„Ich schaffe es, viele Türen aufzumachen, …“

„…aber durchlaufen müssen dann die jungen Wissenschaftler.“ Der Implantate-Pionier und Bundesverdienstkreuz-Träger Klaus-Peter Schmitz über sein Leben als unternehmerischer Forscher, den Standort Rostock und eine neue Generation von Wissenschaftlern.

Porträtfoto von Prof. Klaus-Peter Schmitz

Wissenschaftler, Ingenieur, Gründer und Netzwerker: Klaus-Peter Schmitz hat die biomedizintechnische Forschung mit der Produktion von Mikroimplantaten verknüpft.

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unternehmen-region.de: Herr Professor Schmitz, Sie waren 19 Jahre lang Leiter des Instituts für Biomedizinische Technik der Uni Rostock, haben 1996 das An-Institut für Implantat-Technologie und Biomaterialien gegründet und sind eng vernetzt mit der Firma CORTRONIK, die sich ohne Ihr Wirken 1998 wohl nicht in Ihrer Heimat Warnemünde angesiedelt hätte. Das sind Verdienste, für die Sie nun auch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurden. War es Ihr Ziel, hier in dieser Region etwas Neues entstehen zu lassen?

Klaus-Peter Schmitz: Meine Gründung als Mitgesellschafter der Firma CORTRONIK fand in einer Zeit statt, als es hier im Land mehr als 23 Prozent Arbeitslose gab. Mir war völlig klar, wir müssen hier in meiner Heimat Warnemünde industrielle Wertschöpfung haben. Die Studenten der Biomedizinischen Technik in Rostock erhalten nicht nur eine exzellente technische Ausbildung, sondern erlernen in den Instituten und Kliniken die Grundlagen der Medizin. So sehen sie in der Anatomie aber auch in der Kardiologie, wo und wie Herzklappen, Stents und Schrittmacher eingesetzt werden. Das sind hervorragende Standortfaktoren, die eine Technische Hochschule ohne eine Medizinische Fakultät nur schwer bieten kann. Dieses Netzwerk aus Universität, An-Institut und Unternehmen – ja, das ist schon ein Geschenk des Himmels!

Porträtbild von Prof. Klaus-Peter Schmitz

"Wir müssen daran arbeiten, dass wir immer bessere Materialien und Oberflächen haben, damit die Kardiologen, die ja dem Patienten in die Augen sehen, auch mit gutem Gewissen sagen können: Wir verbessern ihre Lebenssituation." (Klaus-Peter Schmitz)

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Sie haben die Zusammenarbeit universitärer Forschung mit der Wirtschaft von jeher gepflegt. Wenn Sie zurückblicken: Was erfüllt Sie am meisten mit Freude?

Die Zeit nach der Wende war spannend. Ich habe damals die Biomedizintechnik an der Universität Rostock gegründet und wir hatten mit der Forschung zu Implantaten für die interventionelle Kardiologie das richtige Gebiet. So hat Herr Professor Schaldach am Gründungstag des An-Institutes IIB e.V. gemeinsam mit mir den Entschluss gefasst, die Firma CORTRONIK aufzubauen. Wir haben es geschafft, zahlreiche Patente anzumelden und Produkte zu entwickeln.

Welche Idee hat Sie in Ihrem beruflichen Wirken geleitet und treibt Sie auch weiterhin an?

Schmitz: Ich wollte gestalten, da sind die Ingenieurwissenschaften genau richtig. Damit kann ich etwas verändern und das macht mir Spaß! Ich war erst im Schiffbau und habe dann in die Medizin zum Spezialthema künstliches Herz gewechselt. Dort habe ich den Dialog zwischen Technikern und Medizinern gelernt. Mich treibt an, dass wir auf unserem Gebiet in der Welt mit führend sein wollen.

Und wofür schlägt ihr eigenes Herz am meisten?

Sicherlich für meine Familie aber in der Wissenschaft für die Herzmedizin. In den vergangenen Jahren habe ich es mir zur Hauptaufgabe gemacht, neue Prüfmethoden für Stents zu entwickeln, denn es gibt kaum ein gefährlicheres Implantat als ein Stent fürs Herz. Die Mediziner verlassen sich darauf, dass sie geprüfte Qualität in die Hand bekommen. Wir dürfen uns nicht an den Patienten versündigen.

Klaus-Peter Schmitz mit Kollegen im Labor

Heute konzentriert sich der 72-jährige Schmitz auf die Leitung des Rostocker An-Instituts für Implantat-Technologie und Biomaterialien, das weltweites Ansehen genießt. Hier werden Herzklappen und Stents entwickelt und geprüft.

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Mit dem Bündnis „REMEDIS“ im Rahmen von Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern sowie dem Zwanzig20-Konsortium „RESPONSE“ wurde ein großes nationales Netzwerk zur Entwicklung der Implantattechnologie aufgebaut, das von Warnemünde ausstrahlt. Welche Rolle spielt diese BMBF-Förderung für die Region?

Sie gab uns die Möglichkeit, viele junge Leute zu beschäftigen und mit den großen Standorten in der Region und Deutschland zusammenzuarbeiten. Wir hatten hier im Osten jahrelang ein Imageproblem, aber das ist jetzt vorbei, vor allem auch durch RESPONSE. Jetzt sind wir hervorragend ausgestattet und so ist eine Generation von Forschern herangewachsen, die überall in Deutschland akzeptiert wird. Was an Unternehmen Region so schön ist und mir auch liegt: Wir können und müssen mit Unternehmen zusammenarbeiten. Denn die Medizintechnik muss in die Klinik!

Welchen Raum brauchen junge Wissenschaftler?

Junge Wissenschaftler brauchen Motivation, sie müssen stolz auf ihre Einrichtung sein. Das Arbeiten mit jungen Leuten macht mir Freude, da werde ich gezwungen, jung zu bleiben. Meine jetzige Lebenssituation beschreibe ich gerne so: Ich schaffe es, viele Türen aufzumachen, aber durchlaufen müssen dann die jungen Wissenschaftler. Dafür brauche ich gute Fachleute, die auch an der Basis arbeiten. Wer hier gearbeitet hat, ist auf dem Arbeitsmarkt der Implantattechnologie gefragt – weltweit.