Hoffnung im Kampf gegen Tuberkulose

Jedes Jahr sterben weltweit 1,5 Millionen Menschen an Tuberkulose. Auch in Deutschland gibt es knapp 6.000 Erkrankungen pro Jahr. Das Zwanzig20-Konsortium „InfectControl 2020“ entwickelt nun ein neues Antibiotikum gegen die Infektionskrankheit.

3D-Struktur der Substanz BTZ043

3D-Struktur der Substanz BTZ043, die in Jena entdeckt wurde und nun im Rahmen von InfectControl 2020 zum Tuberkulose-Medikament weiterentwickelt werden soll.

Matthias Gruner

Am 24. März 1882 verkündete Robert Koch die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers. Ihm ist es zu verdanken, dass die Krankheit diagnostiziert und behandelt werden kann. Der 24. März ist deshalb zum Welttuberkulosetag ernannt worden. Bis heute ist die Tuberkulose äußerst bedrohlich. Mit steigender Mobilität verbreitet sich die Erkrankung von besonders betroffenen Regionen in Afrika und Indien um den gesamten Globus. Sorgen bereiten vor allem multiresistente Erreger, gegen die kaum ein Antibiotikum mehr wirkt.

Gefährliche Lücke

Neue Medikamente sind dringend gefragt, doch Pharmaunternehmen haben sich wegen geringer Gewinnaussichten weitgehend aus der Antibiotika-Entwicklung zurückgezogen. Erst durch die Unterstützung des Bundesforschungsministeriums und des Freistaates Thüringen wird diese Lücke nun geschlossen. In einem deutschlandweit einzigartigen Projekt haben Wissenschaftler und Unternehmer gemeinsam das Prüfmedikament eines aussichtsreichen Wirkstoffs gegen Tuberkulose entwickelt, das kurz vor einer klinischen Studie steht.

Aussichtsreicher Wirkstoff

Am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie  – Hans-Knöll-Institut – (HKI) ist der Wirkstoff mit dem Namen BTZ043 entdeckt worden. Die Substanz ist selbst gegen hochresistente Tuberkulosestämme wirksam. „BTZ043 greift so gezielt und effektiv in den Aufbauprozess der Zellwand des Bakteriums ein, dass der Wirkstoff nur den Erreger bekämpft und nicht etwa wichtige Darmbakterien“, erklärt Florian Kloß. Der promovierte Chemiker leitet die pharmakologischen Studien im Rahmen eines Forschungsprojektes von InfectControl 2020. Er kooperiert mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, zu dem das Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München gehört. Dort werden demnächst klinische Studien durchgeführt, um die Verträglichkeit des Wirkstoffs für den Menschen sicherzustellen.

Florian Kloß im Labor

Florian Kloß leitet am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena die pharmakologischen Studien zur Wirkstoff-Entwicklung.

HKI Jena

Richtungsweisendes Projekt

Die Studien werden noch einige Jahre dauern. Wenn sie erfolgreich sind, könnte das neue Tuberkulose-Medikament auch Patienten in den besonders betroffenen, ärmeren Regionen der Welt zugute kommen, denn der Wirkstoff BTZ043 lässt sich relativ günstig produzieren. Das Gemeinschaftsprojekt, das deutschlandweit seinesgleichen sucht, ist somit beispielhaft für die Antibiotikaentwicklung der Zukunft. Voraussetzung dafür ist das vereinte Engagement von Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Ärzten. „Alle Akteure müssen gemeinschaftlich handeln, um den verantwortungsvollen Gebrauch vorhandener Antibiotika zu fördern und zugleich den Antibiotika-Markt für Unternehmen attraktiver zu gestalten“, sagt Florian Kloß. Gelingt das, können Infektionskrankheiten wie die Tuberkulose künftig wirksam bekämpft und Menschenleben gerettet werden.