Kreativ zwischen Kühen und Schafen

Raus aus der stressigen Stadt, rein in die ländliche Naturidylle. Für viele lediglich ein Traum fürs Wochenende, die Jobs gibt es in den Metropolen. Doch wie kann man Natur, Ruhe und Arbeitsalltag verknüpfen? Bei „BIGHub“ gibt es Ideen.

Blick auf den tiefblauen See. Ganz nah schwimmt ein kleines weißes Segelboot. Sanfte Wellen schlagen ans Ufer, das Licht der Sonne tänzelt durch die leise rauschenden Blätter auf der Wiese herum. Eine Gruppe von Leuten sitzt im Kreis. Ein idyllisches Örtchen am Ammersee, von Kuhweiden umgeben und Location des Innovationsforum Mittelstand „BIGHub“.

Initiator der Veranstaltung im oberbayerischen Utting ist die Ammersee Denkerhaus e. G. Das 2013 gegründete „Coworking Space“ will bundesweit ländliche Regionen für die Gründerszene öffnen. Neben einem Ideenwettbewerb für die besten Start-ups in ländlichen Regionen, gibt es verschiedene Sessions zum Thema Coworking. Wie lassen sich Coworking Spaces auch auf dem Land etablieren? Räume in denen verschiedenste Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen an einem Ort arbeiten. Nebeneinander, miteinander, füreinander. Völlig offen. Das Ammerseeufer liefert die ideale Kulisse für die Ideenfindung.

Doch es geht nicht nur um mehr Idylle im Alltag, sondern vor allem um Kreativität und um die Einbindung der Landbevölkerung. Durch die Digitalisierung und den Boom der Start-up-Szene verändert sich unsere Arbeitswelt, viele Berufe vor allem im Freelancing-Bereich sind nicht mehr standortgebunden. Manche Regionen verlieren mehr und mehr ihre junge Bevölkerung. Ländliche Gebiete sind für viele Innovative keine Option. Daher braucht es neue Arbeitsmodelle und neue Ideen, wie man auch ländliche Bereiche für die Kreativ- und Gründerszene öffnen kann. Gerade ländliche Regionen haben großes Potenzial: niedrigere Preise, schöne Natur, Raum für Ruhe und kreatives Schaffen, gerade in Zeiten, die gefühlt immer hektischer werden, alles immer schneller geht. Aber wie schafft man es, dieses Potenzial richtig zu nutzen?

Kommunikative Räume

Tobias Kiemkau ist Vorreiter beim Thema Coworking Spaces. Mit seinem Start-up St. Oberholz gründete er eine der Geburtsstätten des Coworking und entwickelte daraus ein neues Geschäftsmodell. Mittlerweile hilft er großen Unternehmen, solche Spaces einzurichten. Ein Projekt beispielweise ist „Block-O“, ein Raum der Coworking Space, Coffee Shop und Bankfiliale in Frankfurt/Oder miteinander verbindet und bei dem Kiemkau die Sparda Bank Berlin beriet, unterstützte und betreute. Mittlerweile arbeiten dort Freelancer, Kreative und Bankangestellte zusammen. Er sieht im Coworking die Zukunft unserer Arbeitswelt. Nicht nur, dass das Modell verschiedene Potenziale bündelt und Brücken in der Arbeitswelt schafft, es bietet Menschen auch die Möglichkeit ihren Lebensraum freier zu wählen, reduziert Verkehr und schont damit die Umwelt. Pendler werden entlastet, die urbanen Räume auch. Lächelnd fügt Kiemkau hinzu: „Im Grunde rettet Coworking Leben.“

Ideen braucht das Land

In nur neun Monaten hat BigHub in der Region südlich von München ein Netzwerk ins Leben gerufen, um hier eine Start-up-Kultur aufzubauen. Der Ideenwettbewerb: ein Höhenpunkt. Ein Sieger ist das Projekt „Vertrieb von A2-Rohmilch“. Das Start-up, hier ein bäuerlicher Familienbetrieb, stellt die spezielle tiefgekühlte und verträgliche Milch her, vertreibt sie online und richtet sich so an weitverstreute Spezialkäufer wie Menschen mit Milchunverträglichkeiten. Kompostierbare Verpackungen und der Einsatz von Solarstrom schützen die Umwelt. Aber nicht nur der Milch-Onlineshop kommt gut an.

Schafe grasen auf einer Weide.

Beim Schaf-Sharing ersetzt das Schaf die Maschinen und widmet sich der natürlichen Flächenpflege.

Istock – wakila

Eine Idee ist das Schaf-Sharing „Miet‘ dir doch ein Schaf“ als alternative Flächenpflege. Auch hier geht es um ökologische Aspekte. Das ausgeliehene Schaf ersetzt Maschinen, indem es seiner Natur nachgeht und einfach Gras frisst. Die Innovation stärkt gleichzeitig den nachbarschaftlichen Zusammenhalt, die Artenvielfalt und schützt Lebensräume. BIGHub zeigt: Auf dem Land, zwischen Kühen und Schafen, steckt nicht weniger Zeitgeist als in der Stadt. Und vielleicht auch die Zukunft einiger Städter.

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