Lebenswert altern im Garten der Metropolen

93 Prozent der Menschen haben den Wunsch, bis zum Lebensende zuhause zu wohnen. Doch für viele geht er nicht in Erfüllung – noch nicht. Die WIR!-Initiative "A2030" punktet mit neuen Konzepten zum Erhalt selbstbestimmten Lebens im eigenen Heim.

Vorpommern und der Landkreis Rostock sollen zu Modellregionen werden. Sie sind dünn besiedelt, die Menschen in den ländlichen Regionen haben oft mit mangelnder Infrastruktur zu kämpfen, Busse fahren selten, der Arzt ist weit entfernt und ohne Auto schwer zu erreichen. Wie kann man trotzdem im eigenen Zuhause alt werden? Das Bündnis A2030 will neue Ideen entwickeln, um die Lebensqualität der alternden Bevölkerung zu erhalten. Statt neue Pflegeplätze zu schaffen, will A2030 das selbstbestimmte Wohnen im Alter fördern – unter anderem mit preisgünstigen und barrierefreien Wohnungen. Bewährt sich das Konzept in den Modellregionen, soll die ganze Region entlang der A20 davon profitieren.

GESUNDES ALTERN ENTLANG DER A20

1,6 Millionen Menschen leben in Mecklenburg-Vorpommern, davon ein Drittel der Bevölkerung in Häusern mit sechs bis zwölf Wohnungen, auch auf dem Land. „Wir haben die Wohnungswirtschaft in den Mittelpunkt gesetzt, die die Mieter möglichst lange bedarfsgerecht in der Wohnung halten will. Ebenso wollen die Bürger möglichst lange auch im hohen Alter selbstbestimmt in ihrer Wohnung leben“, so die Sprecherin des Bündnisses, Petra Maier von der Hochschule Stralsund.

Physiotherapeutin und Patient

Physiotherapie zu Hause – das unterstützt ältere Menschen in körperlicher und sozialer Hinsicht.

Fuse – Thinkstock

Zwei Bereiche beschäftigen sich mit der Entwicklung neuer Konzepte zum Erhalt der Mobilität innerhalb und außerhalb der eigenen Wohnung. Zum einen „Bauen und Wohnen“ und zum anderen die „Mobilität von Dienstleistungen und Personen“. Während an der Küste eine hohe Versorgungsdichte herrscht, ist das Hinterland infrastrukturell unterversorgt. „Wir wollen es möglich machen, dass soziale Versorgungsstellen innerhalb von zehn Minuten erreichbar sind“, berichtet die Ingenieurin Marion Wienecke von der Hochschule Wismar, eine der drei Gründungspartner des Bündnisses. Dazu gehören umfangreiche Konzepte, die unter anderem eine breitere Qualifizierung der Fachkräfte und den Einsatz intelligenter Technologie anstreben.

MOBILITÄT UND SOZIALE TEILHABE

„Mecklenburg-Vorpommern ist der Garten der Metropolen Hamburg, Rostock, Stettin und Berlin und soll ein lebenswerter Ort werden“, so beschreibt Marion Wienecke gerne die Vision der Hochschule Wismar. Dabei geht es nicht nur um die bloße Versorgung, das Bündnis legt auch Wert auf emotionale Bedürfnisse. Wie kann der Einsamkeit im Alter begegnet werden? So beinhalten zum Beispiel Belieferungen durch Supermärkte auch eine soziale Komponente, ein Lieferservice, der auch Zeit für ein Gespräch hat.

„Wenn ich die Möglichkeit schaffe, soziale Personen aufzusuchen, dann schaffe ich es auch am sozialen Leben teilzunehmen. Damit erreichen wir mehr Zufriedenheit“, sagt Stefan Teipel von der Universität Rostock, ebenfalls Partner im Bündnis. An der Universität Rostock leitet der Psychiater das Department „Altern des Individuums und der Gesellschaft“. Durch die Mobilisierung von Dienstleistungen soll das Verhältnis zwischen der hohen Versorgung in den Küstenstädten und der schlechten Versorgung im Hinterland ausgeglichen werden.

Der älter werdende Mensch hat drei wesentliche Bedürfnisse, die das Bündnis vor Augen hat: Der Grundbedarf muss gedeckt werden, der Mensch möchte möglichst gesund bleiben und er will am sozialen Leben teilnehmen. Diesen Ansprüchen will A2030 mithilfe neuer Technologien gerecht werden. Doch das Bündnis A2030 blickt noch weiter in die Zukunft: Ist das Leben für ältere Menschen in Mecklenburg-Vorpommern attraktiver als anderswo, so entscheiden sich vielleicht auch künftig mehr Menschen, im Nordosten nicht nur Urlaub zu machen, sondern auch hier zu leben.

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