Impfen statt infizieren

In Thüringen ist die Kampagne „Impfen 60+“ jetzt offiziell gestartet. Das Projekt wurde vom Zwanzig20-Konsortium „InfectControl 2020“ ins Leben gerufen und soll ältere Menschen besser vor lebensbedrohlichen Infektionen schützen.

Mit zunehmendem Alter wird unser Immunsystem schwächer. Damit steigt auch das Risiko, sich beispielsweise mit Grippeviren oder Pneumokokken, den Erregern einer Lungenentzündung, zu infizieren. Mit dem deutschlandweit einzigartigen Programm „Impfen 60+“ startet in Thüringen eine Informationskampagne, die eine höhere Impfbereitschaft älterer Menschen erreichen soll. Auf diese Weise können gefährliche Infektionskrankheiten reduziert werden. Gleichzeitig sinkt auch das Risiko einer Sepsis – eine Überreaktion des Immunsystems, die durch Infektionen verursacht wird. „Drei von vier Sepsis-Patienten in Thüringer Krankenhäusern sind über 60“, sagt Professor Konrad Reinhart vom Uniklinikum Jena. „Die Sepsissterblichkeit steigt mit zunehmendem Alter drastisch an.“

Seniorin bekommt von einer Krankenschwester eine Spritze

Das Programm „Impfen 60+“ soll die Impfbereitschaft älterer Menschen steigern. 

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Die Kampagne klärt deshalb erstmals über die Zusammenhänge von Impfungen und Sepsis auf. Denn oftmals ist die Sepsis Folge einer Lungenentzündung, die wiederum durch eine Grippe-Erkrankung hervorgerufen werden kann. Eine Impfung gegen Influenza und Pneumokokken kann das verhindern. Genau das soll mit „Impfen 60+“ erreicht werden.

Entlastung für Mensch und Gesundheitssystem

Schirmherrin der Kampagne ist die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner. Ihr Ministerium hat begleitend dazu das Portal www.thüringen-impft.de gestartet. Wie im gesamten Konsortium von „InfectControl 2020“, das sich mit neuen Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten beschäftigt, sind auch am Projekt „Impfen 60+“ Experten verschiedener Disziplinen beteiligt. Dazu gehören Mediziner, Epidemiologen, Kommunikationsexperten, Designer und Psychologen. Gemeinsam wollen sie die mangelnde Impfbereitschaft von Menschen über 60 stoppen.

Die Kampagne ist unabhängig von der Pharmaindustrie. Die Initiatoren versprechen sich davon nicht nur den Rückgang von Infektionen und Sepsiserkrankungen, sondern auch eine Entlastung des Gesundheitssystems. Schließlich hat eine geringere Impfbereitschaft einen Anstieg von Infektionen zur Folge. Im Hinblick auf eine immer älter werdende Bevölkerung kann das zu häufigeren Krankenhausaufenthalten und damit zu einer Kostenexplosion führen. Um die ökonomischen Auswirkungen von „Impfen 60+“ zu untersuchen, wird die Aufklärungskampagne vom Uniklinikum Jena mit einer gesundheitspolitischen Bewertung begleitet.