Im Operationssaal der Zukunft

Wo Ärzte bei der Patientenbehandlung an ihre Grenzen stoßen, setzt das ZIK ICCAS an. Beim Digital Gipfel 2017 stellten die Leipziger den intelligenten OP vor. Die Kanzlerin höchstpersönlich bekam eine Führung in die Medizin der Zukunft.

Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung steht vor neuen Herausforderungen. Durch zunehmenden medizinischen Wissenszuwachs sind immer mehr Informationen über den einzelnen Patienten verfügbar. Daher kommen Ärzte bei der Patientenbehandlung zunehmend an ihre Grenzen. Viele Informationen müssen erworben, analysiert und bestmöglich eingesetzt werden, um dem Patienten eine optimale individuelle Behandlung zu ermöglichen. Andreas Melzer, Direktor des Leipziger Zentrums für computerassistierte Chirurgie (ICCAS), arbeitet gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Neumuth und seinem Team aus Informatikern, Ingenieuren und Medizinern daran, Computermodelle von Krankheitsbildern, individuellen Patientensituationen und Vorgehensweisen bei Therapien zu entwickeln. Die Bundeskanzlerin konnte sich in Ludwigshafen beim Digitalgipfel 2017 in einem virtuellen OP-Saal von den herausragenden Entwicklungen des ICCAS-Teams überzeugen.

Aufnahme aus dem virtuellen Operationssaal von ICCAS

Beim Digital Gipfel 2017 stellt ICCAS den intelligenten Operationssaal vor.

ICCAS

Der intelligente OP

„Der OP erkennt automatisch, was der Chirurg gerade tut und er weiß, was er als nächstes tun wird. Der intelligente OP denkt mit, denkt voraus und passt sich an“, erklärt Andreas Melzer. Der intelligente OP sorgt für Bildschirmumschaltungen, Informationspräsentationen oder Gerätekonfigurationen. Ähnlich wie im Navigationssystem eines Autos ist auf einem Bildschirm direkt am OP-Tisch eine Workflow-Prozesskarte integriert, welche den Chirurgen durch die OP hindurch navigiert aber auch unterschiedliche Optionen anzeigt. Die Einstellungen der OP-Geräte werden automatisch angepasst. Auf jeden Schritt des Arztes reagiert der OP flexibel und liefert nötige individuelle ganzheitliche Informationen über den Zustand des Patienten. Die nötigen Informationen liefert das System OncoFlow, das mit einem digitalen Patientenmodell arbeitet, welches die individuelle Patientensituation darstellt. Die Krankheitssituation und vielversprechende Therapieoptionen werden berechnet und helfen dem Arzt bei den Entscheidungen. Die Technik liefert aber nicht nur Informationen sondern warnt den Chirurgen auch vor Risiken. Wärmebildkameras beispielsweise helfen festzustellen, wo Blutgefäße liegen, damit der Chirurg diese aufspüren und erhalten kann. Die Operation verläuft sicherer und entspannter. Und das kommt am Ende dem Patienten zugute.

Thomas Neumuth (links) und Andreas Melzer von der Universität Leipzig präsentieren der Bundeskanzlerin den intelligenten OP.

Thomas Neumuth (links) und Andreas Melzer von der Universität Leipzig präsentieren der Bundeskanzlerin den intelligenten OP.

BMBF/Hans-Joachim Rickel

Der Weg in die Praxis

„Jede Idee muss letztendlich in der Praxis – das heißt im OP – funktionieren“, weiß Andreas Melzer. Daher arbeiten die Leipziger eng mit praktizierenden Medizinern zusammen, um gemeinsam Lösungen zu realisieren. Die Vision der Leipziger für die Zukunft: Ein „chirurgisches Cockpit“, das als umfassendes Assistenzsystem im Operationsaal sämtliche Arbeitsabläufe überwacht und den Chirurgen bei der Analyse von Informationen, der Therapieentscheidung und bei der Therapiedurchführung unterstützt. Der Chirurg kann alle verfügbaren Informationen per Sprach- und Gegensteuerung anfordern. Die Ergebnisse werden dann unmittelbar am Monitor und im Okular seines Operationsmikroskops angezeigt. Der intelligente OP ist bereits ein großer Schritt in die Zukunft der Medizin.

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