaktive Storytelling braucht spezialisierte und standardisierbare Werkzeuge, um Texte wie auch Objekte und Personen unter bestimmten Aspekten auszuwerten. Ein Beispiel: Ein Redakteur arbeitet an einer Reportage zur Verkehrssituation in Berlin und kann aus einem Foto von einer Straßenszene mit Hilfe KI-basierter Bilderkennung in kürzester Zeit Infos über das Verkehrsaufkommen, über Art und Anteil der Verkehrsteilnehmer ermitteln. Die Brüder Grimm, mangels Alternativen als Fußgänger oder mit der Kutsche unterwegs, würden sich wohl eher für die Anwendung der Automatisierungstechnologien zur Auswertung des digitalisierten kulturellen Erbes interessieren. Die Staatsbibliothek zu Berlin hat etwa 25 Millionen gescannte Seiten in ihrem Bestand. Mit der Künstlichen Intelligenz als Assistenten könnten die Grimms ganz schnell herausfinden, wo und was da über sie geschrieben steht.

Wie die menschliche, so vervollkommnet sich auch die Künstliche Intelligenz durch stetes Lernen. Die Defa-Stiftung und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz besitzen ein umfangreiches Datenmaterial, mit denen QURATOR seine neuen Tools trainiert. Übrigens: Die Kuratierungsplattform werde nicht auf den deutschen Sprachraum beschränkt sein, stellt Georg Rehm, wissenschaftlicher QURATOR-Leiter, in Aussicht. „European Language Grid“, kurz ELG, ist ein europäisches KI-Projekt im Bereich Sprachtechnologie. Auf dieser primären Plattform sollen auch die QURATOR-Kuratierungstechnologien angesiedelt sein.

Weitere Informationen